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Lokalsport Der Favorit ist eine Nummer zu groß
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19:58 16.09.2019
Andrey Likhovitsky turnt hier am Pauschenpferd. Er mit 15 Scorepunkten bester Punktesammler der KTV Obere Lahn gegen Eintracht Frankfurt. Quelle: Jens Schmidt
Biedenkopf

Als KTV-Athlet Sunny Fiecker eine sehr gute Übung am Barren beendet hatte, brandete Applaus unter den knapp 200 Zuschauern in der Sporthalle der Lahntalschule auf.

Parallel marschierte der 16-Jährige schnurstracks zu seinen Teamkollegen und klatschte mit ihnen ab. Dass der junge Turner sichtlich erleichtert war, hatte einen guten Grund.

Das Pauschenpferd hatte er zuvor zweimal verlassen müssen. An den Ringen, eigentlich eines seiner Paradegeräte, hatte er Probleme beim Abgang gehabt – und auch am Boden hatte Sunny gegen Niklas Volk den Kürzeren gezogen. „Am Anfang war ich aufgeregt“, verriet der 16-Jährige. „Das Team hat mir dann gesagt, dass ich mich auf die Geräte konzentrieren soll. In der Pause habe ich mich dann zusammengerissen und den Fokus auf den Barren gerichtet – und dann lief es.“ Und wie.

Felix Webers Verletzung kostet Punkte

Drei Scorepunkte holte Sunny gegen Eduard Yermakov, der wohlgemerkt eine Übung mit Höchstschwierigkeit geturnt hatte. Spätestens als das junge KTV-Talent seine Übung am Reck beim Abgang mit einem Doppelsalto rückwärts mit ganzer Schraube krönte, hatte er sich den Titel „Stehaufmännchen des Abends“ redlich verdient.

Zweimal klopfte sich Sunny anschließend mit seiner rechten Faust auf die Brust, ehe er sie Richtung Publikum streckte. Neben tosendem Applaus gab es zwei weitere Punkte im Duell mit Volk, dem mit 16 Punkten besten Scorer des Abends.

„Die jungen Turner stehen in einem ganz anderen Fokus als in der Vorsaison“, gab KTV-Trainer Albert Wiemers zu bedenken. „Aber wenn ich Sunny turnen sehe, bin ich guter Dinge, dass er uns noch viel Spaß machen wird“, sagte Wiemers, der nach der 27:57-Niederlage meinte: „Es wäre sicher etwas enger ausgegangen, wenn wir die Verletzungssorgen mit Felix Weber nicht hätten. Er hätte wahrscheinlich bis auf das Reck an allen Geräten geturnt.“

Gäste in Breite und Spitze besser besetzt

Der 23-Jährige war wegen eines vor zwei Wochen zugezogenen Innen- und Außenbandrisses im linken Sprunggelenk zum Zuschauen und Anfeuern verdammt. Verläuft der Heilungsprozess wie geplant, hofft Weber, Mitte Oktober wieder dabei zu sein. Doch Wiemers wusste auch: „Es hätte wohl auch mit Felix nicht gereicht, um den Wettkampf zu gewinnen. “

Die Gäste waren in Breite und Spitze einfach zu stark besetzt. Zwar hatte Artur Davtyan die Gastgeber gleich im ersten Duell am Auftaktgerät Boden mit drei Scorepunkten in Führung gebracht. In der Folge gingen die Vergleiche an Boden (7:3), Pauschenpferd (9:6) und Ringen (6:3) aber an die Gäste, die nach der Pause am Sprung für die Vorentscheidung sorgten.

Mit 23:0 ging jenes Gerät klar an die Mainstädter, die damit ihre Führung auf 45:12 ausbauten. Ausgerechnet Gerätespezialist Davtyan konnte seinen Sprung nicht stehen. Der Armenier verlor sein Duell gegen den weißrussischen Starturner Sanuvonh Dzianis mit 0:10.

KTV-Trainer lobt seine jungen Turner

„Dass wir es als Aufsteiger schwer haben würden gegen eine Mannschaft, die in der Vorsaison das Aufstiegsfinale geturnt hat, war uns klar“, sagte KTV-Mannschaftsführer Maik Wehn, der „keinen schlechten Start“ sah, aber: „Beim Sprung wussten wir, dass der Wettkampf eigentlich gelaufen ist.“ Doch statt den Kopf in den Sand zu stecken, turnten die Hinterländer fortan frei auf und holten mit einem Sieg am Barren (8:5) und einem Remis am Reck (7:7) noch drei Gerätepunkte. „Und die können noch sehr wichtig werden“, betonte Wehn.

15 der 27 Scorepunkte sammelte Andrey Likhovitsky. An Pauschenpferd, Barren und Reck deklassierte der Weißrusse seine Kontrahenten mit jeweils fünf Scorepunkten regelrecht – wofür der Biedenkopfer Publikumsliebling stets donnernden Applaus erntete. Ohne ihn oder Davtyan (6 Scorepunkte) „würde es sehr schwierig“, räumte Wiemers ein; im gleichen Atemzug sprach der KTV-Trainer seinen Jungspunden ein Lob aus. Zu Recht, denn neben Fiecker (5) verlor der 18-jährige Vincent Brusch keines seiner beiden Duelle an Pferd (1) und Ringen.

Likhovitsky und Davtyan bei WM dabei

„Mit Barren und Reck bin ich sehr zufrieden. Boden und Sprung sind noch verbesserungswürdig“, resümierte KTV-Mannschaftsführer Wehn und blickte bereits nach vorne: „Wir haben jetzt noch zwei schwere Wettkämpfe vor uns.“ Am nächsten Samstag (17 Uhr) bei der TSG Grünstadt, am 
28. September (18 Uhr) zu Hause gegen die TG Saar II.

Nach der Turn-WM, die vom 4. bis 13. Oktober in Stuttgart stattfindet und auf die sich auch Likhovitsky und Davtyan vorbereiten, geht‘s am 19. Oktober in der 
2. Bundesliga weiter. „Dann kommen die Wettkämpfe, in denen wir uns Chancen ausrechnen. Da müssen wir topfit sein“, forderte Wehn.

von Marcello Di Cicco