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11:50 27.10.2019
Kunstrasenplätze, die mit Gummigranulat aufgefüllt werden, könnten in den kommenden Jahren der Vergangenheit angehören. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Sei es der VfL Weidenhausen, der seit nicht allzu langer Zeit seine Heimspiele auf einem Kunstrasenplatz ausrichtet. Sei es der SV Kickers Erdhausen, der anlässlich des 100-jährigen Jubiläums im Jahr 2021 über einen solchen Platz verfügen möchte. Oder sei es sogar das Gymnasium Steinmühle, welches seinen Schülern einen Kunstrasen anbietet. Sie alle betrifft die derzeitige Debatte, ob Plätze, die mit Granulat aufgefüllt werden und somit mutmaßlich umweltschädliches Mikroplastik entstehen lassen, eine Zukunft haben.

Vereinsvertreter kamen nun im Landratsamt in Cappel zusammen. Dort informierte der Geschäftsbereichsleiter Sport-infrastruktur des Landessportbundes Hessen, Jens Prüller, zu dem Thema. Fest steht demnach nur: Zum derzeitigen Zeitpunkt gibt es nur wenige Veränderungen. Einzig der Beschluss des Hessischen Innenministeriums, Plätze mit Gummigranulat aus der Förderung zu nehmen, stellt eine Neuerung für die Vereine dar. Der Beschluss gilt wiederum auch nur für Vereine, die in der Zukunft den Bau eines Kunstrasenplatzes planen.

„Diese Maßnahme hat das Land getroffen, da noch niemand weiß, wie es in der Zukunft aussehen wird. Veränderungen werden wohl auf uns zukommen, doch bis noch nichts feststeht, nimmt das Land die Förderungen zurück“, begründete Dr. Markus Morr, Fachdienstleiter für Kultur und Sport.

Die derzeitige Situation trägt nicht gerade zu Ruhe und Gelassenheit bei den Vereinen bei. „Wir befinden uns momentan in einer großen Unsicherheitslage“, sagte Jens Urban von Kickers Erdhausen. Sein Verein würde mit dem Bau ein großes Fass aufmachen. Roland Döhler vom VfL Weidenhausen ergänzte: „Warum wird der Sport als Weltvergifter dargestellt? Lebensmittelverpackungen aus Plastik sind zum Beispiel auch vermeidbar.“

Grund für die Aufregung rund um die Gummigranulate sei laut Prüller die Fraunhofer-Studie, die diese Debatte habe aufkeimen lassen. „Die Veröffentlichung der Zahl ist eine Frechheit gewesen. Der Worst Case wurde hochgerechnet.“

Was sind die Alternativen?

Trotzdem stecken die betroffenen Vereine nun in der Bredouille. Die offensichtlichste Alternative zu den Gummigranulaten sei Quarzsand. „Die Verletzungsgefahr bei Quarzsand ist deutlich höher. Die dritte Generation der Kunstrasenplätze, auf denen wir heutzutage spielen, ist das Nonplusultra. Wollen wir unsere Kinder wieder so Fußball spielen lassen wie vor 50 Jahren?“, gab Kreisfußballwart Peter Schmidt zu Protokoll. Die Überlegung, Kork zu verwenden, wurde aufgrund zu vieler Nachteile fallen gelassen.

Bei aller Aufregung: Verboten ist für den Moment noch nichts. Die Vereine dürfen die Granulate noch nutzen und auch neue Plätze bauen. Schlimmstenfalls könnte ein EU-Verbot allerdings bereits in den kommenden zwei bis drei Jahren kommen. Bis dahin gilt es für die Vereine, geduldig abzuwarten – oder aber zu pokern.

von Yann Ruppersberg