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Mali Solas Knie macht nicht mit
Mali Solas Knie macht nicht mit
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11:00 28.12.2021
Mali Sola (rechts) in einem Spiel gegen Keltern um Anita Teilane. Mit nur 23 Jahren hat sie ihre Karriere im Leistungssport beenden müssen.
Mali Sola (rechts) in einem Spiel gegen Keltern um Anita Teilane. Mit nur 23 Jahren hat sie ihre Karriere im Leistungssport beenden müssen. Quelle: Archivfoto: Thorsten Richter
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Marburg

Sie genießt die Zeit mit der Familie. Davon hat Maria-Angelina Sola gerade an und um Weihnachten in der Vergangenheit weniger gehabt. „Das ist sozusagen ein Vorteil, wenn man verletzt ist“, sagt die Basketballerin im Gespräch mit der OP. Trotzdem wäre sie lieber in Marburg, würde auf dem Parkett stehen, sich mit ihren Teamkameradinnen vom BC Pharmaserv auf das nächste Bundesliga-Spiel vorbereiten. Es wird nicht mehr passieren.

Mit gerade einmal 23 Jahren ist die Leistungssportlaufbahn der gebürtigen Westfälin, die nur selten ihren kompletten Vornamen hört, meist kurz Mali genannt wird, zu Ende. Ihr rechtes Knie macht nicht mehr mit, genauer gesagt das Kreuzband. An dem stehen im neuen Jahr die Operationen Nummer fünf und sechs an. Dann geht es darum, dass sie sich mittelfristig wieder normal bewegen, Sport auf weniger belastendem Niveau betreiben kann. „Ich bin ein aktiver Mensch. Ich will möglichst wenig eingeschränkt sein“, sagt Mali Sola.

Schon in der ersten Saison reißt das Kreuzband erstmals

2016, nach ihrem Abitur, hatte die damals 18-Jährige ihre Heimatstadt Herne verlassen, kam zum Studieren und natürlich zum Basketballspielen nach Marburg, feierte Ende September bei einem 76:53-Sieg gegen Chemnitz ihr Debüt bei den Blue Dolphins. Gut zwei Monate später, in ihrer zehnten Partie, zog sie sich den ersten Kreuzbandriss im rechten Knie zu. Ans Aufgeben dachte sie keine Sekunde. „Ich habe mich relativ schnell erholt und habe gedacht, dass alles super ist“, sagt sie im Rückblick. Doch weniger als ein Jahr später riss das Kreuzband erneut. Die Flügel- und Centerspielerin ließ sich nicht unterkriegen. Sie machte eine „krasse Reha“, arbeitete hart an ihrem Comeback, kam zurück und war überzeugt, „da ist alles bombenfest, da geht nichts mehr kaputt“.

Einige Zeit schien es tatsächlich so. In der vergangenen Saison traten Probleme auf. Sie verspürte eine Reizung im Knie. Bei einer MRT-Untersuchung sah es dann so aus, als sei das Kreuzband nicht mehr vorhanden. „Ich habe mich gefragt, wie es sein kann, dass es weg ist. Ich habe das gar nicht verstanden“, erzählt Mali Sola. Tatsächlich, versicherten ihr anschließend andere Ärzte, war es nicht verschwunden. „Es sah von der Struktur anders aus, sodass es beim MRT nicht gut erkennbar war.“

Hohe Belastung für das Knie

Das war nicht der Schock, der kam im vergangenen Sommer. Nach der „blöden Corona-Saison“ freute sie sich wieder auf Partien vor Fans. „In der Halle einzulaufen und zu spielen, wenn alle laut sind, das ist toll“, sagt sie, vermisst diese Atmosphäre. Doch in der ersten Woche der Vorbereitung passierte es, knickte ihr rechtes Bein im Training weg. Wieder war das Kreuzband kaputt, wieder folgten Untersuchungen. Inzwischen ist klar, hat sie selbst begriffen: Die Karriere als Leistungssportlerin ist beendet. Die Belastung von täglichen Trainingseinheiten würde das Knie, selbst wenn es noch so gut verheilt, kaum mehr mitmachen.

„Es tut weh“, sagt Mali Sola. Die Psychologie-Studentin meint damit nicht die Schmerzen im Knie, sie meint den Gedanken, dass nicht mehr geht, worauf sie seit ihrer Kindheit hingearbeitet hatte. „Es ist hart.“ Inzwischen kann sie das sagen, ohne dass die Gefühle durchbrechen. Vor wenigen Monaten ging das nicht: „Ich brauchte erst mal etwas Abstand von Marburg. Mir ging es richtig schlecht. Ich musste damit erst mal klarkommen“, berichtet die 23-Jährige. Von ihren Teamkameradinnen erhielt sie viel Zuspruch. Nette Worte halfen ihr, vor allem die von Marie Bertholdt: „Sie hatte selbst einen Kreuzbandriss und hat sich sehr gut in mich hineinversetzen können.“

Mali Sola will etwas zurückgeben. Inzwischen ist es für sie kein Problem mehr, in Marburg, in der Georg-Gaßmann-Halle zu sein. Bei den meisten bisherigen Heimspielen ist sie dabei gewesen, feuerte von außen an. „Vielleicht kann ich so etwas helfen. Ich will es zumindest versuchen.“

Und wie geht es weiter? Für Mitte Januar ist ein kleinerer Eingriff geplant, im Frühling soll dann die eigentliche Kreuzband-Operation erfolgen – die letzte, wie Mali Sola hofft. Folgen soll die letzte Reha. Und dann, realistisch im Sommer 2023, will sie wieder Basketball spielen – im Amateurbereich, vielleicht fürs dritte Team des BC. „Das ist jetzt mein Ziel. Ganz ohne Basketball geht es nicht.“

Von Stefan Weisbrod