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Lokalsport Auch mit 38 Jahren eine feste Größe im Team
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13:00 03.09.2021
Zwei ehemalige Schröcker Teamkollegen im Kopfballduell: Wetters Jens Borawski (rechts) kämpft in einem Testspiel mit Michelbachs Hakan Keskin um den Ball.
Zwei ehemalige Schröcker Teamkollegen im Kopfballduell: Wetters Jens Borawski (rechts) kämpft in einem Testspiel mit Michelbachs Hakan Keskin um den Ball. Quelle: Thorsten Richter
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Wetter

Wenn Jens Borawski heute Abend das Sportgelände des FSV Schröck betritt, dürfte er viele bekannte Gesichter zu sehen bekommen. „Der Betreuerstab hat sich ja nicht ganz so gravierend verändert“, weiß der Kapitän des VfB Wetter, der ab 20 Uhr mit seiner Mannschaft im Verfolgerduell der Fußball-Gruppenliga Gießen/Marburg das Team vom Elisabethbrunnen fordert.

Für Borawski ist es zugleich die Rückkehr zu jenem Verein, mit dem er große Erfolge feierte, bei dem er „eine superschöne Zeit“ erlebte, wie der Innenverteidiger im Gespräch mit der OP schwärmt. Von 2006 bis 2016 schnürte der 38-Jährige die Schuhe für den FSV, stieg mit den Schröckern zweimal in die Verbandsliga Mitte auf. „Besonders gern erinnere ich mich an das Aufstiegsspiel zu Hause gegen Mesopotamien Wiesbaden, als die Gäste mit zwei Fan-Bussen angereist waren und wir uns als spielerisch schwächste Mannschaft in der Relegation durchgesetzt haben“, sagt Borawski.

Aufstieg als A-Junior

Als sich der langjährige Schröcker Coach Markus Kubonik einer neuen Herausforderung widmete, zog es auch Borawski fort – vom Marburger Stadtteil zurück an die Wetschaft, zum VfB, wo er schon seine ganze Jugendzeit verbracht hatte. Seit seinem neunten Lebensjahr lebt der gebürtig aus Berlin stammende Borawski in Wetter, arbeitet als niedergelassener Orthopäde und Unfallchirurg in Gladenbach.

„Für mich bot es sich nicht nur wegen des Trainerwechsels in Schröck an, zurück nach Wetter zu gehen. Der VfB war zu diesem Zeitpunkt auch in die Verbandsliga aufgestiegen. Außerdem war es reizvoll, die Laufbahn bei meinem Heimatverein ausklingen zu lassen“, erzählt Borawski, der vor knapp 20 Jahren als A-Jugendlicher mit dem VfB in die Senioren-Verbandsliga aufstieg und in der Folgesaison trotz seines jungen Alters zur festen Größe im Team avancierte. Studienbedingt gab er ein sportliches Intermezzo bei der SVG Göttingen, ehe es ihn 2005 zunächst zurück zum VfB und 2006 schließlich zum FSV zog.

Zwei Aspekte seien bei der Entscheidung, für wen er aufläuft, immer von entscheidender Bedeutung gewesen: „Sich wohlzufühlen“, sagt Borawski, „und ein gewisser sportlicher Anspruch.“ Den hat er auch noch mit seinen 38 Lenzen. Dass der großgewachsene Abwehrspieler auch in seinem Alter noch auf ambitioniertem Niveau spielen kann, führt er vor allem darauf zurück, dass er bisher weitgehend frei von schweren Verletzungen geblieben ist. Dafür tut er einiges: An den Wochenenden geht er regelmäßig joggen, in seinen Alltag baut er Rumpfstabilisierungsübungen ein. Und dennoch: So leicht wie noch vor zwei Jahrzehnten fällt Borawski das Fußballspielen nicht mehr. „Im Vergleich zu früher brauche ich nach einem Wettkampf-Wochenende etwas länger als zwei Tage, um mich zu erholen“, gesteht er und schmunzelt. Es ist nicht das Einzige, was sich verändert hat.

Karriereende vertagt

Der verheiratete Borawski ist Vater eines elfjährigen Sohnes sowie zweier Töchter im Alter von drei und acht Jahren. „Früher habe ich mir Niederlagen viel länger zu Herzen genommen“, vergleicht er, „heute ordne ich sie angesichts von Beruf und Familie ganz anders ein. Meine Kinder würden das sicher nicht nachvollziehen können, wenn Papa nach einer Niederlage lange schlecht gelaunt wäre“, sagt Borawski.

Eigentlich wollte er schon im vorigen Jahr seine aktive Laufbahn beenden. Der Saison-Abbruch aufgrund der Corona-Pandemie machte diesem Vorhaben jedoch einen Strich durch die Rechnung, denn: „Da hätte mir der vernünftige Abschluss gefehlt, wozu ja auch mal eine Mannschaftsfahrt nach der Saison gehört“, begründet der 38-Jährige, der sich „noch nicht festgelegt“ habe, ob nach dieser Spielzeit Schluss ist. Denn sollte es am Ende tatsächlich zur Rückkehr in die Verbandsliga reichen, „würde ich mir schwer damit tun, aufzuhören“, gesteht der VfB-Kapitän.

Sein Fokus gilt ohnehin zunächst dem Gastspiel beim Ex-Klub. „Es ist zu früh, um zu sagen, dass dieses Spiel richtungweisend ist“, weiß der Verteidiger, „aber ich hoffe trotzdem, dass wir als Sieger vom Platz gehen.“

Von Marcello Di Cicco