Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Jonas Pfalz ist auf dem Weg nach oben
Jonas Pfalz ist auf dem Weg nach oben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:00 12.01.2022
Jonas Pfalz (am Ball, im Zweikampf mit Essens Daniel) spielt seit dieser Saison für den Duisburger Stadtteil-Club VfB Homberg in der Regionalliga West.
Jonas Pfalz (am Ball, im Zweikampf mit Essens Daniel) spielt seit dieser Saison für den Duisburger Stadtteil-Club VfB Homberg in der Regionalliga West. Quelle: Imago
Anzeige
Wehrda

Eigentlich hatte Jonas Pfalz im vergangenen Sommer ein anderes sportliches Ziel. In die 3. Fußball-Liga wollte der gebürtige Wehrdaer dort den nächsten Schritt machen, um dem höherklassigen Profifußball näherzukommen. Jener Club, bei dem der 21-Jährige im vergangenen Sommer vorstellig wurde, kämpft derzeit gegen den Abstieg in die Regionalliga: der SC Verl.

„Ich habe drei oder vier Wochen beim SC Verl mittrainiert. Es sah auch alles recht gut aus“, erzählt Pfalz, der zu diesem Zeitpunkt allerdings auch noch nicht sein höchstes Leistungslevel erreicht hatte. Verwundern mag dies nicht, denn seine erste Saison im Seniorenbereich bei seinem langjährigen Verein Borussia Mönchengladbach lief alles andere als nach Plan für den früheren Jugendnationalspieler. Verletzungen und Erkrankungen warfen ihn über Monate hinweg immer wieder zurück – vom Kapselriss über eine Corona-Infektion bis hin zum Syndesmosebandriss im rechten Sprunggelenk. Nach einem einminütigen sowie einem 52-minütigen Einsatz im Oktober 2020 kamen aus diesem Grund keine Viertliga-Einsätze für die zweite Mannschaft der Gladbacher mehr hinzu.

Doch aus dem Engagement beim SC Verl wurde letztlich nichts. „Es hatten mich dann immer wieder kleine Beschwerden eingeholt, sodass man sich beim SC Verl nicht sicher war, ob es sich lohnt, mich zu holen, weil ja noch ein Verletzungsrisiko bestand. Letztlich hat es nicht funktioniert“, erzählt der frühere Jugendspieler des FV Wehrda und VfB Marburg, der aber noch an anderer Stelle fündig wurde: bei der zweiten Mannschaft des Bundesliga-Absteigers SV Werder Bremen.

„Dort war ich ziemlich lange, fast bis zum Deadline Day“, sagt Pfalz. Doch kurz vor jenem Tag am Ende der Transferperiode entschied man sich beim vierfachen Deutschen Meister gegen eine Verpflichtung Pfalz’ – zur Überraschung des Wehrdaers: „Eigentlich war es schon ziemlich sicher, dass ich zu Bremen wechsele, hatte dort schon die Leistungsdiagnostik und Testspiele gemacht, sogar getroffen“, sagt Pfalz.

Jonas Pfalz (links) im Jahre 2014 beim VfB Marburg: In dieser Szene überwindet er Nico Molitor (KSV Klein-Karben) und trifft zur 1:0-Führung. Quelle: Florian Gaertner

Dann aber hätte die erste Bremer Mannschaft Personalprobleme bekommen. Einige Spieler aus dem Bundesliga-Kader seien abgestellt worden für die U-23-Mannschaft in der Regionalliga Nord. Letztlich habe sich der Vorstand entschieden, zu dieser Saison keine neuen Spieler zu verpflichten. „Dann stand ich da. In Bremen – und habe mich gefragt: Was mache ich jetzt?“

Komplett ausweglos war die Situation für Pfalz jedoch nicht, „ein paar“ Angebote lagen ihm noch vor. Für ihn war klar: Er wollte in der Regionalliga West bleiben, „weil das mit Abstand die beste Regionalliga ist“, meint Pfalz. „Dann bin ich bei Homberg gelandet.“ Beim VfB. Der Verein für Bewegungsspiele schaffte zur Spielzeit 2019/20 den erstmaligen Aufstieg in die vierthöchste Spielklasse, misst sich dort mit Traditionsvereinen wie Rot-Weiss Essen, Fortuna Köln und dem Wuppertaler SV sowie einigen U-Teams von Bundes- und Zweitligisten.

Inzwischen hat Pfalz eine eigene Wohnung im linksrheinisch gelegenen Duisburger Stadtteil. „Es ist ganz friedlich und sehr familiär. Ich fühle mich sehr wohl da.“ Mindestens bis zum Sommer will er beim VfB bleiben, so lange läuft sein Vertrag. Sportlich sieht es für den Wehrdaer besser aus als zuletzt bei Gladbach II: 19 Regionalliga-Spiele kamen für ihn seit Sommer hinzu. Seit Oktober spielt er beim Tabellenvorletzten fast durchweg über die volle Spieldauer, generell steht er nahezu ausschließlich in der Startelf. „So komme ich wieder in den Rhythmus“, sagt Pfalz, der beim 3:2-Sieg gegen den SV Lippstadt sogar schon sein erstes Viertligator erzielt hat. „Mit dem Kopf“, erinnert sich Pfalz und lacht. „Keine Ahnung wie.“ Schließlich ist der technisch versierte Linksfüßer nicht als Kopfballungeheuer bekannt.

Der 21-Jährige hat „noch Hoffnung“, dass er mit dem VfB am Saisonende nicht absteigt. Unabhängig davon plant er, wie ab Sommer sein weiterer Weg in den höherklassigen Profifußball aussehen könnte. „Ich stehe noch in gutem Kontakt nach Bremen. Der Trainer ruft mich alle zwei Wochen an“, verrät Pfalz. Der Weg nach oben – er soll also weitergehen.

Von Marcello Di Cicco