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Lokalsport Jaime Kepp nimmt EM-Titel ins Visier
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11:00 03.11.2021
Schwere Gewichte sind sein Ding: Kraftsportler Jaime Kepp vom Athletenclub Marburg.
Schwere Gewichte sind sein Ding: Kraftsportler Jaime Kepp vom Athletenclub Marburg. Quelle: Foto: Nadine Weigel
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Marburg

Jaime Kepp kam, hob und siegte – und er brach gleich haufenweise Rekorde. So oder ähnlich lässt sich der Auftritt des 16-jährigen Stadtallendorfers vom Athletenclub (AC) Marburg bei den Deutschen Jugend- und Junioren-Meisterschaften im Kraftdreikampf im bayerischen Rottendorf zusammenfassen. 18 hessische und einen deutschen Rekord stellte Jaime in Unterfranken auf; mit 210 kg in der Kniebeuge, 160 kg im Bankdrücken und 225 kg im Kreuzheben ergatterte er den DM-Titel in der Jugendklasse bis 105 kg (die OP berichtete).

Die Eltern machen’s vor

„Ich habe mich schon gefreut nach dem Wettkampf“, sagt Jaime ein bisschen schüchtern. Dazu muss man wissen, dass er das deutsche Rekordgewicht von 150 kg im Bankdrücken mit Leichtigkeit im Erstversuch zur Hochstrecke brachte – seine 160 kg, die ihm nur aufgrund eines technischen Fehlers erst im letzten Versuch gelangen, sind längst nicht das Ende der Fahnenstange. „Im Training mit meinem Vater habe ich schon 172 kg gedrückt“, erzählt Jaime, der bislang überhaupt erst an drei Meisterschaften teilgenommen hat, seit er sich im Spätsommer 2019 dem Athletenclub angeschlossen hat: den hessischen Titelkämpfen, der Mannschafts- sowie Deutschen Meisterschaft.

Vorher war Kraftsport etwas, das sich beim Elftklässler der Kaufmännischen Schulen Marburg vor allem im privaten Bereich abspielte. „Mein Vater hat im Fitnessstudio Kraftsport gemacht, ohne Wettkämpfe. Meine Mutter hat für sich Bodybuilding gemacht“, erzählt Jaime, wie ihn der Einfluss elterlicherseits zur Sportart mit den Gewichten verschlug. 2016 fing er an in einem Stadtallendorfer Studio zu trainieren, zuerst mit seinem Vater, zwischenzeitlich auch alleine. Inzwischen schwitzt er vier- bis fünfmal pro Woche in seinem Heimatort für seine sportliche Leidenschaft. „Vor Meisterschaften trainiert er mindestens zweimal bei uns, damit wir das Feintuning machen können“, erklärt AC-Sportwart Armin Kremer.

Durch den ehemaligen AC-Athlet Tobias Kästner stellte Jaime den Kontakt zu dem Verein her, der seine Heimstätte unweit der Stadtmitte in der Straße „Bei St. Jost“ hat. „Dass ich hier im Verein trainiere, gibt meinem Vater ein besseres Gefühl“, erzählt Jaime, „denn immer wenn er nicht mit ins Training kommen konnte, hatte er Angst, dass ich mit zu viel Gewicht trainiere oder mich verletze.

Seit dem vergangenen Jahr widmet sich Jaime, der sich zuvor im Karate und Boxen ausprobiert hatte, verstärkt dem Kraftsport. „Seitdem ist es mein Traum, Europameister zu werden. Das wäre der nächste Schritt, nachdem ich Deutscher Meister geworden bin.“ Der Weg zur EM führt traditionell über den deutschen Nationalkader, für den Jaime angesichts seiner Leistungen die Norm erfüllt – der Stadtallendorfer hat das Angebot, in den Kader aufgenommen zu werden, jedoch zunächst abgelehnt.

185 Kilogramm sind das Ziel

„Ich habe mich noch nicht bereit gefühlt, einen solchen Schritt zu wagen“, sagt Jaime, der durchblicken lässt, dass er hohe Ansprüche an sich selbst stellt: „Würde ich Zweiter oder Dritter werden, heißt das für mich, dass ich verloren habe. Wenn ich bei einer Europameisterschaft starte, will ich Erster werden – oder wenigstens einen Rekord brechen.“ Eben so, wie er es zuletzt bei den Deutschen Meisterschaften mehrfach schaffte. Geht es nach ihm, will Jaime im kommenden Frühjahr zum deutschen Kader stoßen – und alsbald den europäischen Rekord im Bankdrücken brechen. „Der liegt bei 182 kg, ich will 185 kg schaffen“, hat der Kraftsportler schon das nächste große Ziel vor Augen.

Von Marcello Di Cicco