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Lokalsport Hassan El Issa verschreibt sich ganz seiner Passion
Sport Lokalsport Lokalsport Hassan El Issa verschreibt sich ganz seiner Passion
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08:39 15.09.2021
Hassan El Issa trainiert im Budoclub Biedenkopf Jugendliche und Erwachsene.
Hassan El Issa trainiert im Budoclub Biedenkopf Jugendliche und Erwachsene. Quelle: Thorsten Richter
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Biedenkopf

Hassan El Issa hat sich dem Kickboxen verschrieben. In jener martialisch anmutenden Kampfsportart fliegen nicht nur die Fäuste, sondern auch die Beine und Füße. Was zuweilen wie eine wüste Keilerei aussieht, vollzieht sich als Wettkampfsport in geregelten Bahnen. Der 27-Jährige hat darin bereits einige Meriten erworben. Im vergangenen Jahr ist er in seiner Gewichtsklasse Hessenmeister geworden und hat bislang das Top-Ten-Turnier in Lünen zweimal gewonnen. Der angehende Maschinenbau-Ingenieur, der im Zuge einer dualen Ausbildung parallel in einer Herborner Firma für Flugzeugausstattung arbeitet, schreibt gerade seine Bachelor-Arbeit.

Doch das hindert ihn nicht daran, seiner sportlichen Passion auch weiterhin nachzugehen. Vielmehr noch! Er trainiert im etwa 200 Mitglieder zählenden Budo-Club Biedenkopf nicht nur sich, sondern auch weitere Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche. „Ich habe einen Trainerschein und bereite mich auf die Braungurt-Prüfung vor“, sagt der fast 100 Kilogramm schwere El Issa. Der aus dem Libanon stammende Athlet ist in Deutschland geboren. „Hier ist meine Heimat“, betont er. Sein Vater ist bereits verstorben. Jetzt lebt er mit seiner Mutter in einer Wohnung. „Wir haben hier unseren Freundes- und Bekanntenkreis.“

20 Stunden pro Woche in der Halle

In der Halle der Hinterlandschule absolviert er ein beachtliches Pensum. Insgesamt ist er etwa 20 Stunden pro Woche in der Halle. „Ich bin komplett ausgelastet“, betont er und fühlt sich in der ehrenamtlichen Tätigkeit optimal unterstützt vom Verein und von seiner Partnerin. „Sie akzeptiert mein Engagement.“ El Issa hat schon in jungen Jahren den Zugang zum Kickboxen gefunden. „Ich habe früher wie die meisten meiner Freunde mit Fußballspielen angefangen, und dann habe ich als 16-Jähriger das Kickboxen entdeckt und fand es wesentlich interessanter.“ Sein gezieltes Training im Kickboxen hat er dann während eines einjährigen Work-and-Travel-Aufenthaltes in Australien unterbrechen müssen. „Allerdings habe ich mich dort vorübergehend den Mixed Martial Arts (MMA) zugewandt.“

Das Kickboxen, das 1974 als Wettkampfdisziplin etabliert wurde, unterscheidet sich in seinen aktuellen Ausprägungen in diversen Fachverbänden, die ihr eigenes Regelwerk haben. Als Wettkampfarten werden etwa die Disziplinen Pointfight oder Semikontakt vom Leicht- und Vollkontakt unterschieden. Sie werden entweder auf der Matte oder im Ring ausgetragen.

Bewertung erfolgt nach einem Punktesystem

Beim Semikontakt auf einer 7x7 Meter messenden Matte erfolgt nach jedem sauberen und höchstens leichtem Treffer am Körper des Gegners eine Unterbrechung, damit die Aktion von den Kampfrichtern nach einem Punktesystem bewertet werden kann. Beurteilt werden Hand-, Fuß-, Schlag- und Tritttechniken.

Auch der Leichtkontaktkampf findet in der Regel auf der Matte statt. Allerdings wird nicht nach jedem Treffer unterbrochen. Das Tragen von Kopfschutz, Handschuhen, Tief-, Mund und Schienbeinschutz ist vorgeschrieben. „Ein Tritt mit voller Kraft gegen den ungeschützten Körper kann durchaus eine Rippe brechen“, sagt El Issa. Ein Kampf nach Vollkontakt-Regeln wird im Ring ausgetragen und kann auch mit einem K.o. enden. Je nach Verbandsbestimmung können auch Tritte zum Oberschenkel erlaubt sein. Punktabzüge gibt es für Tritte unter die Gürtellinie.

Die gleichen Regeln

Die dezidierten Bestimmungen sind durchaus kompliziert und zuweilen recht unterschiedlich. Der Athlet muss sich also entsprechend vorbereiten. „Wir kämpfen vor allem nach den Regeln der World Association of Kickboxing Organizations (Wako)“, betont El Issa. Er weist überdies darauf hin, dass das Kickboxen zwar eine Kampfsportart sei, aber in der Öffentlichkeit nur angewendet werden darf unter Berücksichtigung des Notwehrparagrafen.

„Den müssen wir nicht nur von seinem Wortlaut, sondern auch von seinem Inhalt intus haben. In Konflikten sollten wir vor allem deeskalierend agieren. Offiziell muss ich mitteilen, dass ich Kampfsportler bin. Im Falle der Notwehr darf ich handeln. Ich darf auch jemandem zu Hilfe kommen.“ Für „Rambos“ sei im Verein kein Platz. „Wir möchten vor allem den jungen Leuten vermitteln, dass Kickboxen etwas anderes ist als bloßes Treten und Schlagen.“

Von Bodo Ganswindt