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Jugend regiert bei Leichtathleten des VfL Marburg
Jugend regiert bei Leichtathleten des VfL Marburg
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16:58 20.06.2021
Jakob Möller (hinten rechts), der Leiter der Leichtathletikabteilung des VfL Marburg, mit Trainerkolleginnen und -kollegen sowie Mitgliedern der Übungsgruppen im Georg-Gaßmann-Stadion.
Jakob Möller (hinten rechts), der Leiter der Leichtathletikabteilung des VfL Marburg, mit Trainerkolleginnen und -kollegen sowie Mitgliedern der Übungsgruppen im Georg-Gaßmann-Stadion. Quelle: Foto: Bodo Ganswindt
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Marburg

Unter anderem tummeln sich dort junge Leichtathletinnen und Leichtathleten des VfL Marburg, die sich unter Anleitung in verschiedenen Disziplinen unterweisen lassen. Die Jüngsten laufen um die Wette, springen über ein Hindernis in die Sandgrube, während sich die Älteren auf der Tartanbahn in der schwierigen Hürdentechnik üben.

Alles spielt sich geordnet, aber nicht dirigistisch ab

Das alles spielt sich geordnet, aber nicht dirigistisch geregelt ab. Lust und Freude der jungen Leute ist förmlich spürbar. Zuweilen fragt sich der Betrachter: Wer ist Übungsleiter und wer ist Übender? Eines zumindest ist gewiss: Die Fäden hat der 26-jährige Jakob Möller in der Hand. Der junge Mann ist seit 2018 Leiter der Leichtathletikabteilung des VfL Marburg. „Ich bin quasi ein Urgewächs des VfL“, sagt er. Er sei vor 20 Jahren in den Verein eingetreten, in den Kinder- und Jugendjahren habe er sehr lange die meisten der leichtathletischen Disziplinen ausgeübt, ehe er sich auf den Straßenlauf über zehn Kilometer und die Halbmarathon-Distanz spezialisiert habe.

Im Laufe er Zeit hat sich der Vermessungsingenieur auch der Trainerlaufbahn genähert. „Ich habe so ganz allmählich einige Aufgaben übernommen, zunächst waren dies eher Kleinigkeiten, aber als einige Übungsleiter aufhörten, wurden Trainer gesucht, die bereit waren, mehr zu übernehmen“, betont er.

Und er ist bereit! Nachdem er sein Studium in Bochum erfolgreich abgeschlossen hat, übernimmt er gar die Abteilungsleitung. Die Leichtathletiksparte zählt bei seinem Einstand etwa 200 Mitglieder, inzwischen sind es 250. Davon sind etwa 200 jünger als 18 Jahre. Die Zahlen der Mädchen und Jungen halten sich die Waage. „Anfangs hatten wir nur zwei Kindergruppen: eine für die 6- bis 10-Jährigen und eine für die 11- bis 16-Jährigen“, sagt Möller. Inzwischen hat die Abteilung so viele Trainer, dass die jungen Leute in Gruppen von nur zwei Jahrgängen betreut werden können.

Jakob Möller (hinten rechts), der Leiter der Leichtathletikabteilung des VfL Marburg, mit Trainerkolleginnen und -kollegen sowie Mitgliedern der Übungsgruppen im Georg-Gaßmann-Stadion.

Verantwortliche Trainer sind Clemens Möller (U 18/U 20), Jakob Möller und Jule Braxein (U 16), Vera Kar (U 14), Moritz Ernst (U 12), Annika Pfeiffer und Alena Keil (U 10/U 8). Diesen stehen zur Seite einige Sportstudenten mit Übungsleiterscheinen sowie ältere Kinder und Jugendliche der Abteilung, die für ihren Aufgaben angeleitet werden. Sie alle treffen sich etwa drei bis vier Mal im Jahr, um die allgemeinen Richtlinien festzulegen, ansonsten können jede Trainerin und jeder Trainer in ihrem jeweiligen Rahme frei entscheiden.

Vieles im Verein ist spielerisch angelegt

Das funktioniert offenbar bestens. Denn der Zuspruch und die Rückmeldungen von Kindern, Jugendlichen und deren Eltern ist durchweg positiv. „Wir glauben, dass es in Marburg viele Kinder gibt, die gerne Sport treiben wollen“, sagt Möller, „wir machen ihnen ein Angebot. Es spricht sich herum, dass hier gute Arbeit geleistet wird.“ Vieles sei spielerisch angelegt, und der Spaßfaktor in vereinsinternen Wettkämpfen kommt nicht zu kurz. Das vom nationalen Verband vorgeschriebene Kinderleichtathletiksystem mit kompakten Angeboten werde in Hessen und somit auch in Marburg konsequent umgesetzt. Die in Marburg geleistete Arbeit ist zum Beispiel auch im Wettbewerb „Jung, engagiert, für meinen Verein“ mit einem Geldpreis für den vierten Platz gewürdigt worden.

Solche Erfolge sind nur möglich, wenn man gut ausgestattete Übungsräume im Sommer und Winter nutzen kann. Die Sportstadt Marburg stellt das Georg-Gaßmann-Stadion kostenlos zur Verfügung, eine Sportstätte hohen Standards, in der in der Vergangenheit etwa Weltklasse-Zehnkämpfer aus den USA und Deutschland in Frauen- und Männerteams die publikumsträchtigen Wettbewerbe um den Thorpe-Cup ausgetragen haben.

„Unsere Absprachen mit dem Sportamt der Stadt klappen bestens“, sagt Möller. Allerdings bekommen die Leichtathleten wegen der unbefriedigenden Hallensituation im Winter nur drei Hallenstunden pro Woche. „Wir werden wohl künftig ab der U 12 in der kalten Jahreszeit draußen trainieren müssen“, beklagt Möller.

Jetzt gehe es darum, wieder offizielle Wettbewerbe im Freien anzubieten, wie etwa die Regionsmeisterschaften, die zuletzt 2019 mit großem Erfolg veranstaltet worden sind. „Die Kinder sind glücklich, dass sie nach längerer Pause dafür jetzt wieder in Gruppen trainieren dürfen. Man merkt, dass ihnen das gefehlt hat.“

Der finanzielle Aspekt spielt eine große Rolle

Wenn alles funktionieren soll, ist dies nicht zuletzt auch eine Frage des gedeihlichen sozialen Miteinanders, zu dem der Sport einen guten Beitrag leisten kann. Allerdings muss auch die finanzielle Ausstattung eines Vereins bzw. einer Abteilung das Erreichen der Ziele möglich machen. „Wir benötigen etwa 30 000 bis 35 000 Euro pro Jahr, um die Abteilung am Leben zu erhalten“, sagt Möller. Daher sei man neben den Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen und Übungsleiterzuschüssen des Landessportbundes auf die Förderung aus verschiedenen Töpfen der Stadt und des Landkreises angewiesen. Potenzielle Sponsoren aus der Region geben sich nicht gerade die Klinken in die Hand.

Von Bodo Ganswindt