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Lokalsport Der Fußball-Macher im Hinterland geht von Bord
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12:55 26.07.2020
Heinz Schmidt lehnt lässig am Pfosten eines Tores auf dem Sportplatz des FSV Buchenau. Quelle: Thorsten Richter
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Buchenau

Den letzten offiziellen Auftritt als Kreisfußballwart hat sich Heinz Schmidt aus Buchenau sicherlich anders vorgestellt. Am Freitag, 31. Juli, ist es so weit. Schmidt wird an diesem Tag anlässlich des Biedenkopfer Kreisfußballtags in der Hinterlandhalle in Dautphetal verabschiedet.

Geplant war die Veranstaltung ursprünglich für den 20. März, musste aber aufgrund der Coronavirus-Pandemie verschoben werden. „Wir haben nunmehr ein Hygiene-Schutzkonzept erarbeitet und sind froh, dass wir den Kreisfußballtag jetzt ausrichten können, auch wenn alles ein bisschen anders, also eingeschränkter vonstatten gehen wird“, sagt Schmidt, der für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung steht.

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Als Nachfolger kandidiert Diether Achenbach aus Wiesenbach, Mitglied im Kreisfußballausschuss und dort derzeit zuständig als Koordinator für Qualifizierung. Im Gegensatz zum Kreisfußballwart 2016 dürfte es am Freitag eher harmonisch zugehen, auch wenn bei der Weichenstellung für die nächsten vier Jahre das Thema Corona und Fußball eine wesentliche Rolle spielen wird. „Ich denke, alle Verantwortlichen stehen künftig vor großen Herausforderungen. Schließlich weiß keiner, was aufrund der Corona-Krise noch alles kommt“, sagt Heinz Schmidt.

Vor vier Jahren hatte der 68-Jährige schon einmal vor einer großen Herausforderung gestanden. Seinerzeit hatten sich die Gemüter auf dem Kreisfußballtag in Wiesenbach erhitzt. Der Grund: Marburgs Kreisfußballtag hatte eine Fusion der Fußballkreise Marburg und Biedenkopf nicht nur ins Gespräch gebracht, sondern als „längst überfälligen Verwaltungsschritt“ bezeichnet. Es sei „anmaßend, eine solche Aussage zu treffen“, erklärte seinerzeit Diether Achenbach. Heinz Schmidt nannte den Vorschlag seines Amtskollegen Peter Schmidt als „befremdlich und unzutreffend“. Ein Delegierter befürchtete gar die „feindliche Übernahme“ durch den Marburger Fußballkreis.

In einer einstimmig akzeptierten Resolution sprachen sich die Delegierten in Wiesenbach schließlich gegen eine Fusion aus.

Inzwischen haben sich die Wogen geglättet. Eine Fusion sei derzeit kein Thema, sagen übereinstimmend Peter Schmidt und Heinz Schmidt.

Rund eine Woche vor dem Kreisfußballtag 2020 in Dautphetal sprach die OP mit Heinz Schmidt:

Sie haben das Amt im März 2010 von Burkhard Graf übernommen? Was war Ihr schönstes Erlebnis in den vergangenen zehn Jahren?

Heinz Schmidt: Ich will es mal sagen: Der ganze Werdegang war für mich okay. Nicht nur die Funktion als Kreisfußballwart, sondern alle Ehrenämter haben mir immer großen Spaß gemacht. Hervorheben möchte ich aber nichts. Mich persönlich hat die gesamte Zeit vorangebracht und geprägt, weil man mit jungen, älteren und alten Menschen zusammenarbeitet. Da konnte ich mich auch persönlich weiterentwickeln.

War war Ihre schwierigste Entscheidung?

Heinz Schmidt: Ich kann mich an eine solche nicht erinnern. Sicherlich hatte ich manchmal die eine oder andere Entscheidung zu treffen, mit der nicht alle immer einverstanden waren, wo es auch schon mal Gegenwind gab. Dann war dies eben mal so. Das habe ich hingenommen und in der Regel auch respektiert.

Stichwort Coronavirus-Pandemie. War die Entscheidung des Hessischen Fußball-Verbands, die Saison abzubrechen und mit Quotientenregelung zu werten, richtig?

Heinz Schmidt: Wir haben auch in unserem Fußballkreis jedem Verein einen Fragebogen zukommen lassen – und diese dann ausgewertet. Die Mehrheit hatte sich für einen Saisonabbruch ausgesprochen. Und daraufhin habe ich mich als Kreisfußballwart mit dieser Entscheidung solidarisch erklärt. Eigentlich möchte ich mich persönlich dazu nicht äußern. Aber eventuell hätte man die Saison auch fortsetzen können. Doch haben die Vereine und dann auch der Verbandstag, der gut vorbereitet war, anders entschieden. Auch andere Landesverbände haben sich für einen Abbruch ausgesprochen. Aus heutiger Sicht war es wohl richtig.

Wird der Fußball sich aufgrund der Corona-Krise künftig verändern?

Heinz Schmidt: Man weiß nicht, was noch kommt. Das ist schwer zu beantworten. Wenn ich auf unseren Fußballkreis schaue, muss ich feststellen, dass zwei Vereine ihr Spielgeschehen eingestellt haben und der eine oder andere Spieler aufgrund der langen Pause aufgehört hat mit dem Fußball oder es sich noch überlegt, aufzuhören. Ob dafür nur die Corona-Krise verantwortlich ist, ist fraglich.

Auf dem Biedenkopfer Kreisfußballtag 2016 in Wiesenbach, wo Sie letztmals als Vorsitzender antraten, erhitzte das Fusionsthema die Gemüter. Sie lehnten seinerzeit eine vom Marburger Kreisfußballwart Peter Schmidt angeregte Fusion der heimischen Fußballkreise Marburg und Biedenkopf ab und bezeichneten den Vorschlag gar als „befremdlich“. Sehen Sie das heute auch noch so?

Heinz Schmidt: Die Eigenständigkeit sollte erhalten bleiben – nach wie vor. Weil es immer gut funktioniert hat. Klar gibt es auch kleine Fußballkreise, die ums „Überleben“ kämpfen. Das bezieht sich aber nicht auf Marburg und Biedenkopf. Eine überkreisliche Zusammenarbeit ist immer wichtig und notwendig sowie äußerst produktiv. Eine Fusion war jedoch niemals mein Ansinnen.

Zur Person

Heinz Schmidt wurde 1952 in Frankfurt geboren. Genauer gesagt in Sachsenhausen, wie er betont. Er zog in frühen Jahren ins Hinterland und lebt heute in Buchenau. Der staatlich geprüfte Elektrotechniker spielte einst Fußball beim SSV Möwe Frechenhausen, musste jedoch 1970 die Fußballschuhe an den Nagel hängen. Fortan machte er sich in diversen Funktionen in Ehrenämtern verdient. Er war unter anderem 40 Jahre als Schiedsrichter im Einsatz, Mitglied im Kreisschiedsrichter- und Kreisjugend-Ausschuss, Klassenleiter der A- und -B-Juniorenligen und stellvertretender Kreisfußballwart, ehe er 2010 die Nachfolger von Burkhard Graf als Kreisfußballwart antrat.

Ihr Nachfolger wird aller Voraussicht nach Diether Achenbach. Welchen Tipp würden Sie ihm mit auf den Weg geben?

Heinz Schmidt: Ich wünsche ihm alles Gute. Das ist klar. Ich drücke ihm die Daumen, dass er alle Hinterländer Fußballvereine so vertritt, wie er sich das vorgestellt hat. Und ich bin fest davon überzeugt, dass er bei all seinen künftigen Entscheidungen immer die Interessen der Hinterländer im Blick hat.

Bleiben Sie dem Fußball nach Ende Ihrer Amtszeit verbunden.

Heinz Schmidt: Selbstverständlich werde ich Spiele im Hinterland besuchen und dort immer ein offenes Ohr haben. Worüber ich mich besonders freue, ist, dass ich mehr Zeit habe, Spiele meines Lieblingsvereins 1. FC Köln zu besuchen – wenn die Stadien wieder für Zuschauer öffnen.

Das sagt Schmidt über Schmidt

Beide haben den Nachnamen Schmidt – der eine (Peter) leitet die Geschicke des Fußballkreises Marburg, der andere (Heinz) die des Fußballkreises Biedenkopf. Da ist es mehr als selbstverständlich, dass diese beiden Schmidts regelmäßig miteinander zu tun haben, sich die vergangenen zehn Jahre oft begegnet sind und noch öfter miteinander geredet haben. Wir fragten nach beim Marburger Kreisfußballwart – und das sagt Peter Schmidt über Heinz Schmidt: „Wir haben uns regelmäßig ausgetauscht, wie es unter Kollegen üblich und notwendig ist. Heinz hat sich Tag und Nacht für seine Hinterländer Fußballvereine eingesetzt. Und er hat viel bewegt in seinem kleinen, aber feinen und von ihm super organisierten Fußballkreis. Hervorzuheben sind seine fachliche Kompetenz, sein akribisches Arbeiten, was zum Beispiel Aufzeichnungen, Termine, Vorbereitungen betrifft. Er ist ein absoluter Topkollege. Dass man sich bei einer sachlichen Auseinandersetzung auch mal reibt, gegensätzlicher Meinung ist, liegt in der Natur der Sache. Ein Laster hat er dennoch: Er ist Anhänger vom 1. FC Köln.“

  • Der Kreisfußballtag Biedenkopf findet am Freitag, 31. Juli, ab 19 Uhr in der Hinterlandhalle in Dautphetal statt.

von Michael E. Schmidt