Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport Julia Ishaque tritt in große Fußstapfen
Sport Lokalsport Lokalsport Julia Ishaque tritt in große Fußstapfen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:56 24.12.2020
Julia Ishaque möchte mit den Young Dolphins Marburg in der 2. Bundesliga auf Korbjagd gehen. Sie hofft, dass im Januar gespielt werden darf.
Julia Ishaque möchte mit den Young Dolphins Marburg in der 2. Bundesliga auf Korbjagd gehen. Sie hofft, dass im Januar gespielt werden darf. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

Zwei kleine Mädchen toben und spielen auf den Matten in der Georg-Gaßmann-Halle, während das Training des Basketball-Bundesligisten BC Marburg läuft. Wir befinden uns in den frühen 2000er Jahren.

Julia Ishaque und ihre eineinhalb Jahre jüngere Schwester Viktoria „Viki“ vertreiben sich die Zeit, während Mutter Christine „Tini“ Training hat. Vater Bernd ist der Arzt des Teams. „Ich habe bereits sehr frühe Erinnerungen an den BC Marburg. Ich und meine Schwester sind quasi in der Halle groß geworden“, erinnert sich die 22-Jährige.

Ein Foto aus dem Jahr 2004: Bernd und „Tini“ Ishaque (hinten, Nummer 6) mit Viktoria (auf Papas Schoß) und Julia (vorn). Quelle: Thorsten Richter

Trotz des frühen Interesses am Sport begann Julia Ishaque erst im Alter von zwölf Jahren mit dem Basketball. „Ich habe aufgrund von Knieproblemen spät angefangen“, sagt die Medizin-Studentin.

Die Trikotnummer 6 bleibt in der Familie

In Krofdorf-Gleiberg hat die Gießenerin sogar ein Jahr an der Seite ihrer Mutter gespielt. „Das war eine sehr schöne und prägende Zeit für mich“, sagt Ishaque. Eine Tatsache verbindet Mutter und Tochter noch heute: die Trikotnummer 6. Während ihrer gemeinsamen Zeit war die Nummer bereits vergeben.

Aber Julia Ishaque hätte ihrer Mutter den Vorrang gelassen. „Ich habe die 6 erst von meiner Mama übernommen. Ich persönlich verbinde nicht wirklich etwas mit der Nummer. Aber sie meinte, dass die Nummer in der Familie bleiben muss“, sagt die 22-Jährige.

Christine Ishaque (links) feierte im Jahr 2003 das Double aus Deutscher Meisterschaft und deutschem Pokal mit dem BC Marburg (hier zwei Jahre später gegen Saarlouis). Quelle: Thorsten Richter

Seit ihres Wechsels zum Marburger Zweitliga-Team wird Julia Ishaque, die seit Herbst an ihrer Doktorarbeit schreibt, immer häufiger auf ihre Mutter angesprochen. Das ist für die Medizin-Studentin, die im siebten Semester an der Justus-Liebig-Universität Gießen studiert, aber in Ordnung.

„Es ist für mich ein Kompliment – weil meine Mama schon ein Vorbild für mich ist und ich stolz bin, was sie erreicht hat. Auch wenn es schwer ist, genauso erfolgreich zu sein“, merkt Ishaque an.

Früher war es das Ziel der 22-Jährigen, wie ihre Mutter in der 1. Bundesliga zu spielen. Diesen Traum hat sie erstmal auf Eis gelegt. „Mit dem Studium wäre das einfach schwer zu vereinen“, erklärt die knapp 1,80 Meter große Gießenerin.

Weiteres Angebot aus Wieseck

Ihr neues Ziel ist es nun, in der 2. Bundesliga Erfahrung zu sammeln und zur Führungsspielerin zu werden. „Ich fühle mich aktuell sehr wohl in der 2. Liga. Deshalb ist meine Entscheidung beim Wechsel auch für Marburg ausgefallen“, sagt Ishaque.

Neben des Angebots aus Marburg hatte die 22-Jährige noch die Möglichkeit, zur TSG Wieseck in die Regionalliga zu gehen. Der Wechsel ist an ungewissen Faktoren wie der Trainingssituation sowie der Kaderzusammenstellung gescheitert. „Ich wollte auch weiter mit Sarah und Susi zusammen spielen, weil wir uns gut verstehen“, fügt Ishaque hinzu. Bei den Krofdorf Knights hatte sie bereits mit Sarah Lückenotte und Susanne Seel zusammengespielt.

Ein weiterer Faktor, der für einen Wechsel nach Marburg gesprochen hat, ist der Trainer: In Christoph Wysocki trifft Ishaque auf ihren alten Coach, unter dem sie bereits in der U-16-Jungenmannschaft des MTV Gießen gespielt hatte. „Ich kenne Julia seit ihrer Geburt und ihre Mutter noch länger. Der Vorteil an Julias Spielweise ist, dass sie Männer-Basketball spielt“, beschreibt Wysocki Ishaques Stärken.

Über die Aussage ihrer Coaches lacht die 22-Jährige und fügt an: „Ich finde auch, dass Männer-Basketball einfach attraktiver anzuschauen ist, weil die Spielweise athletischer ist.“

In einer sehr jungen Marburger Mannschaft fühlt sich die Gießenerin wohl. „Es ist schade, dass wir bisher keine Spiele machen konnten. Aber wenn man sich die Entwicklung der Pandemie anschaut, dann war das vernünftig“, sagt Ishaque.

22-Jährige hofft auf Saisonauftakt im Januar

Die Young Dolphins des BC sind in der 2. Bundesliga Nord das einzige Team, das Corona-bedingt noch keine Partie bestritten hat. Eine der Gründe dafür ist ein Trainings- und Spielbetriebsverbot der Stadt Marburg. Aktuell ist die Liga bis zum 10. Januar unterbrochen – danach wird neu entschieden. „Wir hoffen einfach, dass es im Januar für uns endlich losgeht. Als Sportlerinnen sind wir selbstverständlich heiß drauf, endlich wieder zu spielen“, sagt Ishaque.

Bis dahin, vielleicht auch noch länger, muss sich die 22-Jährige gedulden, bis sie endlich im Marburger Trikot mit der Nummer 6 in der Georg-Gaßmann-Halle auflaufen kann. Dort, wo alles begann.

Von Leonie Rink

24.12.2020
23.12.2020
23.12.2020