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Lokalsport Ibrahima Diallo schlägt neue Wege ein
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17:59 30.12.2020
Anfang dieses Jahres stand Ibrahima Diallo (rechts, gegen Chamseddine Lemji) in Marburg mit dem Boxteam Hessen im Ring.
Anfang dieses Jahres stand Ibrahima Diallo (rechts, gegen Chamseddine Lemji) in Marburg mit dem Boxteam Hessen im Ring. Quelle: Melanie Weiershäuser
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Marburg

Laute Musik dröhnt aus den Boxen, als Ibrahima Diallo die Sporthalle des Gymnasiums Philippinum betritt. Er umkreist den Box-Ring. Vor knapp einem Jahr hat der 24-Jährige mit dem Boxteam Hessen in der Bundesliga geboxt – in Marburg.

Dies war insofern außergewöhnlich, weil die Kämpfe der Auswahl sonst in Fulda oder Gießen ausgetragen werden. Doch dank Zutuns von BC-Trainer Ronald Leinbach fand die Bundesliga-Veranstaltung in Marburg statt. „Ich will ihm etwas zurückgeben und ihn stolz machen. Wenn er mich um irgendetwas bittet, werde ich nicht ,Nein’ sagen. Ich will, dass er mich auf meinem ganzen Weg begleitet“, sagt Diallo über seinen langjährigen Coach, der dies auch gerne tut.

Mit seinem ersten Profi-Boxkampf in Wiesbaden im Dezember dieses Jahres wechselte der 24-Jährige vom Olympischen Boxen zum Profi-Boxen. „Ich habe keine Chance mehr im Olympischen Boxen gesehen, weil es dort sehr viel auf Beziehungen ankommt“, meint Diallo. Weiter kritisiert er, dass Kämpfe für bestimmte Sportler gewertet werden. „Man weiß, dass die eigene Hand bei der Verkündung des Siegers nicht gehoben wurde, obwohl man gewonnen hat. Aber auch der Gegner weiß es. Und dass alles nur wegen der Beziehungen im Sport“, merkt Diallo an.

Wie ihn Süßigkeiten zum Boxen brachten

Im Profiboxen ist der bei der Bundeswehr als Fallschirmjäger eingesetzte Diallo aber auf finanzielle Unterstützung von Sponsoren angewiesen. „Ich muss zu Trainingslagern in die USA oder nach England, um Kontakte zu knüpfen. Deshalb brauche ich im besten Fall drei bis vier Sponsoren – damit nicht ein Sponsor das ganze Geld bezahlen muss“, erklärt Diallo. Nach seinem ersten Profi-Kampf ist er bereits im Gespräch mit einem potenziellen Unterstützer, doch spruchreif ist noch nichts.

Die Geschichte, wie der Bundeswehr-Soldat zum Sport gekommen ist, ist kurios. Vor dem Supermarkt sprach den 24-Jährigen jemand an, ob er zum Box-Training kommen wolle. „Ich wollte im Supermarkt eigentlich nur Süßigkeiten einkaufen. Zwei Tage später bin ich wirklich zum Training gegangen. Und dann habe ich bei den Trainingskämpfen ganz schön viele Schläge kassiert“, erinnert sich Diallo.

Doch nicht nur das Interesse am Sport war nun geweckt, sondern auch der Ansporn, nicht noch mehr „auf die Nase zu bekommen“, sagt Diallo. „Damals war ich 14 Jahre alt. Und mein Ziel war es einfach nur, mit Schlägen antworten zu können“, gibt der 24-Jährige zu.

Diallo tauscht Fußballschuhe gegen Box-Handschuhe

Noch bis zur A-Jugend spielte Diallo, der gebürtig aus Guinea kommt, beim FSV Cappel Fußball. Die Freude am Sport motivierte ihn, beide Sportarten auszuüben. „Einmal habe ich an einem Tag bei den Marburger Hallen-Stadtmeisterschaften Fußball gespielt und bin danach direkt in den Ring gestiegen und habe noch zwei Kämpfe gemacht“, erzählt Diallo.

Aufgrund der Corona-Pandemie hält sich der inzwischen in Heidelberg wohnhafte Sportler momentan allein fit. Trotzdem führen ihn seine Wege immer wieder nach Marburg zurück. „Marburg ist zu meiner Heimat geworden“, sagt der 24-Jährige. Bei seinen Besuchen trainiert Diallo mit seinem Trainer Leinbach individuell.

Der 24-Jährige Ibrahima Diallo wechselt vom Olympischen Boxen zum Profi-Boxen. Quelle: Michael Hoffsteter

„Ronald ist beim Boxen immer mit Leidenschaft dabei. Er unterstützt alle seine Sportler und ist wie eine Vater-Figur für mich. Anfangs mussten wir uns mit Händen und Füßen verständigen, weil ich die Sprache nicht konnte. Später hat er mir dann bei der Einbürgerung geholfen“, sagt der 24-Jährige, der seit 2014 die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt.

Die Ziele für das kommende Jahr stehen bereits fest: Die Teilnahme an der Junioren-WBC-Weltmeisterschaft. Das wird mein nächster großer Kampf im kommenden Jahr sein – wenn es die Corona-Pandemie zulässt“, sagt der 24-Jährige.

Außerdem kämpft Diallo Ende Januar bei einer Veranstaltung von Firat Arslan, dessen Kampf im türkischen Fernsehen ausgestrahlt wird. „Bis dahin werde ich weiter hart trainieren, um bei den Junioren-Weltmeisterschaften erfolgreich zu sein“, sagt Diallo.

Von Leonie Rink