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14:58 11.02.2021
Andreas Krug kümmert sich beim Livestream der Eintracht um das bewegte Bild. Foto: Nadine Weigel
Andreas Krug kümmert sich beim Livestream der Eintracht um das bewegte Bild.  Quelle: Nadine Weigel
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Stadtallendorf

Eine Bratwurst und ein Kaltgetränk – für viele Zuschauer ist dies eine Kombination, die beim Besuch im Fußballstadion nicht fehlen darf. Nun müssen Fans schon seit geraumer Zeit wegen der Corona-Pandemie auf Live-Erlebnisse auf dem Sportplatz verzichten – auch auf die Spiele von Eintracht Stadtallendorf in der Regionalliga Südwest, in der durchaus namhafte Clubs wie Kickers Offenbach, Hessen Kassel oder der SSV Ulm beheimatet sind.

Um zumindest etwas Viertliga-Flair in die heimischen Wohnzimmer zu bringen,­ ­streamt der TSV Eintracht seine Partien im Internet. „Angefangen haben wir damit schon am ersten Spieltag bei Schott Mainz mit einem kostenlosen Youtube-Stream“, erzählt Eintracht-Vorstand Tim-Philipp Schratz, „das wurde sehr gut angenommen, weshalb wir uns entschieden hatten, dies fortzuführen – auch weil schnell klar wurde, dass bei Heimspielen nicht mehr als 500 Zuschauer zugelassen werden.“ Im Oktober in Walldorf erweiterten die Herrenwälder um Kameramann Andreas Krug den Stream spontan erstmals um einen Live-Kommentar, den seither Torwart-Oldie Dirk Novosad übernimmt.

„Als nach der Saisonunterbrechung klar wurde, dass zunächst keine Zuschauer zugelassen sind, haben wir uns entschlossen, uns weiterzuentwickeln und es professioneller machen“, erklärt Schratz. Mithilfe von IT-Experte Stefan Tschersich erweiterte der Verein seine technische Ausstattung und damit seine Übertragungsmöglichkeiten: Die Einblendung etwa von Aufstellungen, Spielstand, Spielminute oder Sponsoren gehören seitdem dazu. „Eben so, wie man es aus der Bundesliga kennt“, sagt Schratz, der neben Krug und Novosad inzwischen sozusagen als Regisseur zum – im Ligavergleich – kleinen, dreiköpfigen Streamingteam der Herrenwälder gehört. „Beim OFC machen dies fünf oder sechs Personen“, weiß der 24-Jährige, der stolz betont: „Unser Stream ist so wie der Verein: semiprofessionell. Aber das nehmen viele sehr gut an.“

Zwischen 70 und 150 Zuschauer verfolgen laut Schratz regelmäßig den Stream, der bei Heimspielen immer und bei Auswärtspartien nach Absprache mit dem gastgebenden Verein übertragen wird – je nachdem, ob andere Clubs selbst ein Streamingangebot zur Verfügung stellen. „Was die Nutzerzahl angeht, war Kickers Offenbach bisher das beste Spiel. 530 Personen haben da reingeklickt. Die Klickzahlen sind schon abhängig vom Gegner.“

Es war sogleich die erste Partie, in der die Eintracht über Facebook streamte – und das erste Spiel, in dem Nutzer für das Angebot zahlen mussten. 5,49 Euro kostet das Live-Erlebnis, wobei 49 Cent als Gebühr an das „Soziale Netzwerk“ selbst gehen; fünf Euro bleiben also beim Verein.

„Die Einnahmen durch das Streaming entschädigen auf keinen Fall die Einnahmen, die uns durch Ticketverkauf oder Catering entgehen. Trotzdem ist es ein schöner Zuverdienst – und es entschädigt auch für die Arbeit, die wir dort hineininvestiert haben“, sagt Schratz, laut dem die Wahl auf Facebook als Streaminganbieter fiel, „weil wir fürs kostenpflichtige Streamen auf Youtube 5 000 Abonnenten bräuchten“, erläutert Schratz. Andere Anbieter seien nicht infrage gekommen, „weil man es dann nicht so unter Kontrolle hat wie wenn man selbst macht“, begründet Schratz, laut dem sich die Eintracht in ihrem Streaming-Angebot ständig weiterentwickeln will.

Spieler-Interviews gibt es bereits, in Stürmer Del-Angelo Williams gab es auch schon einen Experten als Co-Kommentator. Für gute Unterhaltung soll schließlich auch gesorgt sein.

Von Marcello Di Cicco