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Mercenaries erleben ein Déjà-vu
Mercenaries erleben ein Déjà-vu
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07:39 21.06.2021
Marburgs Runningback Marcus Cox (mit Ball) hatte einen schweren Stand gegen die Ravensburger Defensive.
Marburgs Runningback Marcus Cox (mit Ball) hatte einen schweren Stand gegen die Ravensburger Defensive. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Es gab Redebedarf bei den Marburg Mercenaries nach der gestrigen 20:28 (13:14)-Niederlage in der German Football League (GFL) gegen die Ravensburg Razorbacks. Als einige Spieler und Helfer der Mannschaft ­im Georg-Gaßmann-Stadion bereits mit dem Platzabbau begonnen hatten, standen Quarterback Sonny Weishaupt, Offensive Coordinator Tim Bishop und ein paar Spieler noch zusammen, um über die zweite Niederlage im zweiten Heimspiel zu sprechen.

„Unsere Probleme sind offensichtlich“, sagte Weishaupt, der gegenüber der OP zu der Erkenntnis kam: „Wir müssen unsere Offense Line nach vorne bringen – sowohl im Lauf- als auch im Passspiel. Gerade wenn wir in Situationen kommen, die klar fürs Passspiel sprechen, brauchen wir etwas Zeit“, sagte Weishaupt. Offensivspieler Niklas Fengler stellte fest, dass sein Team in der entscheidenden Phase des Spiels „mental nicht da“ war. „Daran müssen wir arbeiten. Wir haben Fehler gemacht, die vermeidbar waren, standen uns selbst im Weg.“ Wieder einmal.

Dabei sahen die etwa 250 Zuschauer lange das, was die Verantwortlichen der „Söldner“ erwartet hatten: ein Spiel auf Augenhöhe, in dem sich kein Team entscheidend absetzen konnte. Mit einem Field Goal brachte Kicker Nicola Pirone die Gastgeber mit 3:0 in Führung. Die Baden-Württemberger konterten aber noch im ersten Viertel mit einem schönen Lauf des bärenstarken Runningbacks Lennies McFerren in die Endzone. Kicker Linus Diez besorgte dem Aufsteiger den Extrapunkt zur 7:3-Führung.

Glück hatte Weishaupt, dass Duncan Lane den Ball beim Pass des Marburger Spielmachers auf Niclas Kranz durch seine Hände rutschen ließ – Weishaupts Gegenüber Ryan Deal hatte bereits im ersten Drive des Spiels eine Interception gegen Marvin Hart produziert, tat dies auch im zweiten Spielabschnitt, als Ruben De Ruyter dazwischenfunkte.

Doch auch die „Mercs“ erlaubten sich immer wieder unnötige Ballverluste und technische Unzulänglichkeiten. „Nichts gegen den Gegner, der absolut verdient gewonnen hat“, räumte Weishaupt ein, „aber wie schon gegen Allgäu und Stuttgart haben wir viel zu viele Möglichkeiten liegengelassen“, sagte der Starter und spielte damit auf mehrere Situationen an, in dem aussichtsreiche Pässe den Marburger Offensivspielern durch die Hände flutschten und in denen Strafen die Heimmannschaft zurückwarfen. „Das müssen wir in den Griff bekommen“, forderte Weishaupt.

Mit einem Touchdown des früheren Green-Bay-Packers-Tight-Ends Ryan Smith und einem Extrapunkt durch Diez erhöhte Ravensburg auf 14:3, doch Marburg kam noch vor der Pause heran: Einen 25-Yard-Pass von Weishaupt krönte Philipp Eichhorn mit einem Lauf in die Endzone, Pirone besorgte den Extrapunkt zum 10:14. Doch wie Weishaupt und Fengler ärgerte sich auch Eichhorn, denn: „Ravensburg war ein schlagbarer Gegner, wir haben uns aber selbst geschlagen. Wir müssen daran arbeiten, die kleinen Fehler abzustellen. Die Offense kann es, nur muss jeder seinen Job erledigen“, sagte der Tight End, dessen Team durch ein 30-Yard-Field-Goal von Pirone zur Halbzeit auf 13:14 aufschloss.

Mit einem Kick-off-Return-Touchdown, einem sagenhaften und frenetisch umjubelten Lauf übers ganze Spielfeld, drehte Hart direkt mit Wiederbeginn das Spiel (19:14), Pirone legte nach (20:14). Während die Marburger Offense fortan aber nicht mehr ins Rollen kam, Weishaupt einen Fumble produzierte, sorgte McFerren mit zwei Klasseläufen in die Endzone und Kicker Diez mit Extrapunkten für den 28:20-Sieg für die „Rasiermesser“, die die Partie konzentriert zu Ende spielten, während den Gastgebern die Luft ausging.

„Die Hitze spielt immer etwas mit. Nach der Halbzeit ist meistens erstmal die Luft raus, sodass man erst zurückfinden muss. Das ist manchmal schwierig“, sah Linebacker Johannes Greif einen weiteren Faktor für die Niederlage, die die neue Anzeigetafel diesmal nicht anzeigte. Ihr machten die Temperaturen von knapp 30 Grad Celsius derart zu schaffen, dass sie bereits vor dem Kickoff den Dienst quittiert hatte.

Von Marcello Di Cicco