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Lokalsport Jens Wanger spielt sich zum Titel
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14:59 31.05.2022
Ein Marburger, umgeben von einem Schweizer, einem Dänen und einem Schotten: Jens Wanger (Zweiter von links) mit Vizemeister Kurt Bachmann (von links) sowie den Halbfinalisten Bjarne Tekker und Brian Carson.
Ein Marburger, umgeben von einem Schweizer, einem Dänen und einem Schotten: Jens Wanger (Zweiter von links) mit Vizemeister Kurt Bachmann (von links) sowie den Halbfinalisten Bjarne Tekker und Brian Carson. Quelle: Foto: Alexander Kauka
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Bad Homburg

Er wusste nicht, was ihn erwarten würde. Er war gespannt darauf, wollte vor allem Spaß haben, aber auch möglichst gut abschneiden. Hat er: Jens Wanger hat bei den German Open, den offenen Deutschen Tischtennis-Meisterschaften der Parkinson-Erkrankten, den Titel in seiner Wettkampfklasse gewonnen. Auch im Doppel war er dabei.

Halbfinale gegen Dänen, Finale gegen Schweizer

Der Marburger hatte als Kind und Jugendlicher Tischtennis gespielt. Im Jahr 2000 war bei ihm Parkinson diagnostiziert worden, da war er 37 Jahre alt. Erst vor einem Dreivierteljahr entdeckte der passionierte Windsurfer den Tischtennissport wieder für sich (die OP berichtete). Er wollte bei den Meisterschaften in Bad Homburg herausfinden, wo er sportlich im Vergleich zu anderen Spielern, die an der neurodegenerativen Krankheit leiden, steht.

Wanger spielte in der mittleren von drei Klassen. In der Vorrunde gewann er vier von sechs Partien, erreichte damit die K.-o.-Phase, in der er Achtel- und Viertelfinale jeweils souverän mit 3:1 Sätzen für sich entschied. Im Halbfinale traf der 59-Jährige dann auf den Dänen Bjarne Tekker, gegen den er in der Gruppenphase noch unterlegen war und der bis zu diesem Zeitpunkt alle Partien gewonnen hatte. Wanger steigerte sich, präsentierte sich nervenstark, gewann erneut mit 3:1, zog ins Endspiel ein.

Auf Kurt Bachmann war Wanger bereits in der Vorrunde getroffen, hatte dort sein bestes Spiel gezeigt und glatt gewonnen. Im Finale war der Gegner aus Luzern jedoch besser auf den Marburger eingestellt, machte es ihm deutlich schwerer und glich nach verlorenem ersten Satz postwendend aus. Auch nachdem Wanger den dritten Durchgang deutlich mit 11:1 für sich entschieden hatte, kam der Schweizer zurück, glich erneut aus. Im entscheidenden Satz führte Wanger von Beginn an, zeigte erneut keine Nerven, setzte sich letztlich mit 11:8 durch. „Ich hatte ein gutes Gefühl, am Ende ist es aber ziemlich knapp geworden“, bilanzierte der 59-Jährige.

Einfach, betont der Spieler, der seit Herbst vergangenen Jahres beim TTV Großseelheim trainiert, war es nicht: „Das, was ich kann, habe ich gespielt.“ Dass es für den Titel gereicht hat, macht ihn stolz. Vor allem, das war ihm am wichtigsten: „Ich hatte eine Menge Spaß dabei.“

Im Doppel gemeinsam mit einem 80-Jährigen

Das galt nicht zuletzt für die Doppelkonkurrenz. Wanger hatte im Vorfeld keinen Partner, lernte erst vor Ort Lienhard Dräger, den mit 80 Jahren ältesten Teilnehmer an den Meisterschaften, kennen. In der Vorrunde gewannen sie zwei von drei Partien, verpassten aber das Halbfinale bei Sieg- und Satzgleichheit mit zwei anderen Paaren aufgrund der leicht schlechteren Punktdifferenz hauchdünn. Mit zwei weiteren Siegen sicherten sie sich den fünften Platz.

Eine „besondere Ehre“ für Wanger, aber auch andere Aktive: Jörg Roßkopf, Nationaltrainer und früherer Weltklassespieler, schaute sich einige Partien an und nahm die Siegerehrung vor.

Von Stefan Weisbrod