Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport Die großen Triumphe liegen lange zurück
Sport Lokalsport Lokalsport Die großen Triumphe liegen lange zurück
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:58 09.01.2021
Auf ihn müssen die Stadtallendorfer besonders achten: Mathias Fetsch (links; gegen Aalens Torhüter Daniel Bernhardt) hat in elf Regionalliga-Spielen achtmal getroffen, zuletzt schnürte der Offenbacher Stürmer in einem Testspiel einen Dreierpack.
Auf ihn müssen die Stadtallendorfer besonders achten: Mathias Fetsch (links; gegen Aalens Torhüter Daniel Bernhardt) hat in elf Regionalliga-Spielen achtmal getroffen, zuletzt schnürte der Offenbacher Stürmer in einem Testspiel einen Dreierpack. Quelle: imago
Anzeige
Offenbach

In Stadtallendorf, sagt Trainer Dragan Sicaja, „müssen wir schon einiges richtig gemacht haben, dass wir jetzt schon in der dritten Saison mit Kickers Offenbach in einer Liga spielen.“ Das ist korrekt und spricht für den „kleinen“ TSV Eintracht. Die andere Seite der Medaille: Es spricht nicht für den (vergleichsweise) „großen“ OFC. Dessen Anspruch kann es definitiv nicht sein, in der vierten Liga gegen Teams wie Schott Mainz, Rot-Weiß Koblenz, die TSG Balingen oder auch die Stadtallendorfer Eintracht ran zu müssen. Es ist aber nun einmal die Realität des Clubs mit wechselhafter Historie.

Die beste Zeit der Kickers, die großen Siege, sie liegen gut 50 Jahre zurück. Es war die Zeit, in der die Offenbacher für eine der größten Pokal-Überraschungen der Geschichte sorgten, in der sie dem FC Bayern eine der empfindlichsten Bundesliga-Niederlagen zufügten. Doch häufiger als aufwärts ging es abwärts. Seit 2013, seit dem Entzug der Drittliga-Lizenz, ist die Regionalliga Südwest die sportliche Heimat.

Das erste Spiel für den neuen Trainer Sreto Ristic

Der OFC will sie möglichst schnell „nach oben“ verlassen – so richtig gut sieht es aber aktuell nicht aus: 26 Punkte aus 15 Spielen bedeuten Rang vier, SC Freiburg II und TSV Steinbach Haiger liegen vier Punkte voraus und haben zudem noch ein Spiel mehr auszutragen. Nur vier Zähler kamen in den vier Begegnungen im Dezember aufs Konto – zu wenig, befanden die Clubverantwortlichen um Geschäftsführer Thomas Sobotzik, entschieden sich für einen Trainerwechsel: Angelo Barletta musste gehen, Sreto Ristic wurde als Nachfolger verpflichtet. Ob es etwas nutzt? Sobotzik selbst sprach im Rahmen der Vorstellung des neuen Coaches von einem Risiko, sagte aber auch: „Wenn man einen Wechsel vornimmt, muss es Gründe geben.“ Die gab es offenbar aus seiner Sicht: „In der neuen Konstellation ist die Wahrscheinlichkeit, Erfolg zu haben, größer als in der alten Konstellation.“

Das Wort „Aufstieg“ sei für ihn „relativ weit weg“, sagte Ristic. Doch ihm ist klar, wo er das Team hinführen soll, welche Erwartungen an ihn gerichtet werden: „Wenn man hier vorfährt und das alles sieht, hat das nichts mit der Regionalliga zu tun. Das kann einem auch Angst machen, kann einen auch erdrücken.“ Bei ihm sei es jedoch das Gegenteil: „Ich will durch meine Arbeit einfach die Wahrscheinlichkeit erhöhen, Spiele zu gewinnen.“

Seinen Einstand gibt der frühere Profi (unter anderem VfB Stuttgart, Union Berlin und Grasshoppers Zürich) an diesem Samstag in Stadtallendorf. Die Rollen sind klar: Trotz der zuletzt mäßigen Auftritte sind die Offenbacher beim Tabellenletzten klarer Favorit. Sein Team müsse dennoch „mit Respekt an die Aufgabe herangehen“, betont der 44-jährige Serbe. Er habe sich Partien der Eintrachtler auf Video angesehen: „Sie haben gegen Spitzenteams wie Ulm und Elversberg richtig gute Spiele abgeliefert. Sie sind willig und wollen sich zu Hause richtig beweisen.“

Training und Testspiel zur Vorbereitung auf Kunstrasen

Um auf die Partie in Stadtallendorf, die auf Kunstrasen stattfinden soll, möglichst gut vorbereitet zu sein, trainierten die Offenbacher seit Jahresbeginn nur auf Kunststoffuntergrund, trugen auch ein Testspiel auf Kunstrasen aus: Beim 3:3 gegen Ligakonkurrent SG Sonnenhof Großaspach am vergangenen Sonntag sorgte Mathias Fetsch mit einem Dreierpack für den 3:0-Pausenstand. In der zweiten Hälfte kamen überwiegend Spieler aus der zweiten Reihe zum Einsatz.

Nicht nur aus Sicht von Ristic ist es schade, dass derzeit keine Fans bei den OFC-Partien dabei sein können. Zu Heimspielen am Bieberer Berg kommen unter normalen Umständen selten weniger als 4 000, manchmal bis zu 10 000 Zuschauer, auch auswärts sorgen die Kickers-Anhänger regelmäßig für eine besondere Atmosphäre. Sie sind leidensfähig, das haben sie in den vergangenen Jahren immer wieder unter Beweis gestellt. Und sie haben die Hoffnung, dass es mit ihrem Club wieder aufwärts geht.

Winfried Schäfer mit dem Pokal, umgeben von Teamkameraden: 1970 gewannen die Offenbacher Kickers den Titel. Quelle: imago sportfotodienst

Manche von ihnen waren bei den erfolgreichen Zeiten, den insgesamt sechs Bundesliga-Saisons zwischen 1968 und 1984, dem 6:0-Sieg über den FC Bayern München am ersten Spieltag der Spielzeit 1974/1975 dabei. Die meisten haben davon erzählt bekommen, davon gelesen, alte Aufnahmen gesehen – auch vom größten Triumph der Vereinshistorie: 1950 und 1959 hatte der OFC im Finale um die Deutsche Meisterschaft gestanden, unterlag aber gegen Stuttgart beziehungsweise Frankfurt. 1970 erreichte er dann – gerade von der zweiten in die erste Liga aufgestiegen – das Endspiel des DFB-Pokals. Klaus Winkler und Horst Gecks schossen die Tore beim 2:1-Sieg über den 1. FC Köln.

Dragan Sicaja fehlt ein gelernter Stürmer

Die Mini-Winterpause ist vorbei, an diesem Samstag geht es für den TSV Eintracht Stadtallendorf in der Fußball-Regionalliga Südwest mit dem Heimspiel auf Kunstrasen gegen die Offenbacher Kickers weiter. Die Zielsetzung: „Spaß am Fußball haben. Alles geben“, sagt Trainer Dragan Sicaja. „Dann sehen wir, wofür es reicht.“

„Genau so ist es“, antwortet der Coach auf die Frage, ob die Tabelle aktuell für ihn gar keine Rolle spielt. Es geht ihm – zumindest erst einmal – noch mehr als ohnehin bereits darum, jedes Spiel nur für sich zu betrachten, das maximal Mögliche zu erreichen. „Wir wussten vor Saisonbeginn, dass es für uns mehr als optimal laufen muss, damit wir eine Chance auf den Klassenerhalt haben.“ Das sollte nicht als Kapitulation verstanden werden, sondern als realistische Einordnung der Lage. Denn es ist bislang wahrlich so gar nicht ideal gelaufen. Stand: letzter Tabellenrang, zehn Punkte Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz.

Nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen hat es mehrere Abgänge gegeben. Unter anderem ist Felix Nolte weg. Weil Del-Angelo Williams gesperrt ist, fehlt Sicaja gegen den OFC ein gelernter Stürmer. Laurin Vogt oder Damijan Heuser kommen am ehesten für den Platz in der Spitze infrage.

Von Stefan Weisbrod