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Lokalsport Nachwuchsfußballer mit klarem Ziel
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18:00 30.08.2019
Jakob Reinhard (rechts; gegen Matteo Cappello von der SG Rosenhöhe) in der Vorsaison in einem Spiel der B-Junioren-Hessenliga. Inzwischen kickt der Lahntaler mit der U 19 des OFC in der 
A-Junioren-Bundesliga. Quelle: imago
Göttingen

Wo er sich in fünf Jahren sieht? Für die Antwort braucht Jakob Reinhard nicht lange zu überlegen: „In der Bundesliga.“ In der „richtigen“, sozusagen. In der der Erwachsenen. Er will Profi werden, will sich mit den Stars messen. Den Sprung traut er sich zu.

Naiv ist er aber nicht, will daher unbedingt 2021 sein Abitur machen: „Ich weiß, dass es statistisch höchstens zwei aus unserer Mannschaft so weit schaffen“, sagt er. Seine Mannschaft, das ist die U 19 der Offenbacher Kickers, Aufsteiger in die A-Junioren-Bundesliga Süd/Südwest. Jakob Reinhard gehört mit seinen 17 Jahren zu den Jüngeren im Team.

Der Göttinger hatte bei der JSG Lahntal mit dem Kicken angefangen. Er merkte schnell, dass er fußballerisch mehr drauf hat, als die meisten anderen. Vor sechs Jahren ging er zum VfB Marburg, schoss dort viele Tore, schaffte es in die Regionalauswahl. Sein Weg ging weiter: Bei einem Auswahlturnier fiel er Scouts von Mainz 05 auf, 2016 war das.

Entscheidung für den OFC aus praktischen Gründen

Er wechselte zu den Rheinhessen, nahm dafür lange Wege auf sich – vier- bis fünfmal pro Woche. Direkt nach der Schule ging es für ihn mit dem Auto zu einem Sammelpunkt in Gießen, dort wurde er abgeholt. Er zeigte gute Leistungen, schoss in der Liga zwölf Tore, bereitete zwölf weitere vor.

Für seine zweite Saison wurde ihm ein Internatsplatz in Aussicht gestellt, die beinahe täg­liche Fahrerei hätte damit ein Ende gefunden. „Dann wurde mir aber mitgeteilt, dass der Platz für einen anderen Spieler gebraucht wird“, berichtet er im Gespräch mit der OP.

Er wollte weg aus Mainz. Sein damaliger Berater erzählte ihm von verschiedenen Interessenten, bei Hannover 96 machte er ein Probetraining, wurde aber nicht genommen. Die Zeit wurde knapp, die Wechselfrist war fast erreicht. „Ich habe dann selbst die Initiative ergriffen und nach einem neuen Verein gesucht“, blickt Jakob Reinhard zurück.

Darmstadt 98 wollte ihn haben, Kickers Offenbach auch. Er entschied sich für den OFC – aus praktischen Gründen: „Die Entfernung ist kürzer, die Fahrtzeit nicht ganz so lang.“ In gewisser Weise war es vor drei Jahren eine Notlösung.

"Der Sprung jetzt in die U 19 ist riesig"

Heute sieht es der Zwölftklässler der Steinmühle nicht so an, ist trotz der weiterhin nötigen zeitraubenden Pendelei froh, beim aktuell im Männerbereich lediglich in der Regionalliga spielenden DFB-Pokal-Sieger von 1970 zu sein, fühlt sich im Verein gut gefördert: „Es wird inzwischen wieder viel in die Jugend investiert, die Bedingungen sind sehr gut. Mir gefällt es in Offenbach auf jeden Fall.“

Der selbstbewusste 17-Jährige spielt offensiv auf dem Flügel – auf der linken oder auf der rechten Seite. Mit der U 17 verpasste er in der vergangenen Spielzeit als Zweiter der Hessenliga nur knapp die Meisterschaft, ebenso wie ein Jahr zuvor mit der U 16 in der Verbandsliga.

Schon in seinem ersten B-Jugend-Jahr wurde er einige Male beim älteren Jahrgang eingesetzt, kennt das also in gewisser Weise. Trotzdem: „Der Sprung jetzt in die U 19 ist riesig.“ Für ihn und die anderen Spieler des Jahrgangs 2002 heißt das, sich zunächst hinten anstellen zu müssen.

Saisonstart ist dem Aufsteiger gelungen

„Wir sind diejenigen, die die Bälle tragen und das Wasser holen müssen“, erzählt er. Ein Problem hat er damit nicht. Das gehöre zur Disziplin, die für Trainer Steven Kessler einen hohen Stellenwert habe. „Er fordert viel von uns“, sagt Jakob Reinhard über seinen Cheftrainer, „aber er ist auch sehr freundlich und unterstützt jeden einzelnen von uns sehr gut“.

Der Saisonstart ist dem Aufsteiger – das U-19-Team schaffte als Hessenmeister nach Spielen gegen die SV Elversberg den Sprung in die höchste Jugend-Spielklasse – gelungen: Beim FC Ingolstadt gab es zum Auftakt einen 1:0-Sieg, beim Karlsruher SC am vergangenen Wochenende einen 2:1-Erfolg.

Das erste Heimspiel ging zwar mit 1:2 verloren, Gegner VfB Stuttgart gehört aber zu den Topteams der Liga. „Wir haben gesehen, dass wir mithalten können“, betont Jakob Reinhard. Ziel sei „natürlich“ der Klassenerhalt. „Wir sind alle überzeugt, dass wir ihn erreichen werden.“

Er selbst will sich einen Platz in der ersten Elf erkämpfen, aktuell hat er den noch nicht. „Die Spieler des älteren Jahrgangs sind ein Stück voraus, sie sind die Führungsspieler.“ Dazu will er selbst werden, spätestens in der nächsten Saison, wenn er zu den Älteren gehört.

Vorfreude auf Pokalspiel gegen Kumpel Jonas Pfalz

Schnelligkeit und taktisches Verständnis sind die Stärken des Lahntalers, auch im Dribbling ist er stark. Beim Torabschluss sieht er selbst bei sich das größte Entwicklungspotenzial: „Ich brauche noch zu viele Chancen“, sagte er. „Ich überlege auf dem Platz manchmal zu viel, das ist nicht gut.“

Daran wird er arbeiten. Die Motivation hat er, das Fernziel Männer-Bundesliga im Blick. Zunächst aber geht es darum, im Nachwuchsbereich erfolgreich zu sein. In der Liga natürlich, aber auch im DFB-Pokal.

Dort steht für ihn ein ganz besonderes Spiel auf dem Programm: Am Samstag (11 Uhr) empfängt der OFC als amtierender Hessenpokalsieger die Borussia aus Mönchengladbach zum Erstrundenspiel. Für ihn bedeutet das ein Aufeinandertreffen mit seinem ein Jahr älteren Kumpel Jonas Pfalz, den er aus gemeinsamen Zeiten beim VfB Marburg kennt.

„Wir haben schon vor der Auslosung gescherzt und gesagt, dass es cool wäre, wenn wir gegeneinander spielen“, erzählt Jakob Reinhard. „Wir haben es kaum geglaubt, als es dann tatsächlich so gekommen ist.“ Die Borussia, meint er, sei zwar der Favorit. Aber: „Entschieden wird das Spiel auf dem Platz. Mal schauen, was da passiert …“

von Stefan Weisbrod