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Phillips träumt von der Regionalliga-Rückkehr
Phillips träumt von der Regionalliga-Rückkehr
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07:58 04.12.2021
Malcolm Phillips (Zweiter von rechts, hier im Testspiel gegen Leusels Lukas Ruppel) ist eine der großen Stützen in der Abwehr von Eintracht Stadtallendorf.
Malcolm Phillips (Zweiter von rechts, hier im Testspiel gegen Leusels Lukas Ruppel) ist eine der großen Stützen in der Abwehr von Eintracht Stadtallendorf. Quelle: Tobias Hirsch
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Stadtallendorf

Eigentlich hätte Eintracht Stadtallendorf nach dem letzten Heimspiel des Jahres an diesem Samstag (4. Dezember, 14 Uhr) gegen den Hanauer FC allen Grund zum Feiern gehabt. Für die Aufstiegsrunde der Fußball-Hessenliga hat sich das Team um Cheftrainer Dragan Sicaja längst qualifiziert, grüßt inzwischen sogar von der Tabellenspitze der Qualifikationsgruppe A.

Nach der erfolgreichen Hinserie hätte am Spieltag eine Open-Air-Weihnachtsfeier stattfinden sollen, wegen der aktuellen Infektionslage wurde diese nun ins Frühjahr verschoben. Lieber richtig feiern als mit angezogener Handbremse – so hält man es beim TSV, der mit seinen Fans in einigen Monaten vielleicht sogar noch mehr zu feiern hat. „Wir werden in den Playoffs alles daran setzen, um am Ende in die Regionalliga aufzusteigen“, verspricht Malcolm Phillips. In der vergangenen Viertliga-Spielzeit half der 24-Jährige schon häufiger in der Innenverteidigung aus. Nach dem Weggang von Kevin Vidakovics ist der etatmäßige „Sechser“ im Abwehrzentrum gesetzt, überzeugt dort mit gutem Stellungsspiel, einer starken Zweikampfbilanz und seiner Kopfballstärke.

Der Traum von der MLS platzte

„Ich denke, dass der Trainer zur Kenntnis genommen hat, dass ich Innenverteidiger auch ganz gut kann. Ich spiele diese Position gerne – aber meinetwegen auch linkes Mittelfeld. Die Hauptsache ist, dass ich spiele“, flachst Phillips, der den deutschen und amerikanischen Pass besitzt.

Bei seinem Heimatverein, dem Frankfurter Stadtteil-Club Viktoria Sindlingen, machte Phillips seine ersten fußballerischen Schritte, wechselte im zweiten A-Jugend-Jahr zum FC Eddersheim, für den er jedoch zunächst gar nicht spielte. Für ein zweijähriges Intermezzo zog es ihn zunächst in die USA, wo es ihm auch gefiel – aber: „Ich war etwas naiv, dachte, ich gehe nach Amerika und bin zwei Jahre später in der MLS.“ Statt Major League Soccer hieß seine Zukunft aber FC Eddersheim, wo er mit der zweiten Garde zunächst Kreisoberliga-Meister und ab 2017 fester Bestandteil der ersten Mannschaft wurde, mit ihr von der Verbands- in die Hessenliga aufstieg.

Malcolm Phillips (links, Eintracht Stadtallendorf) gegen Sebastian Schiek und Jonas Meiser (Großaspach) Malcolm Phillips (links, Eintracht Stadtallendorf) gegen Sebastian Schiek und Jonas Meiser (GroÃaspach) Quelle: Thorsten Richter

Nach einem schwierigen Regionalligajahr ist der Abwehrspieler, dessen flatternden Freistöße in der Liga gefürchtet sind, mit den Stadtallendorfern in dieser Spielzeit in der Spur. Überrascht ist Phillips angesichts des Erfolgs nicht – aber: „Bei den vielen Abgängen vor der Saison hätte ich nicht gedacht, dass wir uns so gut finden. Es ist schon richtig geil, wie die Saison bisher gelaufen ist.“ Und das soll auch so bleiben, geht es nach Phillips und Co.

Im Hanauer FC erwarten die Herrenwälder einen Gegner, der selbst bei zwei Siegen in den verbleibenden Partien kaum noch Chancen auf die Aufstiegsrunde hat. „Klar kann es sein, dass es für uns kein so wichtiges Spiel ist“, weiß Phillips. Denn kommt der älteste Fußball-Verein Hessens nicht in die Playoffs, werden die Punkte gegen Hanau gestrichen.

Malcolm Phillips (Eintracht Stadtallendorf) Quelle: Thorsten Richter

„Aber wir sind auf Platz eins, wollen uns von dort auch nicht verdrängen lassen. Das ist Extramotivation, noch mehr Gas zu geben – egal, wer der Gegner ist“, verspricht Phillips, der zuletzt wegen Leistenproblemen in Spielen und im Training kürzertrat. „Ist nichts Ernstes“, sagt der 24-Jährige. Dennoch könnte er gegen Hanau geschont werden.

Denn allen Beteiligten ist klar: Im Frühjahr wird es richtig ernst, dann geht es um den dritten Regionalliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte. Allein, um die Atmosphäre in Stadien wie am Bieberer Berg in Offenbach zu erleben, möchte Phillips wieder in die vierte Liga, die er pandemiebedingt nur mit Teil- oder Komplettausschluss der Zuschauer und Zuschauerinnen kennt.

Eintracht drückt Neuhof die Daumen

Kuriose Situation für die Stadtallendorfer Eintracht: Wichtiger als das eigene Spiel gegen den 1. Hanauer FC ist für sie an diesem Wochenende wahrscheinlich die Partie zwischen dem SV Neuhof und Bayern Alzenau. Warum?

Stadtallendorf, die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz und der 1. FC Erlensee haben die Hessenliga-Aufstiegsrunde sicher erreicht. Dahinter kämpfen FSV Fernwald (24 Punkte), Neuhof und Alzenau (beide 22) und der Hünfelder SV (20) um die letzten beiden Plätze, die zur Qualifikation berechtigen. Hanau, der KSV Baunatal (beide 18) und Buchonia Flieden (16 bei einem Spiel in der Hinterhand) haben wohl nur noch theoretische Chancen. Gut möglich also, dass entweder Alzenau oder Neuhof in die Aufstiegsrunde kommen. Das Hinspiel endete remis, beide liegen bei der Tordifferenz bei minus eins. Showdown also am Sonntag in Neuhof – und die Stadtallendorfer werden den Gastgebern fest die Daumen drücken.

Bekanntlich nimmt die Eintracht in die Aufstiegsrunde nur die Ergebnisse gegen Teams mit, die es ebenfalls in die Aufstiegsrunde schaffen. Gegen Neuhof hat Stadtallendorf zweimal gewonnen, gegen Alzenau einmal unentschieden gespielt und einmal gewonnen, macht also zwei Zähler Unterschied. Und damit nicht genug: Sowohl Fulda-Lehnerz als auch Erlensee haben gegen Neuhof nur drei Punkte geholt, gegen Alzenau aber jeweils sechs.

Zusammengefasst: Kommt Neuhof statt Alzenau in die Aufstiegsrunde, würde der TSV im direkten Vergleich zu den Konkurrenten Barockstadt und Erlensee jeweils ein Plus von fünf Zählern bringen.

Von Marcello Di Cicco