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Lokalsport Sein Selbstvertrauen ist zurück
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16:54 10.10.2019
Julian Kraus (Mitte) in der vergangenen Rückrunde gegen die Momberger Patrick Motyka (links) und Adrain Sack. Quelle: Michael Hahn
Wehrda

In der Saison 2015/2016 kickte Julian Kraus noch mit dem FSV Schröck in der Verbandsliga und kam auf solide 1.249 Spielminuten bei 20 Einsätzen. In der Hinrunde 2018 kam er für den gleichen Klub in der Gruppenliga, also eine Klasse darunter, nur noch auf 461 Minuten in neun Einsätzen. Kraus‘ Geschichte handelt von Sturzflug und Wiederaufstieg – von Selbstvertrauen.

In weniger als drei Jahren verlernt keiner das Fußballspielen und talentfrei ist der 25-jährige Wahl-Moischter auch nicht. Ansonsten hätte er in der Jugend nicht mehrere Jahre für den VfB Marburg und die TSG Wieseck gespielt. Aber Sport ist eben auch Kopfsache.

Unter mehreren Trainern beim FSV kam er ab 2016 zu immer weniger Spielzeit. Kraus ist ehrlich mit sich selbst: „Das Selbstvertrauen wurde immer weniger, was sich dann natürlich auf die Leistungen ausgewirkt hat.“ Wenn er auf dem Platz stand, immer öfter als Einwechselspieler, traute er sich wenig zu. „Es war natürlich immer im Kopf, dass ich keinen Fehler machen darf, weil ich dann noch weniger Spielzeit bekomme“, erklärt der 25-Jährige. Aber Erfolg begünstigt den Mutigen und so schleuderte Kraus in einem Bilderbuch-Teufelskreis.

Sich den Hintern auf der Ersatzbank wund zu sitzen, gefällt keinem ehrgeizigen Sportler. „Das Wichtigste für mich ist, dass ich spiele“, meint Kraus. Seinen Heimatverein FSV Schröck, wo er den Großteil seiner Junioren- und fast seine gesamte Seniorenzeit verbrachte, wollte er eigentlich nicht verlassen. „Ich habe schon im Sommer 2018 überlegt, ob ich wechseln soll. Schon damals gab es Kontakt mit dem FV Wehrda. Aber ich wollte es noch einmal versuchen“, berichtet er. In der vergangenen Winterpause entschied er sich aber doch für den Sprung zum Kreisoberligisten.

Es war kein Sprung ins Ungewisse. Coach Sascha Nahrgang trainierte Kraus bereits in der VfB-Jugend. „Sascha weiß, dass ich im Training Gas gebe und wie er Verlieren hasse“, erklärt Kraus die gute Partnerschaft. Während es in der Rückrunde 2019 noch nicht rund lief, erwischte Kraus einen Bomben-Start in die laufende Saison: Acht Einsätze und neun Tore, davon drei am vergangenen Sonntag beim 4:1 gegen die BSF Richtsberg.

Kraus hat sein Selbstvertrauen zurück. Auch weil Nahrgang ihm wiederum das Vertrauen gibt, im Sturm zu spielen. „In Schröck habe ich fast immer auf der Außenbahn gespielt, aber im Sturm fühle ich mich viel wohler, weil ich dort auch in der Jugend gespielt habe“, freut sich Kraus, bei dem der Knoten geplatzt ist. Es braucht eben auch die richtigen äußeren Umstände.

von Benjamin Kaiser