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Lokalsport Hannes Bergmann will hoch hinaus
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14:59 07.06.2020
Quelle: Foto: Achim Nitsche
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Marburg

Nach der Schule nach Hause kommen, 20 Minuten durchschnaufen und eine Kleinigkeit essen, dann mit dem Zug nach Gießen zum Basketball-Training und oft erst nach 21 Uhr wieder heimwärts – für Hannes Bergmann ist der Tag in der Regel strikt durchgetaktet. Dem 17-Jährigen geht es kaum anders als anderen Talenten, die es in ihrer Sportart zu etwas Großem bringen wollen. Auch der Niederweimarer ist drauf und dran, seinen Weg ins Profigeschäft zu gehen. Dafür ackert und rackert der Elftklässler des Landschulheims Steinmühle unter der Woche wie an Wochenenden hart. Sehr hart.

„Es in die ProB zu schaffen, wäre klasse“, hat Hannes mittelfristig die niedrigere Klasse der 2. Bundesliga im Visier – und mehr noch. „Schon von klein auf wollte ich aber nach Amerika aufs College und danach zurück nach Deutschland und gucken, was sich ergibt“, verrät der junge 1,97-Meter-Hüne im Gespräch mit der OP. Allzu weit entfernt von seinem vom nächsten großen Schritt in den Profi-Basketball ist er nicht. Bei einem Klub, dessen Männerteam in der Bundesliga antritt, spielt er bereits – und das recht erfolgreich. Mit der Basketball-Akademie (BBA) Gießen 46ers spielt Hannes in der U-19-Bundesliga NBBL, parallel in der Gießener U 18 und auch im Männerteam von Oberligist TSV Krofdorf/Gleiberg. „Das Konzept der NBBL sieht vor, dass man auch in einem Männerteam spielt“, erklärt Hannes. Dort sollen junge Spieler lernen, sich körperlich durchzusetzen.

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Wie dies geht, konnte sich der Niederweimarer im vergangenen Jahr in der sogenannten Summer League von 46ers-Profi Alen Pjanic und dem früheren 46ers-Spieler Dominik Turudic abschauen, mit denen und zwei ProB-Spielern er eine Mannschaft bildete. „Das hat total Spaß gemacht. Wir haben das Turnier gewonnen“, erzählt Hannes stolz. Sein Vater Martin fand es gar „spektakulär“, dass „Hannes als 16-Jähriger mit Bundesligaprofis spielen konnte, die ihn super aufgenommen haben“. Bei einem Turnier in Quakenbrück in der neuen Olympischen Disziplin „3x3“ kam Hannes mit einem heimischen Team als – wie er sagt – „No-names“ ins Finale und bot dort bis zum Schluss der niederländischen Nationalmannschaft ordentlich Paroli.

Ein solch basketballerischer Höhenflug zeichnete sich im Kindesalter noch nicht unbedingt ab. Als Kindergartenkind versuchte sich Hannes zunächst kurzzeitig in der „Purzelgruppe“ des BC Marburg. „Das hat mir aber nicht so viel Spaß gemacht“, erinnert sich der 17-Jährige, der fortan beim FSV Cappel (vier Jahre bis zur D-Jugend) ein erfolgreicher Fußball-Torwart wurde. Das Basketball-begeisterte Umfeld, bestehend aus Vater und älterem Bruder, gab den Anstoß, vollends zum Korbjäger zu werden. „Oft habe ich Basketball gespielt, weil wir zwei Körbe im Garten hatten, sodass wir fast mehr Basketball als Fußball gespielt haben“, verrät Hannes.

Schon bei Basketball-Schulturnieren ragte er heraus, bei seiner Rückkehr zum BC als Neunjähriger nahm ihn kurzzeitig der frühere Blue-Dolphins-Chefcoach Patrick Unger – damals noch Jugendtrainer des BC – unter seine Fittiche. Inzwischen ist Unger Jugendkoordinator der Gießen 46ers (die OP berichtete).

In der U 14 wechselte Hannes 2017 ins Basketball-Jugendleistungszentrum (BBLZ) Gießen, wo er mit seinem Team das größte Jugendturnier Deutschlands in Göttingen gewann und beim größten Jugendturnier Europas in Wien ins Viertelfinale kam – und wo er auf Einladung von Landestrainer Reiner Chromik zum Hessenkader stieß.

„Beim ersten Lehrgang war ich noch nicht dabei, erst ab dem zweiten“, erzählt Hannes. Von Lehrgang zu Lehrgang wurde der Kader von 32 auf 12 Spieler verkleinert. Ins ersehnte Bundesjugendlager schaffen es nur wenige. „Auf dem Weg verliert man Freunde. Das ist brutal“, weiß Martin Bergmann. Hannes schaffte es und erlebte dabei eine so spannende wie anstrengende Zeit. „Da wurde einem klar, dass es in den professionellen Bereich geht“, reflektiert er.

Doch gerade diese Sphären sind es, in denen sich Hannes auch weiter bewegen will – um in den nächsten ein bis zwei Jahren das zu schaffen, wonach viele Top-Talente streben: sich den Traum vom Profisportler zu erfüllen.

Von Marcello Di Cicco

06.06.2020
06.06.2020
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