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Lokalsport Wie umweltfreundlich sind Sportvereine?
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08:00 01.08.2022
Moderne LED-Technologie wie auf einem Fußballplatz im Stadtallendorfer Herrenwald-Stadion (links) bringt viele ökonomische Vorteile mit sich. So verbrauchen LED-Strahler grundsätzlich weniger Energie als herkömmliche Strahler (rechts).
Moderne LED-Technologie wie auf einem Fußballplatz im Stadtallendorfer Herrenwald-Stadion (links) bringt viele ökonomische Vorteile mit sich. So verbrauchen LED-Strahler grundsätzlich weniger Energie als herkömmliche Strahler (rechts). Quelle: Stadtverwaltung Stadtallendorf
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Ob LED-Flutlicht beispielsweise beim TSV Eintracht Stadtallendorf, VfL Dreihausen, den SF BG Marburg und dem SV Bauerbach oder eine Solaranlage auf einer Tennishalle des TC Marburg oder etwa die Blumenwiese am Rande des Georg-Gaßmann-Stadions – es tut sich was in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit.

Umwelt-, Natur- und Klimaschutz betreffen alle gesellschaftlichen Akteure und sind inzwischen auch ein wichtiges Thema im Sport. Zahlreiche heimische Sportvereine wissen dies und tragen deshalb aktiv zum Schutz unserer Umwelt bei. Es gibt aber auch noch viel zu tun.

Weniger Verbrauch dank LED

Moderne LED-Technologie wie auf einem Fußballplatz im Stadtallendorfer Herrenwald-Stadion bringt viele ökonomische Vorteile mit sich, sodass sich die Investition häufig schon innerhalb weniger Jahre amortisiert – unabhängig davon, ob Sie eine neue Sportanlage planen oder die Flutlichtanlage eines bestehenden Sportplatzes umrüsten wollen. So verbrauchen LED-Strahler grundsätzlich weniger Energie als herkömmliche Strahler, was sich sofort positiv auf den Stromverbrauch auswirkt – Experten sprechen von 40 bis 90 Prozent weniger Strom. Zudem haben LED-Strahler eine längere Lebensdauer, sodass sich der Wartungs- und Instandhaltungsaufwand reduziert.

Der Landessportbund Hessen (lsb h) hat seit 1998 nach eigenen Angaben inzwischen rund 4 000 vereinseigene und kommunale Sportanlagen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Es gibt immer noch zu große und ineffiziente Heizungen und Warmwasserspeicher, Asbest auf dem Dach, ungedämmte Dächer und Fassaden, veraltete Sanitäranlagen, die viel Wasser verschwenden. Kurzum: Immer noch existieren Sportstätten, die sanierungsbedürftig sind und einen entsprechend hohen Energie- und Ressourcenverbrauch haben.

Durch Heizungserneuerung, Wärmedämmung oder die Nutzung erneuerbarer Energien ließen sich jedoch Kosten im Verein einsparen und gleichzeitig die Umwelt schonen. Viele Landessportbünde bieten ihren Sportvereinen eine Beratung beziehungsweise einen „Öko-Check“ an, so auch der Landessportbund Hessen.

„Seit dem Angriffskrieg und der damit verbundenen Auswirkungen – Energiekrise, Kostensteigerung – sind die Beratungsanfragen explodiert und wir können derzeitig nur schwer alle Anfragen beantworten“, sagt Jens Prüller, zuständig als Geschäftsbereichsleiter Sportinfrastruktur beim lsb h.

So funktioniert der Öko-Check

Der Öko-Check des Landessportbundes Hessen besteht im Wesentlichen aus drei Schritten: Vorbereitung, Beratung vor Ort und Ergebnisbericht.

Die Vorbereitung: Grundlage jeder Beratung sind Daten über die Sportstätte. Dazu gehören Gebäudedaten, Energie-, Wasser- und Stromverbrauch sowie die damit verbundenen Kosten der vergangenen drei Jahre. Diese Daten werden im Vorfeld abgefragt oder sollten spätestens bis zum Beratungstermin zusammengestellt werden.

Die Beratung vor Ort: Die Beratung besteht aus der Begehung der Sportstätte, bei der der Berater den Istzustand protokolliert, und dem eigentlichen Beratungsgespräch. Dabei macht der Berater Vorschläge für die wirksamsten Investitionen, informiert über Techniken und Alternativen und berechnet auch die möglichen Zuschüsse. Das Ganze dauert in der Regel zwei bis drei Stunden.

Der Ergebnisbericht: Der Berater erstellt einen auf die Sportstätte zugeschnittenen Bericht mit der Dokumentation des Istzustandes. Er skizziert darin alle notwendigen Maßnahmen und beurteilt deren Wichtigkeit mit einer Prioritätenliste. Kein Verein verpflichtet sich, die Vorschläge im Bericht alle umzusetzen. Grundsätzlich können Fördermittel beantragt werden. So hat der lsb h zum 1. Juli etwa sein Sonderförderprogramm „Klimaschutz und Kosteneinsparung im Sportverein“ erweitert. Nutzen können es künftig auch Vereine, die mit regenerativen Systemen (zum Beispiel Wärmepumpen) ihre Anlagen heizen oder Strom aus der eigenen Solarstromanlage speichern wollen. Gefördert werden Maßnahmen mit bis zu 2 000 Euro, ein Eigenanteil von 25 Prozent ist von den Vereinen zu tragen. Das Sonderförderprogramm ist vorerst befristet bis zum 31. Dezember 2023. Der lsb h informiert die Vereine bei der Öko-Check-Beratung detailliert über die Fördermöglichkeiten.

Der Sportkreis Marburg-Biedenkopf vermittelt Beratungsgespräche mit dem lsb h und unterstützt die Vereine bei Anträgen von Zuschüssen, Telefonnummer 0 64 21 / 4 07 16 41.

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf sei „im durchschnittlichen Bereich bei den Beratungszahlen angesiedelt. Insgesamt wurden dort bislang 196 Beratungen durchgeführt“, sagt Prüller.

Peter Jacobi vom Sportkreis Marburg-Biedenkopf teilte mit, dass in den vergangenen drei Jahren im Schnitt 20 Vereine aus dem hiesigen Sportkreis das Angebot „Öko-Check“ angenommen hätten.

Tipps für mehr Nachhaltigkeit

  • Verpackungsmüll reduzieren und durch recycelte Produkte ersetzen.
  • Einwegteller, -besteck und -tassen durch Mehrweg-Geschirr aus Keramik oder Metall ersetzen.
  • Bei der Anschaffung von Sportartikeln und -bekleidung auf Herkunft sowie Produktion achten und die Langlebigkeit in den Fokus stellen.
  • Pokale, Preise und Ähnliches werden nach Nachhaltigkeitskriterien angepasst (es werden Dinge verwendet, die einen Nutzen haben sowie fair und/oder ökologisch produziert wurden; Blumensträuße als Geschenke werden ersetzt durch nachhaltige Topfpflanzen).
  • Ausrangierte Sportgeräte nicht wegwerfen, sondern recyceln oder als Spenden weitergeben.
  • Durchführung einer Wartung der Fenster und Türen (Prüfung auf fachgerechte Schließung; Erneuerung der Fenster- und Türdichtungen).
  • Umrüstung auf ressourcenschonende Sanitäranlagen
  • Umrüstung auf LED-Lichttechnik (Indoor und Outdoor).
  • Absenkung der Raumtemperatur um 2 Grad im Vergleich zur vorherigen Heizperiode.
  • Steuerung der Heizungsanlage auf die Belegungszeiten.
  • Verzicht auf die Nutzung gas- oder strombetriebener Zusatzheizgeräte (z. B. Heizpilze, Heizradiatoren).
  • Umrüstung auf regenerative Energieträger (Wasserkraft, Solar- und Windenergie, Biomasse sowie Geothermie).
  • Umrüstung auf smarte Steuerung der Heiz- und Lichttechnik für bedarfsgerechte Nutzung.
  • Sensibilisierung der Mitglieder über Energieverbräuche und Aufzeigen der Einsparpotenziale.
  • Aufforderung, Duschzeit zu kürzen.
  • Sensibilisierung für Lichtnutzung in Vereinsräumen.
  • Verzicht auf Nutzung stromverbrauchender Geräte (Haarföhn, Glätteisen) in Umkleidekabinen.
  • Konzeptentwicklung zu energiesparendem Trainings- und Wettkampfbetrieb, z. B. bessere Nutzung bisher nicht genutzter Trainingszeiten (z. B. Randzeiten).
  • Nutzung einer Anlage bei Spielgemeinschaften im ländlichen Raum.
  • Mehrfachnutzung von Hallen, sofern möglich.
  • Verlegung von bodennahen Sportarten (z. B. Reha-Sport, Gymnastik, Yoga, Eltern-Kind-Turnen usw.) in kleinere Räume.
  • Durchführung des Trainingsbetriebs so lange wie möglich outdoor.
  • Vermehrte Durchführung von Trainingsspielen anstelle von Einzeltrainings.
  • Verlängern von Winterpausen und Saisons in den Sommer verlegen.
  • Verzicht auf flächendeckende Hallenturniere.
  • Vereinsmitglieder werden ermutigt, mit dem Fahrrad oder zu Fuß zum Verein zu kommen.
  • Für Vereinsmitglieder wird sich für Rabatte im öffentlichen Nahverkehr eingesetzt.
  • Der öffentliche Nahverkehr wird gegebenenfalls bei der Wahl der Trainingszeiten beachtet.
  • Es werden regionale, saisonale und biologische Zutaten verwendet.
  • Lebensmittelverschwendung wird vermieden (durch den Gebrauch von Foodsharing oder Spenden an die Tafel).
  • Sportverpflegung wird selbst hergestellt.
  • Im Verein werden Tauschaktionen durchgeführt und die Verwendung von Secondhandkleidung und Sportartikeln gefördert.
  • Es werden Events zum gemeinsamen Müllsammeln veranstaltet.
  • Die Bewässerung des Vereinsgeländes wird reduziert und die Pflanzen den Veränderungen des Klimawandels angepasst.

Von Michael E. Schmidt