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Lokalsport Holger Badstuber gibt nicht auf
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11:58 30.01.2021
Holger Badstuber (links) schlägt den Ball 2011 in einem Länderspiel gegen die Niederlande vor Wesley Sneijder. Inzwischen ist der frühere Nationalspieler nicht einmal mehr bei der ersten Mannschaft des VfB Stuttgart gefragt.
Holger Badstuber (links) schlägt den Ball 2011 in einem Länderspiel gegen die Niederlande vor Wesley Sneijder. Inzwischen ist der frühere Nationalspieler nicht einmal mehr bei der ersten Mannschaft des VfB Stuttgart gefragt. Quelle: Jörg Sarbach
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Stuttgart

Im August 2009 das Debüt im Bundesliga-Team des FC Bayern, im Mai 2010 das erste Länderspiel für die deutsche A-Nationalmannschaft, kurz danach die Berufung in den Kader für die Weltmeisterschaft in Südafrika: Holger Badstuber war auf dem Weg nach oben. Viele sahen in ihm einen kommenden Weltklasse-Verteidiger. Und heute? Ist er 31 Jahre alt – und spielt in der Regionalliga. In der Bundesliga-Mannschaft des VfB Stuttgart gibt es keine Verwendung mehr für ihn.

Im August 2020 verkündete VfB-Sportdirektor Sven Mislintat die Degradierung des Routiniers, der in der vorangegangenen Zweitliga-Saison immerhin noch 19 Mal zum Einsatz gekommen war. Man wolle in der Defensive „verstärkt auf andere Spieler setzen“, hieß es, für den „Entwicklungsprozess“ sei es „notwendig und sinnvoll“, die Größe des Kaders zu reduzieren. Badstuber war raus. Verdienste und Leistungen der Vergangenheit spielten keine Rolle mehr.

Leidenszeit begann im Dezember 2012

Immerhin auf 166 Erstliga- und 31 Länderspiele hat es Badstuber gebracht. Bei der WM 2010, die fürs deutsche Team mit Platz 3 endete, bestritt er zwei Partien. Bei der Europameisterschaft zwei Jahre später in Polen und der Ukraine stand er inklusive des Halbfinals, das mit 1:2 gegen Italien verloren ging, in allen fünf Spielen des Teams von Bundestrainer Joachim Löw über die volle Distanz auf dem Platz. Der damals 23-Jährige war gesetzt, auch bei den Bayern – bis zum 1. Dezember 2012: In einem Spiel gegen Borussia Dortmund riss sein Kreuzband, seine Leidenszeit begann. Komplikationen führten dazu, dass er erst im Sommer 2014 auf den Platz zurückkehrte. Im Herbst 2014 und im Frühling 2015 zog er sich Muskelverletzungen im Oberschenkel zu, im Februar 2016 dann einen Bruch des Sprunggelenks.

Er kam immer wieder zurück, doch für die allerhöchsten Ansprüche beim Rekordmeister reichte es nicht mehr. Nach einem halben Jahr bei Schalke 04 schloss er sich im Sommer 2017 dem VfB Stuttgart an, für den er bereits in der Jugend gespielt hatte. 27 Einsätze in der ersten Saison stimmten ihn positiv, ließen ihn darauf hoffen, bei einem anderen, einem größeren Club unterzukommen. Sein Anspruch war die Champions League. Doch Angebote blieben aus. Er unterschrieb einen neuen Vertrag in Stuttgart, war dort aber nur noch unregelmäßig gefragt – bis zur Versetzung ins Regionalliga-Team vor einem knappen halben Jahr.

Vertrag läuft in diesem Jahr aus

Badstuber steht auf dem Platz, wenn er soll, könnte er auch an diesem Samstag (14 Uhr) beim Stuttgarter Gastspiel bei Eintracht Stadtallendorf dabei sein. Beobachter bescheinigen ihm, sich nicht hängen zu lassen, auch in der vierten Liga alles zu geben. „Ich habe Lust mich zu verausgaben und will das Bestmögliche herausholen“, sagte er vor ein paar Wochen. Er will weiter Fußball spielen, will sich für ein Engagement bei einem anderen Club empfehlen, möglichst noch mal in einer höheren Liga. Sein Vertrag in Stuttgart läuft in fünf Monaten aus. Aktuelles Jahresgehalt: dem Vernehmen nach rund 2,5 Millionen Euro – ein Vielfaches des Gesamtbudgets der Stadtallendorfer.

Knappe Niederlagen, hohe Siege

Platz elf, sieben Siege, sieben Niederlagen aus 18 Spielen – und ein Torverhältnis von 35:23. Wenn der VfB Stuttgart II gewinnt, dann meist deutlich: 6:2 gegen Bahlingen, 3:0 bei Hoffenheim II und bei Sonnenhof Großaspach, 8:1 gegen Schott Mainz, 4:1 bei Bayern Alzenau. Und wenn er verliert, dann in der Regel knapp: Nach einem 0:2 zum Auftakt gegen Kassel und einem 0:3 in Homburg gab es Niederlagen ausschließlich mit nur einem Tor Differenz, so auch am vergangenen Sonntag beim 0:1 gegen das physisch starke Team des SSV Ulm. „Dieses intensive, körperbetonte Spiel gegen den Ball, das war auch wieder ein Lernprozess für unsere Mannschaft, da haben wir noch Luft nach oben“, blickt Trainer Frank Fahrenhorst auf die Partie zurück. In Stadtallendorf trifft der frühere Bundesliga-Profi des VfL Bochum, von Werder Bremen und Hannover 96 auf einen ehemaligen Schützling: In der Saison 2018/2019 war er als B-Junioren-Trainer des FC Schalke 04 Coach des heutigen Eintracht-Innenverteidigers Ben-Luca Fisher.

Von Stefan Weisbrod