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17:39 13.11.2020
Die Sehnsucht der heimischen Amateurfußballer nach der Wiederaufnahme der Spielzeit ist groß. Wenn es nach der Meinung der Vereine geht, sollte zumindest die Hinrunde zu Ende gespielt werden. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Halbrunde, Playoffs, Quotientenregelungen oder doch eine komplette Saison über den Juni 2021 hinaus? All diese Möglichkeiten stehen für die Wiederaufnahme des Amateurfußballs im Raum. Aber auch Geisterspiele bei den Amateuren und das Verkaufsverbot von Speisen und Getränken sind wieder präsent.

„Geisterspiele wären sehr schlecht für uns. Wir leben von diesen Einnahmen. Wenn es sein muss, dann spielen wir die restliche Hinrunde eben ohne Zuschauer. Aber für die kommende Saison ist das einfach nicht möglich, sonst können einige Vereine bald ihre Bücher zumachen“, sagt Herbert Fett, der Spielausschussobmann der SG Lahnfels. Bei Heimspielen nimmt Lahnfels grob geschätzt zwischen 1 000 und 1 500 Euro am Verkauf von Speisen und Getränken sowie an Eintrittspreisen ein.

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Dabei sind aber Ausgaben nicht miteinkalkuliert, die beispielsweise durch den Ankauf von Speisen und Getränken anfallen. Damit würde dem Verein – bei noch vier Heimspielen in der Hinrunde – zwischen 4 000 und 6 000 Euro an Einnahmen fehlen. „Selbst wenn wir nur die Hälfte der Einnahmen hätten, müssten wir schon auf einen Sponsor hoffen“, stellt Fett fest.

Lahnfels rechnet mit weniger Zuschauern

Die Bedenken vor leeren Plätzen zu spielen ist groß. Mit weniger Zuschauer rechnet der Vorstand bereits heute. „Die Zuschauerzahlen werden generell zurückgehen. Und auch wenn jeder heiß darauf ist, wieder Fußball vor Ort anschauen zu können, so werden sich auch treue Fans des Vereins überlegen, ob sie zu den Spielen kommen werden. Was bei der älteren Generation auch kein Wunder sein dürfte“, prognostiziert Fett.

Außerdem ist Fett bezüglich der Wiederaufnahme des Spielbetriebs zurückhaltend. „Es ist jetzt schon klar, dass wir auch im Dezember den Trainingsbetrieb nicht wieder aufnehmen können. Deshalb kann es frühestens im Januar wieder losgehen. Und dann brauchen wir noch eine gewisse Vorlaufzeit für die Vorbereitung sowie den Start in die Runde“, sagt Fett.

Des Weiteren müsse man die Corona-Zahlen und die Kontaktbeschränkungen im Blick haben, damit man in der kommenden Saison 2021/22 wieder normal Fußball spielen könne. „Ich würde es begrüßen, wenn wir die Hinrunde zu Ende spielen und dann mit dieser Endtabelle die Auf- und Absteiger ermitteln“, sagt Fett.

Der VfL Dreihausen ist strikt gegen Geisterspiele bei den Amateuren. „Dadurch hätten wir keine Einnahmen mehr. Das ist für uns einfach nicht machbar“, sagt VfL-Vorstand Jens Schmid. Auch ein Verkaufsverbot von Speisen und Getränken würde den Verein wirtschaftlich belasten. „Das macht einen erheblichen Teil aus, der uns da bei den Heimspielen verloren geht“, sagt Schmid.

Der Wunsch des Vereins ist es, die Runde normal zu Ende spielen zu können. „Aber das wird wahrscheinlich nicht möglich sein. Wir im Verein würden es begrüßen, wenn die Hinrunde normal gespielt wird und man dann Playoffs für die Auf- und Absteiger ausspielt“, sagt Schmid. Das habe man auch mit dem Team abgesprochen.

Auch der Gruppenligist VfB Wetter begrüßt eine normale Beendigung der Spielzeit. „Wir hoffen selbstverständlich, dass noch so viele Spiele wie möglich ausgetragen werden können. Das wäre die fairste Variante. Aber das ist kein Wunschkonzert – allerdings halte ich es für schlecht vorstellbar, dass man die komplette Runde fertig spielen kann. Das ist einfach unmöglich“, sagt VfB-Trainer Clemens Drescher.

Geisterspiele wären für Vereine „unzumutbar“

Ebenfalls für möglich hält der Coach die Möglichkeit, nach der Hinrunde Playoff-Partien auszuspielen, um die Auf- und Absteiger zu ermitteln. „Allerdings, wenn wir erst im März wieder anfangen können zu spielen, dann werden wir nur eine Halbrunde zu Ende bringen können. Aber ich habe auch vom Hessischen Fußball-Verband gehört, dass eine Verlängerung der Runde aufgrund der regionsübergreifenden Ligen kaum möglich sein kann“, merkt Drescher an.

Auch zum Thema Geisterspiele bei den Amateuren bezieht Wetters Übungsleiter Stellung. „Es ist unzumutbar für die Vereine, wenn gespielt wird und keine Einnahmen generiert werden können. Das ist finanziell nicht zu stemmen“, sagt Drescher.

Welcher Verein muss noch wie oft ran?

In der Verbandsliga Mitte finden in dieser Saison 38 Spieltage statt. Entscheidet sich der Hessische Fußball-Verband dazu, eine Halbrunde zu spielen, müssen noch 19 Partien ausgespielt werden. Aktuell haben alle heimischen Teams der Verbandsliga elf Spiele ausgetragen. Nur der TSV Michelbach hat erst zehn Partien gespielt. Dadurch ergeben sich weitere acht beziehungsweise neun Partien für diese Mannschaften.

Für die Gruppenliga Gießen/Marburg gilt die gleiche Anzahl an Spieltagen. Der FSV Schröck, der VfL Biedenkopf und die SG Lahnfels spielten bereits zehn Spiele – bleiben noch neun Partien nach Wiederaufnahme des Spielbetriebs. Für den VfB Wetter und den SV Emsdorf steht ein zusätzliches Spiel an, sodass noch zehn Partien ausgespielt werden müssen, um die Halbrunde zu beenden.

In der Kreisoberliga Nord sowie in der Kreisliga A Marburg müssen die Teams noch zwischen sechs und acht Spiele austragen.

In der Kreisliga A Biedenkopf sind noch acht beziehungsweise neun Partien notwendig, um die Hinserie zu beenden.

Die Kreisliga A Frankenberg dagegen benötigt noch zwischen fünf und sieben Spiele, damit die Halbrunde zu Ende gespielt ist.

In der Kreisliga B Marburg I sind für die Vereine noch sechs oder sieben Partien auszuspielen.

Die Teams der Kreisliga B Marburg II benötigen noch sechs bis acht Spiele, um die Halbrunde zu beenden.

In der Kreisliga B Marburg III sind noch zwischen sieben und elf Partien auszutragen.

Die Mannschaften in der Kreisliga B Biedenkopf haben nach der Wiederaufnahme des Spielbetriebs endweder sechs oder sieben Spiele zu absolvieren.

In der Kreisliga B Frankenberg benötigen die Teams noch zwischen fünf und sieben Partien, um die Hinserie zu beenden.

Und in der untersten Liga, der  Kreisliga C Frankenberg, haben die Teams noch zwischen neun und elf Spiele zu bestreiten.

Von Leonie Rink

13.11.2020
12.11.2020