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11:57 16.08.2020
Klaus Reese präsentiert sein neues Buch über die Geschichte der Turnbewegung in Kirchhain. Quelle: Marcello Di Cicco
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Kirchhain

Ganz neu ist das Schreiben für Klaus Reese nicht. Bereits während seines Referendariats schrieb der ehemalige Lehrer der Kirchhainer Alfred-Wegener-Schule ein Buch über Sport in der Schule, später noch zwei Methodik-Bücher über Turnen in der Grundschule und Mittelstufe.

Vor zwei Jahren erschien der erste Band „Zur Geschichte der Turnbewegung beim TSV Kirchhain“, in der Reese die Entwicklungen seit 1945 aufarbeitete. Seit zwei Wochen ist Band zwei erhältlich, in dem es um die „Anfänge bis 1945“ geht.

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„Anregungen dazu gab es von dem ein oder anderen Leser, die sich wünschten, zeitlich noch etwas weiter zurückzugehen“, erzählt Reese. Gesagt, getan. Knapp 300 Exemplare betrug die Auflage des ersten Bandes – ebenso wie bei Band zwei.

Knapp eineinhalb Jahre und unzählige Stunden Arbeit steckte der 72-Jährige in sein neues Buch. Das Problem: „Beim ersten Band habe ich einen Großteil der Jahrzehnte miterlebt beziehungsweise teilweise sogar mitgestaltet und ich konnte Zeitzeugen befragen. Insofern war die Materiallage nicht so schwer.

„Turnerei hat mich mein ganzes Leben lang begleitet“

Jetzt hat sich das anders gestaltet: Ich musste Personen interviewen, deren Väter aktive Turner waren. Zudem ist viel Quellenmaterial den Wirren des Zweiten Weltkriegs zum Opfer gefallen.“ Urkunden und Fotos, aber auch Chroniken und Artikel in Archiven, dienten als Arbeitsgrundlagen, teilweise arbeiteten ihm Bekannte zu.

Auf die Frage, was ihn an dem Thema so reize, muss Reese nicht lange überlegen: „Die Turnerei hat mich mein ganzes Leben lang begleitet“, sagt der langjährige aktive Turner, Übungsleiter und Funktionär in verschiedenen Positionen (siehe Infokasten). Und: „Vieles, was heute noch in den Turnhallen steht, hat seine Geschichte. Nicht umsonst haben wir Reck, Barren oder Bock. Zudem sind Übungen wie Felgen, Stemmen oder Kippen Bezeichnungen aus der damaligen Zeit.“

In Band zwei beleuchtet Reese unter anderem die Organisationsstruktur der Turnbewegung, thematisiert deren politisches Engagement, Rituale, Symboliken und Schauplätze des turnerischen Treibens – und verliert dabei nie den Blick auf die Geschehnisse in Kirchhain und ganz Mittelhessen sowie den Bezug zur heutigen Zeit aus den Augen.

Gibt’s ein Nachfolgewerk?

So erzählt Reese etwa vom Gauturnfest 1930 in Kirchhain, vom Gau-Frauenwettkampf 1927 in Kirchhain sowie von den diversen (Berg-)Turnfesten in Hessen und im Kreis Marburg-Biedenkopf. Seine Ausführungen garniert der gebürtige Frankenberger mit zahlreichen alten Fotos, Schriften und Skizzen. „Das Problem dabei bestand aber oft darin, dass eine zeitliche Einordnung kaum möglich war, weil etwa Fotos nicht mit Daten versehen waren“, gibt der Kirchhainer zu bedenken.

Allen Hindernissen zum Trotz hat Reese das 99-seitige Buch veröffentlicht. Folgt ein weiteres? Reese lacht. „Nein“, sagt er, „es ist kein weiteres vorgesehen. So etwas muss sich ergeben.“ Und schließlich ist zumindest die Geschichte der Turnbewegung in Kirchhain nun auch akribisch aufgearbeitet – von der Gründung des Kirchhainer Turnvereins 1886 bis heute.

Reeses neues Buch kostet 8 Euro und ist erhältlich in Kirchhain bei Kleinheins Buch & Papier, Glorius Druckvorlagen und Layout-Service, Lenis Buchladen und beim Autor (Pestalozzistraße 5a).

Zur Person

Klaus Reese (72) wohnt in Kirchhain. Der gebürtige Frankenberger unterrichtete als Gymnasiallehrer an der Kirchhainer Alfred-Wegener-Schule die Fächer Sport und Geschichte und war mehr als 30 Jahre in der Lehrerausbildung für den Bereich Sport zuständig.

Reese war selbst aktiver Turner (unter anderem in der hessischen Jugendriege) und später als Trainer und Übungsleiter im Bereich Kunstturnen tätig. Von 1991 (Neugründung) bis 2018 war Reese Leiter der Turnabteilung des TSV Kirchhain.

Von 2011 bis 2016 war er zudem Vorsitzender des Turngaus Oberlahn-Eder, in dem der Kirchhainer heute noch für turnhistorische Themen sowie für die Belange der älteren Mitglieder zuständig ist.

Von Marcello Di Cicco