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Lokalsport Vom Stadion ins Studio
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10:56 18.04.2020
Im Herrenwaldstadion in Stadtallendorf produzierten Leo Braunsteiner (vorne) und seine Teamkollegen einen Teil ihres Rap-Videos „Über unsere Grenzen“. Quelle: Carmen W. Ortiz
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Stadtallendorf

„Jeder Erfolg ist für uns wie ein großer Schritt – zieh deine Schuhe an, Bruder, denn jetzt wird gekickt – wir kämpfen jedes Mal, geh’n über unsere Grenzen – uns kann keiner bremsen, so lange die Schuhe glänzen“, hallt es im Sprechgesang aus mehr als einem Dutzend junger Kehlen.

Das Besondere: Der Nachwuchs ist keine Musikgruppe, schon gar keine professionelle Band. Die Jugendlichen des Jahrgangs 2008 bilden die D-1-Junioren-Mannschaft des Jugendfördervereins (JFV) Stadtallendorf/Ostkreis, gehen auf dem Fußballplatz in der Kreisliga also üblicherweise auf die Jagd nach Toren und Punkten.

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Ende Februar, als das Coronavirus noch nicht den Alltag der jungen Kicker durcheinanderwirbelte, stand für sie ein ganz besonderes Event im „Trainingsplan“: der Dreh eines Rap-Videos. „Das war mal Teambuilding auf einem ganz anderen Niveau“, erzählt Nikol Gröning vom JFV, die über eine Freundin aus Fulda, die ebenfalls im Hessischen Fußball-Verband (HFV) tätig ist, auf das Projekt stieß.

Sportjugend Hessen förderte das Projekt

Für die professionelle Umsetzung sorgte ein kommerzieller Anbieter namens „Von der Straße ins Studio“ (VDSIS), der sich laut eigener Internetpräsenz 2010 gegründet hat, „um Kindern und Jugendlichen positive Werte und Denkansätze über die musikalische Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache zu vermitteln“.

Um die Kosten für Verein und Eltern gering zu halten, hatte der JFV zuvor einen Projektantrag bei der Sportjugend Hessen gestellt, um Fördergelder zu erhalten. Für Gröning war der besondere Charakter des Video-Workshops spannend: „Letztlich ist es dabei wie bei einem Fußballspiel: Jeder hat seine Rolle.“ Während ein Teil des Teams den Liedtext schrieb, traten andere stärker beim Performen des Sprechgesangs in Erscheinung.

Hilfe erhielten die Herrenwälder Jungkicker von den etwa gleichaltrigen Dustin und Samuel, die in einem eigenen Video über die Entstehung des Rap-Videos informieren und in Sachen Rap und Social Media bereits echte Profis sind.

Zudem halfen Carmen W. Ortiz, Timm Fütterer und Gunther Rose von VDSIS dabei, dass die Mannschaft des Trainerteams Pascal Rohpeter/Jörg Pfob binnen acht Stunden ein eigenes Video produzierte – normalerweise haben die Gruppen dafür zwei Tage Zeit. „Bei uns musste alles an einem Tag passieren. Die Jungs haben das toll gemacht“, lobt Gröning.

Insbesondere die von den jungen Fußballern in dem Rap-Text angesprochenen Themen beziehungsweise all das, „was die Kinder und Jugendlichen beim Fußball beschäftigt und wie sie gewisse Dinge reflektieren“, fand Gröning spannend.

Video kann in dieser Zeit ein Lichtblick sein

Inzwischen hat das im hauseigenen Tonstudio des Stadtallendorfer Jugendzentrums produzierte Rap-Video der JFV-Kicker mit dem Namen „Über unsere Grenzen“ die stattliche Zahl von mehr als 67.000 Aufrufen auf dem Internet-Videoportal Youtube.

„Für die Jungs hoffe ich, dass das Video noch etwas stärker in die Öffentlichkeit rückt“, sagt Gröning. Denn als das Video Mitte März veröffentlicht wurde, hatte der HFV nur einige Tage zuvor aufgrund der Coronavirus-Pandemie beschlossen, den Spielbetrieb bei Männern, Frauen und Jugendlichen bis auf Weiteres einzustellen.

„Als das Video veröffentlicht wurde, haben wir ganz viele Nachrichten erhalten, dass das Video vor dem Hintergrund der damals noch neuen Einschränkungen des öffentlichen Lebens der Lichtblick des Tages war“, erzählt Gröning stolz.

JFV Stadtallendorf/Ostkreis

Der Jugendförderverein (JFV) Stadtallendorf/Ostkreis besteht seit 2016. Gebildet wird er von den Fußballabteilungen des TSV Eintracht Stadtallendorf, SV Emsdorf und TSV Erksdorf. Knapp 300 junge Kicker und 30 Trainer sind im Verein aktiv. Die D-1-Junioren, die das Rap-Video aufgenommen haben, sind eine von 15 Mannschaften des JFV, die derzeit im Spielbetrieb aktiv sind.

Von Marcello Di Cicco

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