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07:49 20.02.2021
Damijan Heuser (grünes Trikot, hier im Hessenliga-Heimspiel im Sommer 2019 im Zweikampf gegen Kassels Tim Brandner) erzielte in den bisherigen sechs Pflichtspielen gegen den KSV Hessen fünf Tore.
Damijan Heuser (grünes Trikot, hier im Hessenliga-Heimspiel im Sommer 2019 im Zweikampf gegen Kassels Tim Brandner) erzielte in den bisherigen sechs Pflichtspielen gegen den KSV Hessen fünf Tore. Quelle: Tobias Hirsch
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Stadtallendorf

Regionalliga-Derby im nördlichen Teil Hessens: An diesem Sonntag (Anpfiff um 14 Uhr) sollen die höchstklassigen Fußballteams aus Kassel und Stadtallendorf aufeinandertreffen – viele Tore scheinen dabei garantiert. Im Herbst 2017 begegneten sich der 1998 als Nachfolgeclub früherer Kasseler Vereine gegründete KSV Hessen und der TSV Eintracht erstmals in Pflichtspielen. Bilanz seitdem: je zwei Siege für beide Teams, dazu zwei Unentschieden. Offensive war dabei stets Trumpf: 30 Tore fielen in den sechs Begegnungen, Elfmeterschießen nicht eingerechnet. Ein Blick auf die noch nicht sonderlich lange, aber sehr ereignisreiche Derby-Geschichte ...

18. Oktober 2017, Hessenpokal, 5:6-Niederlage im Elfmeterschießen (2:2 nach Verlängerung): Mit dem Stadtallendorfer Aufstieg in die Regionalliga im Frühsommer 2017 begegneten sich der TSV Eintracht und der KSV Hessen auf Augenhöhe – zuerst aber im Achtelfinale des Hessenpokals. Rund 1 500 Zuschauer im Herrenwaldstadion sahen an einem Mittwochabend im Herbst ein offenes Spiel, in dem die Gäste aus Kassel früh mit 2:0 führten, ehe Damijan Heuser mit zwei Toren für den Ausgleich sorgte. Die Verlängerung blieb torlos, das Elfmeterschießen musste die Entscheidung bringen. Insgesamt elf Schützen verwandelten, dann musste Ivan Bozina für Stadtallendorf ran. KSV-Torhüter Niklas Hartmann hielt den Schuss des Kroaten – die Entscheidung.

11. November 2017, Regionalliga, 3:1-Sieg im eigenen Stadion: Die schnelle Chance zur Revanche gab es in der Liga. Stadtallendorf war als Aufsteiger prächtig in die Saison gekommen, Kassel musste zunächst eine Neun-Punkte-Hypothek aufgrund eines Insolvenzantrags abarbeiten. Vor mehr als 2 100 Zuschauern lief es zunächst gut für den KSV, der durch Sebastian Sebastian Szimayer bereits nach drei Minuten in Führung ging. Doch die Stadtallendorfer schlugen zurück: Lautstark angefeuert von ihren Fans erspielten sie sich eine Reihe von Chancen. Del-Angelo Williams glich nach einer guten halben Stunde aus, Ceyhun Dinler und Laurin Vogt sorgten in der zweiten Hälfte mit ihren Treffern für den verdienten „Dreier“. „Derbysieger, Derbysieger – hey, hey“, skandierten die Anhänger schon in den Schlussminuten, nach dem Abpfiff dann auch die Spieler.

12. Mai 2018, Regionalliga, 2:3-Niederlage im Auestadion: Regionalliga-Neuling hatte den Klassenerhalt eine Woche vorher mit einem 1:0-Heimsieg über den SSV Ulm klargemacht, wollte trotzdem zum Abschluss der Saison noch mal punkten. Del-Angelo Williams und Valon Ademi glichen nach 0:2-Rückstand aus, doch Sebastian Schmeer schoss vor fast 5 000 Zuschauern in der Nachspielzeit den Kasseler Siegtreffer. Letztlich nützten die Punkte dem KSV Hessen nichts: Weil nicht sowohl 1. FC Saarbrücken als auch Waldhof Mannheim den Sprung in die 3. Liga schafften – beide scheiterten in den Aufstiegsspielen –, stieg Kassel in die Hessenliga ab.

27. Juli 2019, Hessenliga, 4:3-Heimsieg: In der Saison 2018/2019 spielte Stadtallendorf eine Liga höher als Kassel, ein Aufeinandertreffen gab es lediglich im Februar 2019 zu Testzwecken (5:0-Sieg der Eintracht). Nach dem Abstieg des Teams von Trainer Dragan Sicaja ging es in der Hessenliga wieder gegeneinander – und die Spielplanmacher gestalteten den Kalender so, dass es direkt zum Auftakt zum Aufeinandertreffen im Herrenwaldstadion kam. Die rund 1 050 Zuschauer bekamen für ihr Geld richtig was geboten. Die Gäste offenbarten in der ersten Hälfte immer wieder Probleme bei langen Bällen; Heuser, Felix Nolte und zweimal Jascha Döringer sorgten für einen 4:1-Pausenstand. Nach dem Seitenwechsel versuchte das KSV-Team alles, berannte das Tor, in dem in Florian Eidam ein Hessenliga-Debütant stand, kam aber nur noch zum Anschluss.

17. August 2019, Hessenliga, 2:2-Unentschieden in Kassel: Nur drei Wochen nach dem Hin- kam es im Auestadion zum Rückspiel. Heuser, so etwas wie der KSV-Experte bei der Eintracht, traf erst sehenswert in den Winkel, staubte dann zum 2:0 ab. Nach dem Seitenwechsel bestimmte aber Kassel das Geschehen. Unglücklich aus Stadtallendorfer Sicht: Alban Meha erzielt das Tor zum 2:2 in der vierten Minute der Nachspielzeit. Als die Saison im Frühjahr 2020 Corona-bedingt abgebrochen wurde, stand Stadtallendorf in der Tabelle vorn, Kassel knapp dahinter. Aufsteigen durften beide.

15. September 2020, Regionalliga, 3:3-Remis in Stadtallendorf: Ganz wild ging es im bislang letzten Aufeinandertreffen vor allem in den ersten 45 Minuten zu. Der Ex-Kasseler Den-Luca Fisher brachte die Eintracht erstmals, Malcolm Phillips zum zweiten Mal in Führung. Die Gäste schlugen zurück, drehten das Spiel, ehe Williams in der letzten Minute der ersten Hälfte das 3:3 erzielte. Auch nach dem Seitenwechsel bekamen die 580 Zuschauer – so viele durften im September entsprechend der Corona-Regeln ins Stadion – einige Chancen auf beiden Seiten zu sehen, weitere Tore aber nicht. „Fußballerisch war es nach vorne super“, lobte Sicaja, „aber wir haben ganz schlecht verteidigt.“

Hin und Her um die Austragung des Spiels

Hessen Kassel und Eintracht Stadtallendorf sollten eigentlich an diesem Samstag aufeinandertreffen – davon ging die Regionalliga-Gesellschaft auch am Freitagmittag noch aus, wie Jonas Ochs, Referent der Geschäftsführung, der OP sagte: „In Kassel soll es am Samstag bis zu 15 Grad warm werden. Nach unserem Verständnis muss ein Spiel zumindest auf Kunstrasen möglich sein.“ Allerdings: Am Donnerstag hatte die Stadt Kassel die Sportplätze gesperrt. Begründung: Sie seien noch mit Schnee und Eis bedeckt und könnten nicht geräumt werden, da die dafür nutzbaren Fahrzeuge nicht einsatzbereit seien.

Dann sollte der Platz am Samstagmorgen nochmals durch eine Kommission besichtigt werden. Gegebenenfalls sollte die Begegnung kurzfristig auf Sonntag verlegt werden. Eine Verlegung auf einen späteren Termin, das hatte die Regionalliga-Führung deutlich gemacht, sollte wenn irgendwie möglich vermieden werden.

Am späten Freitagnachmittag dann die Entscheidung: Der KSV schlug vor, das Spiel direkt auf Sonntagnachmittag zu legen – die Liga und die Eintracht stimmten zu. „Fahren wir eben am Sonntag nach Kassel. Das ist für uns kein Problem“, sagte Präsident Reiner Bremer der OP.

Sattorov bereit, Schadeberg fehlt verletzt

Nach der Absage des Spiels in Pirmasens am vergangenen Samstag ist Dragan Sicaja froh, dass die Partie bei Hessen Kassel an diesem Wochenende wohl über die Bühne gehen kann: „Das ist auch wichtig, um im Rhythmus zu bleiben“, sagt der Trainer des TSV Eintracht, der mit seinem Team in den vergangenen Tagen wieder einigermaßen normal trainieren konnte. Am Dienstag wurde eine Einheit nach Wieseck verlegt, ab Mittwoch ging’s dann auch in Stadtallendorf wieder, war der Platz vom Eis befreit.

Mit dabei: Rolf Sattorov. Der Stürmer, der 2015 bis 2018 in Kassel gespielt hatte und im Januar aus Baunatal kam, soll beim Gastspiel bei seinem Ex-Club zumindest im Kader stehen, könnte sein Debüt geben. „Er hat sich im Training gut präsentiert“, sagt Sicaja über den 29-Jährigen.

Nicht zur Verfügung steht hingegen Christopher Schadeberg. Der Linksverteidiger hat sich – wie Innenverteidiger Ben-Luca Fisher – an einer Hand verletzt. Die Ausfallliste beim Regionalliga-Schlusslicht ist damit noch länger geworden, was Sicaja aber längst nicht mehr schockt: „Es ist in dieser Saison, wie es ist. Wir müssen das Beste daraus machen“, sagt er und kündigt an: „Wir haben einige junge Spieler, die darauf brennen, sich in der Regionalliga zu beweisen. Sie werden ihre Chancen bekommen.“

Beim KSV Hessen, der mit 26 Punkten knapp vor der Abstiegsregion rangiert, fällt in Stürmer Jon Mogge nur ein Spieler aus. Kapitän Frederic Brill sowie Sebastian Schmeer und Tim Brandner, die zuletzt aussetzen mussten, sind nach Angaben von Trainer Tobias Damm wieder fit.

Von Stefan Weisbrod