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Lokalsport Ein Kurztrip mit Nervenkitzel
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13:32 04.12.2020
Timo Wachtel (vorne von links), Marius Weber und Mark Nemet sowie Benjamin Wagner (hinten von links), Yörn Weber, Volker Geißel und Walter Wachtel besuchten im Oktober 2019 ein Heimspiel des FC Liverpool.
Timo Wachtel (vorne von links), Marius Weber und Mark Nemet sowie Benjamin Wagner (hinten von links), Yörn Weber, Volker Geißel und Walter Wachtel besuchten im Oktober 2019 ein Heimspiel des FC Liverpool. Quelle: Privat
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Marburg

„You’ll never walk alone“ – dieses Lied kennt jeder Fußball-Fan. Doch wie ist die Stimmung im Stadion an der Anfield Road, wenn die Fans des FC Liverpool dieses Lied singen? „Man hat Gänsehaut, wenn es gespielt wird. Und wenn man sich die Einheimischen anschaut – die singen inbrünstig mit Tränen in den Augen mit“, merkt Marius Weber an.

Anfang Oktober 2019 besuchte er mit den beiden Kirchhainern Volker Geißel und seinem Bruder Yörn und den vier Roßdorfern Mark Nemet, Timo Wachtel, dessen Vater Walter und Benjamin Wagner die Premier-League-Partie des FC Liverpool gegen Leicester City.

Doch die Geschichte, wie die siebenköpfige Gruppe in das Stadion gekommen ist, ist kurios. „Wir haben die Eintrittskarten über ein Internetportal bestellt. Aber einen Tag vor Abflug hatten wir immer noch keine Karten. Wir haben dann mit dem Anbieter hin und her geschrieben und haben die Info bekommen, dass uns die Tickets an unsere Adresse in Liverpool zugestellt werden“, erinnert sich der 35-jährige Marius Weber.

Im Flugzeug haben die Männer weitere Liverpool-Fans getroffen, die ebenfalls zu dem Spiel wollten. „Ihnen wurde vor dem Abflug mitgeteilt, dass sie Ersatztickets für das Manchester-Spiel bekommen. Aber das wollten wir auf gar keinen Fall – wir wollten Liverpool spielen sehen“, sagt Weber.

Tickets wurden von Kurier zugestellt

Im Zug auf dem Weg von Manchester erhielten die Roßdorfer und Kirchhainer die Information, dass die Karten noch am Abend zugestellt werden sollten. „Um 7 Uhr hieß es, die Karten kommen um 8 Uhr. Wir wurden immer weiter hingehalten, und dadurch wurden wir alle nervöser. Plötzlich hat es dann geklingelt. Uns wurde dann von einem Mann ein Kuvert in die Hand gedrückt. Wir hatten nicht mal Zeit nachzusehen, ob die Tickets wirklich im Umschlag waren – der Bote war schon weg“, sagt Weber.

Da waren die Tickets – doch beim genauen Hinschauen fiel etwas auf: Es waren personalisierte Tickets. „Außerdem lag ein Beipack-Zettel dabei, auf dem es hieß „Don’t talk to any steward“. Dort stand auch, dass wir die Karten nach dem Spiel an einer bestimmten Ecke wieder zurückgeben sollten. Das war ganz schön nervenaufreibend – aber wir waren erleichtert, dass wir die Tickets hatten“, gibt der 35-Jährige zu.

Am Samstag, 5. Oktober, war es dann so weit: Liverpools Heimspiel gegen Leicester. Vor dem Stadion gab es kein Zurück mehr. Und die Anspannung wuchs, ob die siebenköpfige Gruppe mit den Tickets ins Stadion kommt.

„Ich habe die ganze Zeit gehofft, dass uns keiner anspricht. Die hätten doch sofort gemerkt, dass wir keine Einheimischen sind. Wir haben dann unseren 70-jährigen Walter vorgeschickt und tatsächlich – Walter war drin. Die Karte leuchtete grün, also sind wir anderen schnell hinterher“, sagt Weber.

Andere Stimmung als in deutschen Stadien

Froh über die Gültigkeit der Tickets und dass kein Ordner die Männer angesprochen hatte, suchten die Sieben ihre Plätze. „Es war ein super Spiel. Es ging die ganze Zeit hin und her“, stellt Weber fest. Noch in der ersten Hälfte schoss Sadio Mané sein Team mit 1:0 in Führung. In der 80. Minute traf James Maddison für Leicester City zum Ausgleich. In der Nachspielzeit der Partie wurde Mané in Leicesters Strafraum zu Fall gebracht – den anschließenden Foulelfmeter verwandelte James Milner sicher.

„Wir saßen hinter dem Tor von Leicester, und nach dem Elfmeterpfiff des Schiedsrichters stand die gesamte Tribüne“, erinnert sich der 35-Jährige. Erst nach dem Spiel erfuhr die Gruppe davon, dass Yörn Weber, der das Spiel frühzeitig verlassen wollte, da er seinen deutschen Lieblingsverein spielen sehen wollte, von einem Steward am Verlassen des Stadions aufgehalten wurde. Der Ordner teilte Weber einen Sitzplatz wenige Reihen hinter dem Tor zu, vor dem der Elfmeter ausgeführt wurde.

Vor allem imponierte Marius Weber die Stimmung, die ganz anders sei als in deutschen Stadien. „Ich habe das Gefühl, dass sich bei uns die Fans in erster Linie selbst feiern – und dann erst den Klub. In England ist der Fußball und der Verein mehr im Vordergrund. Ich war das dritte Mal vor Ort bei Spielen, und es sind immer wieder positive Erfahrungen, die ich in Liverpool mache“, sagt Weber.

Nicht wegen der Fans, sondern in erster Linie wegen seines Lieblingsspielers Harry Kewell brachte es den Roßdorfer 2003 zum FC Liverpool. „Ich habe mich dann einfach immer mehr mit dem Verein beschäftigt. Allein die Geschichte des Vereins ist grandios“, findet Weber.

Diese gemeinsame Leidenschaft zum Fußball und zum Club an der Anfield Road verbindet die sieben Männer miteinander. „Nachdem wir festgestellt haben, wie viele am FC Liverpool Interesse haben, sind wir zum Teil auch zusammengewachsen“, stellt Weber fest.

Von Leonie Rink