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Lokalsport Irritation um Heim- und Auswärtsspiele in Abstiegsrunden
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15:00 10.02.2022
Die SG Rosphe um Benjamin Sauerwald (rechts; hier gegen Rauischholzhausens Nicolai Lorch) soll in der Abstiegsrunde weniger Heimspiele austragen, als es nach Ansicht des Vorstands sportlich fair wäre.
Die SG Rosphe um Benjamin Sauerwald (rechts; hier gegen Rauischholzhausens Nicolai Lorch) soll in der Abstiegsrunde weniger Heimspiele austragen, als es nach Ansicht des Vorstands sportlich fair wäre. Quelle: Michael Hahn
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Marburg

So kennt es jedes Kind: In einer Saison spielen Fußballteams einer Liga jeweils zweimal gegeneinander; einmal hat die eine Mannschaft Heimrecht, einmal die andere. Nun ist die aktuelle Spielzeit aber keine ganz normale. Aufgrund der Corona-Pandemie, speziell der Erfahrungen aus zwei letztlich abgebrochenen Saisons, werden in einigen Spielklassen alternative Spielmodelle angewandt. Ziel: Vor allem in Ligen mit vielen Mannschaften soll die Anzahl der Partien reduziert werden. Das führt dazu, dass es teilweise keine klassische Hin- und Rückrunden mehr gibt.

Der TSV Kirchhain hat die Qualifikationsrunde der Kreisoberliga Gießen/Marburg Nord mit nur einem Punkt abgeschlossen, geholt durch ein 3:3 gegen die SF BG Marburg II. Da die Verbandsliga-Reserve aus der Universitätsstadt die Qualifikation für die Aufstiegsrunde knapp verpasste und – wie Kirchhain – in der Abstiegsrunde ran muss, behalten die Kirchhainer diesen Zähler. Bereits die Regelung, wonach Ergebnisse gegen die Top-Sechs-Mannschaften der Qualifikation (also denen, die in der Aufstiegsrunde um Meisterschaft und Sprung in die Gruppenliga spielen) nicht mit in die Abstiegsrunde genommen werden, hat bei einzelnen Vereinen für Verärgerung gesorgt, SF-BG-Trainer Kristof Kühn hatte den Modus etwa als „Katastrophe“ bezeichnet. Nun sorgt für Irritationen, dass einige Teams in der Abstiegsrunde laut vorläufigem Spielplan nicht dieselbe Anzahl an Heim- und an Auswärtsspielen in die Wertung bringen.

Kirchhain ist dafür ein krasses Beispiel. Von den neun Heimspielen, die der TSV in der Qualifikation bestritten hat, waren fünf gegen Mannschaften, die den Sprung in die Aufstiegsrunde geschafft haben. Somit werden nur vier Ergebnisse von Heimspielen, aber acht Resultate aus Auswärtspartien in die Abstiegsrunde „mitgenommen“. Aus Sicht von TSV-Spielertrainer Thomas Porabka, der den Klassenerhalt trotz der scheinbar aussichtslosen Lage noch nicht abgehakt hat, wäre es „sportlich fair, wenn wir dann noch acht Heimspiele hätten“, eben gegen die Konkurrenten, gegen die die Ohmstädter in der Qualifikation auswärts angetreten waren.

Tatsächlich jedoch sollen die Kirchhainer laut dem Spielplan-Entwurf nur noch fünf Mal zu Hause und sieben Mal in der Fremde ran, was bedeuten würde, dass letztlich nur neun Heim- aber 15 Auswärtsspiele des TSV in der Abschlusstabelle der Kreisoberliga-Abstiegsrunde Berücksichtigung finden würden. „Vielleicht hat man sich gedacht, mit uns kann man es machen, weil wir sowieso da unten stehen“, sagt Porabka. Aber auch andere Teams wären benachteiligt, sollte der Spielplan so bleiben, etwa der VfL Dreihausen (nur zehn Heimspiele). Andere Mannschaft hätten den Vorteil, mehr Ergebnisse aus Heimspielen in die Wertung zu bekommen; SG Bunstruth/Haina, TSV Röddenau und Spvgg Wacker Frohnhausen beispielsweise jeweils 14.

Dieselbe Problematik gibt es in der Kreisliga A Marburg, wenngleich dort die Abweichungen weniger groß sind. Trotzdem spricht Tobias Kunz, Fußballvorstand bei der SG Rosphe, von einem „erheblichen Nachteil“, den die abstiegsbedrohte Mannschaft aus Ober- und Unterrosphe habe: Resultate aus vier Heim- und sieben Auswärtsspielen nimmt der Tabellenvorletzte aus der Qualifikations- mit in die Abstiegsrunde, in der er sechs Mal zu Hause und fünf Mal auswärts antreten soll. „Es ist ja nicht nur so, dass uns damit ein Heimspiel fehlt. Es gibt auch noch Konkurrenten, die mehr Heimspiele mehr haben, als sie haben dürften“, kritisiert er mit Blick auf den VfB Wetter II (12), den SV Bauerbach II (12) und den SV Schönstadt (13), die die Plätze sechs bis acht belegen. Neunter ist der FSV Cappel II, der dem vorliegenden Plan zufolge nur neun Heimspiele in die Wertung bringen würde, Zehnter die SG Niederklein/Schweinsberg, bei der es wie bei Rosphe zehn Partien auf eigenem Platz wären.

Aber warum sind die vorläufigen Abstiegsrunden-Spielpläne für Kreisoberliga und Kreisliga A so erstellt worden? „Wir sind aus allen Wolken gefallen, als wir unseren Plan gesehen haben“, sagt Rosphe-Vorstand Kunz. „Wir haben gedacht, es sei bei der Erstellung des Spielplans ein Fehler passiert.“ Nachfragen hätten ergeben, dass es nicht so ist, dass es stattdessen darum gehe, den Plan so zu erstellen, dass Reserven möglichst weiterhin Vorspiele bestreiten könnten. Peter Schmidt, Klassenleiter der Kreisoberliga, ist für die OP nicht zu erreichen gewesen, Christoph Witzel, der den Posten in der Kreisliga A bekleidet, verweist auf die Spielordnung des Hessischen Fußball-Verbands (HFV) sowie auf deren Geschäftsstelle.

Die Spielordnung des HFV sieht zwar vor, dass in Ligen mit Hin- und Rückrunde auch Hin- und Rückspiele zwischen den jeweiligen Teams auszutragen sind, also mit wechselndem Heimrecht, für Ligen mit alternativem Spielmodell ist die Formulierung jedoch eine andere. So ist für das in diesem Fall angewandte Modell in Paragraf 30a lediglich festgeschrieben, dass sowohl in der Qualifikations- als auch in der Abstiegsrunde jeweils eine Einfachrunde auszutragen sind. Die Spiele der Abstiegsrunde sind nicht als Rückspiele für die in der Wertung bleibenden Partien der Qualifikationsrunde zu betrachten, wie Walter Sitorius, Abteilungsleiter Spielbetrieb beim HFV, auf OP-Nachfrage bestätigt. „Die Klassenleiter haben bei der Erstellung der Spielpläne verschiedene Faktoren zu berücksichtigen, was die Sache nicht leicht macht“, sagt er. „Ein Austarieren mit Blick auf die gleiche Anzahl an Heim- und Auswärtsspielen ist da unter Umständen nicht immer möglich.“

Kunz setzt nun auf Gespräche. Er schließt jedoch nicht aus, dass die SG Rosphe sich mit der Möglichkeit befassen würde, rechtliche Schritte einzuleiten, sollte der Plan nicht geändert werden. „Es geht um die sportliche Fairness“, sagt er, „so kann es nicht bleiben.“ Das sieht eine Klasse höher auch Kirchhain-Coach Porabka so: „Wir sollen gegen Dernbach/Wommelshausen wieder auswärts spielen. Wenn der Letzte gegen den Vorletzten kein Heimspiel- aber zwei Auswärtsspiele hat, stimmt etwas nicht“, nennt er ein Beispiel und wünscht sich, „dass sich die Verantwortlichen noch mal überlegen, ob der Spielplan so geändert werden kann, dass es sportlich fair zugeht“. Zeit dafür wäre noch: Sowohl in der Kreisoberliga als auch in der A-Liga ist der Abstiegsrunden-Start erst für den 27. März geplant.

Von Stefan Weisbrod