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Lokalsport Als „Manni“ Kaltz wegen Gelb meckerte
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15:00 09.02.2022
Der ehemalige Schiedsrichter Jochen Junk aus Fronhausen mit seinen Erinnerungsstücken: einem Wimpel vom Uefa-Pokalspiel Neuchatel Xamax – Real Madrid am 19. März 1986 (Endstand: 2:0), einem Wimpel vom DFB-Pokalspiel FC Schalke 04 – Borussia Dortmund am 31. Oktober 1984 (Endstand 3:2) und einem Foto vom Spiel 1. FC Nürnberg – 1. FC Kaiserslautern am 13. Juni 1987.
Der ehemalige Schiedsrichter Jochen Junk aus Fronhausen mit seinen Erinnerungsstücken: einem Wimpel vom Uefa-Pokalspiel Neuchatel Xamax – Real Madrid am 19. März 1986 (Endstand: 2:0), einem Wimpel vom DFB-Pokalspiel FC Schalke 04 – Borussia Dortmund am 31. Oktober 1984 (Endstand 3:2) und einem Foto vom Spiel 1. FC Nürnberg – 1. FC Kaiserslautern am 13. Juni 1987. Quelle: Thorsten Richter
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Fronhausen

Wie viele Wimpel es genau sind, die Jochen Junk aus seiner aktiven Zeit als Schiedsrichter und Schiedsrichterassistent gesammelt hat, weiß der 73-Jährige nicht. Doch es sind einige, so viel steht fest. Im Sommer 1983 stieg der Fronhäuser in den A-Kader des Deutschen Fußball-Bundes auf, hatte in der Folge bis 1990 knapp 130 Einsätze (davon etwa 95 als Assistent und zirka 30 als Schiedsrichter) im Dress mit dem DFB-Emblem – als Assistent in der ersten und zweiten Bundesliga und an der Pfeife bei bundesdeutschen Jugendmeisterschaften, Länderpokalspielen oder Freundschaftsspielen mit Beteiligung internationaler Mannschaften.

Junk gehörte seinerzeit zum Gespann des Darmstädters Norbert Brückner, der in Junks Anfangszeit im deutschen Fußball-Oberhaus der einzige hessische Referee in der Bundesliga war. In besonderer Erinnerung ist Junk neben dem Einsatz im Uefa-Pokalspiel Neuchatel Xamax – Real Madrid (2:0) im März 1986 das DFB-Pokalspiel Ende Oktober 1984 zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund (3:2) geblieben. „Ich weiß noch, dass ich in der Nordkurve des Parkstadions die Fahne gewunken habe. Ab und an dachte ich, die kommen von da oben runter“, erinnert sich Junk an 45 000 euphorische Fans im Ruhrpott-Derby, an den noch jungen Erksdorfer Eike Immel im Kasten des BVB, an tolle Eindrücke. „Das war schon imposant“, sagt er.

Jochen Junk mit Erinnerungsstücken. Quelle: Thorsten Richter

Nicht minder spannend verlief Junks Bundesliga-Premiere als Linienrichter im Herbst 1983, als sich der Hamburger SV mit 2:2 vom 1. FC Köln trennte – vor den Augen von Jochen Junk, der bereits als Schulkind HSV-Anhänger war, als Spieler wie Uwe Seeler oder Gert „Charly“ Dörfel ihn begeisterten. Doch an jenem 5. November „war ich neutral“, betont Junk – und erinnert sich an eine Szene, als er gegen Manfred Kaltz die Fahne hob, weil der Hamburger etwas zu seinem Gegenspieler gesagt hatte, dafür eine Gelbe Karte kassierte. „Daraufhin sagte er zu mir und Norbert Brückner: ,Was glaubt ihr denn? Ich bin hier zu Hause!’“, erzählt Junk und lacht.

Szenen wie diese zeigen: Als Unparteiischer hatte Junk seine Prinzipien – egal, ob im Stadion vor Tausenden von Fans oder auf dem Dorfsportplatz vor nur einer Handvoll Zuschauerinnen und Zuschauern. In Niederwalgern stellte Junk, der für den FC Oberwalgern pfiff, in einem Turnier einen Spieler des eigenen Vereins wegen unsportlichen Verhaltens vom Spielfeld. „Da kenne ich keinen Bruder und keine Schwester, dafür bin Schiedsrichter“, sagt Junk, der stets darauf bedacht gewesen sei, durch eine klare Linie in der Spielführung Partien möglichst schon in der Anfangsviertelstunde in den Griff zu bekommen. „Viele ältere Spieler haben mir nach meiner Laufbahn gesagt, dass man bei mir genau gewusst habe, woran sie waren.“

Schiedsrichter Jochen Junk (2.v.l.) bei seinem ersten Bundesligaspiel Hamburg gegen Köln (Endstand 2:2) am 5.11.83. Von links Felix Magath (HSV), Jochen Junk, Norbert Brückner, Rainer Boos, Pierre Littbarski (1. FC Köln). Quelle: Privatfoto

Im Alter von 25 Jahren kam Junk 1974 zur Schiedsrichterei, pfiff anfangs nur Jugendspiele. Bis zum Ende seiner aktiven Laufbahn 1996 wegen Knieproblemen dürften es zwischen 1 500 und 1 800 Partien gewesen sein, schätzt Junk, bei denen der langjährige Oberliga-Referee als Unparteiischer oder Assistent auf dem Spielfeld stand. Ende Juni 2019 ließ Junk dann auch auf Funktionärsebene ganz von der Schiedsrichterei ab. Von 1996 bis dahin hatte er sich in verschiedenen Funktionen verdient gemacht – etwa als Schiedsrichter-Ansetzer und -Beobachter, als Einzelrichter oder Mitglied des Kreissportgerichts.

Schiedsrichter Jochen Junk (2.v.l.) beim DFB-Pokalspiel Schalke gegen Dortmund am 31.10.84 (Endstand 3:2). Von links Bernard Dietz (Schalke 04), Jochen Junk, Norbert Brückner, Manfred Lehnert, Rolf Rüssmann (BVB). Quelle: Privatfoto

Dem beliebten Ballspiel ist der frühere Kfz-Meister aber verbunden geblieben. Egal, ob in Stadtallendorf, Marburg oder Gladenbach – Junk besucht gerne von Mal zu Mal die heimischen Sportplätze. „Fußball ist nicht alles, ich hänge aber noch ein bisschen daran“, gesteht er.

Schiedsrichter Jochen Junk (Mitte links) beim Spiel Nürnberg gegen Kaiserslautern am 13.6.87. Das Spiel leitete Rainer Boos (Mitte) mit Junk und Uwe Roßbach (Mitte rechts). Links im Bild die Spieler TW Horst Ehrmantraut und Spielführer Jürgen Groh (FCK), rechts Spielführer Dieter Eckstein und TW Andreas Köpke (Nürnberg). Quelle: Privatfoto

Etwas besorgt blickt der 73-Jährige jedoch auf den Mangel an Unparteiischen, um diesem entgegenzuwirken er die Vereine mit in die Pflicht nimmt. Es sei wichtig, dass Verantwortliche einwirkten auf Zuschauerinnen und Zuschauer, sollten diese gegenüber dem Referee verbal entgleisen. „Ganz schlimm ist es im Jugendbereich. Schon zu meiner Zeit haben wir viele junge Schiedsrichter verloren, weil Betreuer nicht auf ihre Spieler, Zuschauer oder Eltern eingewirkt haben“, sagt Junk – und gibt zu bedenken, dass beim Fußball nicht nur ohne Übungsleiter und Spieler kein Spiel möglichst ist, sondern auch nicht ohne die Männer und Frauen an der Pfeife und Fahne.

Schiedsrichter Jochen Junk (Mitte) beim Spiel der U19 Deutschland gegen die U20 aus Israel in den 80er Jahren in Breidenbach. Quelle: Privatfoto

Von Marcello Di Cicco