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Louisa Gnau und Finja Grün machen ihren Weg
Louisa Gnau und Finja Grün machen ihren Weg
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12:58 19.06.2021
Louisa Gnau (links) aus Ginseldorf und Finja Grün aus Fronhausen (rechts) spielen in der U-16-Mannschaft vom FSV Hessen Kassel.
Louisa Gnau (links) aus Ginseldorf und Finja Grün aus Fronhausen (rechts) spielen in der U-16-Mannschaft vom FSV Hessen Kassel. Quelle: Bodo Ganswindt
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Marburg

Der FSV Hessen Wetzlar gehört zu den besten Adressen in Hessen, wenn es um den Mädchen- und Frauenfußball geht. Der 2015 gegründete Verein, dessen erste Frauenmannschaft bis 2019 der 2. Bundesliga angehörte, spielt inzwischen in der Regionalliga Süd und belegt dort einen mittleren Tabellenplatz.

Großen Wert legt der FSV auf Angebote für Nachwuchsspielerinnen, die er im Bereich Mittelhessen aktiv umwirbt. So auch im hiesigen Landkreis Marburg-Biedenkopf, in dem die Entwicklungsmöglichkeiten für junge Talente vergleichsweise begrenzt sind.

Alles begann mit sechs Jahren

Zwei 16-jährige Fußballerinnen aus dem Raum Marburg haben sich dem FSV Wetzlar angeschlossen. Die Ginseldorferin Louisa Gnau tat dies bereits im Jahr 2018, nachdem sie zuvor im Alter von sechs Jahren beim SV Bauerbach und später beim FSV Schröck ihrer Passion nachgegangen ist.

„In Bauerbach habe ich zusammen mit den Jungs gespielt, und als die Jugend aufgelöst wurde, musste ich wechseln“, sagt die 1,71 Meter große Louisa, die sich vor allem als Innenverteidigerin ihre Sporen verdient und in die Regionalauswahl Gießen-Marburg aufgenommen wird.

Fußballerin Louisa Gnau Quelle: Bodo Ganswindt

Dort spielt sie zusammen mit Finja Grün, die bei den Jungs der SG Fronhausen ihre Fußballkarriere – ebenfalls als Sechsjährige – beginnt. Die im zentralen Mittelfeld spielende Finja wechselt dann in die Mädchenmannschaft der Sportfreunde Blaugelb Marburg, ehe sie im Jahr 2020 ihr Fußballglück in Wetzlar versucht.

Die beiden jungen Frauen machen dort in der U-16-Mannschaft ihren Weg, trainieren dreimal pro Woche je zwei Stunden unter der Leitung von Claudius „Poldi“ Weber und Co-Trainer Achim Raich. „Es herrscht schon ein Konkurrenzkampf im Team“, sagt die 1,68 Meter große Finja, „aber wir bekommen immer unsere Spielzeiten.“

Fußballerin Finja Grün Quelle: Bodo Ganswindt

Sie absolvieren ihre Auswärtsspiele nach einer wegen der Corona-Pandemie erfolgten Neueinteilung der Liga vor allem im Frankfurter Raum. Zuvor sind sie in ganz Hessen unterwegs gewesen. So schlecht machen die beiden ihre Sache offenbar nicht. Denn ihr Team behauptet sich souverän in der Hessenliga, der höchsten im Bundesland. Sie führen nach sechs Spielen ohne Verlustpunkt die Tabelle an und sind somit schon Landesmeister.

„Jetzt spielen wir noch in einer Relegation mit den Teams aus Bayern und Baden-Württemberg um den Aufstieg in die Bundesliga“, sagt Finja und betont: „Wir tun dies für die uns nachfolgenden Spielerinnen, denn wir selbst werden künftig bei den Seniorinnen spielen, weil es keine A-Jugend bei den Mädchen gibt.“ Aber sie sind zuversichtlich, dass sie dort ihre Chancen haben werden.

Anfangs „Online-Training“

Also gilt es für sie auch künftig, sich einem harten Training zu unterziehen, zu dem sie im Wechsel von ihren Eltern nach Wetzlar gefahren werden. Während der Coronazeit haben sich die Fußballtalente anfangs lediglich zum Online-Training „getroffen“ und fußballspezifische Übungen absolviert.

Seit Anfang Juni sind sie nun wieder im Mannschaftstraining. Ihre nächste Partie wird ein Freundschaftsspiel gegen die „Hessenliga-Jungs“ von Linden sein. „Wir freuen uns darauf“, sagen sie unisono.

Anerkennung für den Sport

Eine Zukunft als Berufsspielerinnen können sich Louisa und Finja aktuell nicht vorstellen. „Der Fußball ist ein schöner Ausgleich zur Schule“, betont Louisa. Sie besucht die 11. Klasse der Martin-Luther-Schule in Marburg. Ihre Schwerpunkte liegen bei den Fächern Mathematik und Physik. Finja, die aktuell die Klasse 10 des Landschulheims Steinmühle absolviert, hat Vorlieben für Politik- und Wirtschaftsthemen.

Aus ihrem Familien- sowie Freundes- und Bekanntenkreis erhalten sie viel Anerkennung für ihre sportlichen Vorlieben. Die Zeiten, als Frauenfußball von Teilen der Männerwelt zuweilen milde belächelt wurde, sind längst vorbei.

Von Bodo Ganswindt