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Lokalsport Finja Schaakes erstes Spiel in der Bundesliga
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18:50 30.03.2020
Nicht ihr erstes, aber doch ein frühes Spiel der heute 27-Jährigen für die Blue Dolphins: Finja Schaake in der Saison 2010/2011 in einem Spiel gegen den Herner TC um Sophia Mücke. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Ja, die Vorfreude war da. Vor allem aber die Nervosität, die große Sorge, etwas falsch machen zu können. Dass es ihr nicht – wie als 13-Jährige bei einem Sichtungsturnier – noch einmal passieren würde, auf den eigenen Korb zu werfen, war Finja Schaake klar. Aber „irgendwelche anderen dummen Sachen“, erzählt sie, sollte es auch nicht geben, weder im Spiel noch davor: „Ich hatte mir tatsächlich ausgemalt, dass ich beim Einlaufen gegen die Bierkisten rennen könnte“, erzählt die heute 27-Jährige im Gespräch mit der OP, wenn sie rund zehneinhalb Jahre zurück, auf den 3. Oktober 2009, blickt. Es war der Tag, an dem sie ihr erstes Bundesliga-Spiel für den BC Marburg bestritt.

Schon mit 16 Jahren hatte Schaake für den TSV Grünberg in der 2. Bundesliga gespielt. Zum Training kam sie bereits ab und zu nach Marburg. Sie wurde mit einer Doppellizenz ausgestattet, um in beiden Vereinen spielen zu können – dass damit eine Ära beginnen würde, war damals nicht abzusehen: „Ich habe nicht so viel darüber nachgedacht, was in ein paar Jahren sein könnte. Ich wollte einfach mein Bestes geben und meine Chance nutzen.“ Grünberg war ihr „Hauptteam“, „in Marburg ging es für mich darum, langsam ans höhere Niveau herangeführt zu werden“. Der größte Unterschied zwischen 1. und 2. Liga, das war ihr klar, lag nicht im spielerischen, sondern im physischen Bereich. „Das kannte ich ja aus dem Training.“

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So fühlte sie sich einerseits ordentlich vorbereitet, als sie an diesem Tag der Deutschen Einheit, am 2. Spieltag der Saison, erstmals im Bundesliga-Kader stand. Andererseits war da die große Anspannung, das Gefühl des trotz aller Vorbereitung Unbekannten – und eben die Sorge, „dass mir etwas Dummes passieren könnte“. Sie war unbegründet: Nicht nur schaffte es die Teenagerin, die einige Wochen zuvor 17 geworden war, beim Einlaufen unbeschadet durch den (damals wie heute) aus Bierkisten eines Sponsors zusammengebauten kleinen Tunnel, auch auf dem Parkett lief es ordentlich. Fünf, vielleicht auch sechs oder sieben Minuten war sie im Spiel. „Ich habe jeden Moment genossen“, erzählt sie. Ein „bisschen krass“ findet sie rückblickend: „Wir haben in den vergangenen Jahren mehrmals Bronze in der Meisterschaft und im Pokal geholt, ich weiß aber nicht mehr genau, wann das war. Dafür kann ich mich an meine Gefühle beim ersten Bundesliga-Spiel noch genau erinnern.“

Der BC gewann die Partie gegen die Rhein-Main Baskets mit 96:87, Schaake trug sich nicht auf der Punktetafel ein. Anders gut zweieinhalb Monate später, bei einem 81:58-Heimsieg gegen den Herner TC: Gut neun Minuten waren gespielt, da nahm sie einen Distanzwurf. Der Ball sprang an den Ring, aber nicht durch die Reuse. Die Flügelspielerin ging hinterher, schnappte sich selbst den Rebound, vollendete mit einem Korbleger zum 23:14-Zwischenstand – „ein Wahnsinnsgefühl“. 2 284 Zähler in der höchsten deutschen Spielklasse kamen seitdem hinzu.

Von Stefan Weisbrod