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Lokalsport Kalifornierin Marie Bertholdt fühlt sich in Marburg wohl
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13:00 29.09.2021
Marie Bertholdt im Bundesliga-Auftaktspiel gegen Keltern. Trotz der Niederlage blickt sie positiv auf die Partie gegen den Titelverteidiger zurück: „Wir haben viel richtig gemacht.“
Marie Bertholdt im Bundesliga-Auftaktspiel gegen Keltern. Trotz der Niederlage blickt sie positiv auf die Partie gegen den Titelverteidiger zurück: „Wir haben viel richtig gemacht.“ Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Ihr Name verrät es nicht. Auch wenn sie spricht, kommt man höchstens beim ganz genauen Hinhören darauf, dass Marie Bertholdt womöglich nicht in Deutschland aufgewachsen ist. Die 26-Jährige wurde in Kalifornien, in der Nähe von San Francisco groß. Dorthin zieht es sie jedes Jahr im Sommer für zwei, drei Monate. „Wenn ich einige Zeit nicht dort bin, vermisse ich es“, sagt sie. Inzwischen, erzählt die Flügelspielerin vom BC Pharmaserv, ist Marburg für sie aber eine zweite Heimat geworden. „Wenn ich längere Zeit in den Staaten bin, freue ich mich auch wieder auf Deutschland.“ Die Frage, ob sie sich im Heimatland ihrer Eltern, ob sie sich in der Stadt an der Lahn wohlfühlt, sie stellt sich gar nicht – „sonst wäre ich jetzt nicht die fünfte Saison hier“.

Marie Bertholdt. Quelle: Thorsten Richter

Die 1,83-Meter-Frau hatte in den USA für die Santa Clara University gespielt, ehe sie 2017 nach Marburg kam. Zwei Jahre, so war zunächst ihr Plan, wollte sie bleiben, sich sportlich entwickeln. Die Deutsch-Amerikanerin – sie hat beide Pässe – entwickelte sich schnell, wurde zur Leistungsträgerin, auch zur deutschen Nationalspielerin, ließ sich von einem Kreuzbandriss, der sie zu einer einjährigen Pause zwang, zwar bremsen, aber nicht aufhalten. Sie übernahm Verantwortung, wurde Spielführerin, bekleidet das Amt auch in der neuen Saison. „Sie ist die Richtige dafür. Sie kann die Mannschaft anführen“, sagt Trainer Christoph Wysocki kurz und knapp.

Wird sie nach ihren persönlichen Zielen gefragt, antwortet sie nur, was sie mit ihrem Team erreichen will: möglichst viel. Den Titel gewinnen? „Wenn man nicht Meister werden will, dann braucht man nicht zu spielen. Das ist immer das Ziel. Aber es wird schwer.“ Die turbulente Vorsaison schlossen die Blue Dolphins auf dem dritten Platz ab. „Wir haben fast die gleiche Mannschaft, mit der wir Dritter geworden sind. Andere Mannschaften haben sich verstärkt“, sagt sie. „Wir müssen also an uns arbeiten und selbst besser werden, wenn wir besser abschneiden wollen.“ Absolut logisch.

Marie Bertholdt im Spiel gegen Klaudia Grudzien (Gisa Lions Halle). Quelle: Tobias Hirsch

Die 70:71-Niederlage zum Bundesliga-Auftakt gegen Keltern sei „mehr als ärgerlich“, sagt Bertholdt, denn: „Die Chance war da. Wir haben mit acht Punkten geführt. Da habe ich gedacht, wir packen es.“ Letztlich reichte es gegen den amtierenden Meister, der erneut als Topfavorit in die Saison gegangen ist, nicht zu einem Sieg.

Marie Bertholdt gegen Andrijana Cvitkovic (Keltern). Quelle: Thorsten Richter

Was der Trainer und die Spielerinnen gewannen, waren Erkenntnisse: „Wir haben gesehen, dass wir der besten Mannschaft der Liga große Probleme machen können, wenn wir aggressiv und hart verteidigen“, sagt Bertholdt. „Wir haben aber in einer Phase große Probleme mit dem Pressing gehabt und Bälle verloren. Das müssen wir analysieren und besser machen.“

Marie Bertholdt gegen Tessa Stammberger und Hannah Brown (Hannover) Quelle: Thorsten Richter

Schon am Freitag geht es in Hannover (18.30 Uhr) weiter, am Sonntag (16 Uhr) folgt das zweite Heimspiel gegen Osnabrück. „Gut so“, findet Bertholdt das Programm und freut sich sichtlich: „Ich spiele immer gern.“

Von Stefan Weisbrod