Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport Hessens Kugeln liegen brach
Sport Lokalsport Lokalsport Hessens Kugeln liegen brach
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:00 30.04.2020
Der Marburger Marcus Müller spielt in der kommenden Saison fürdie KSG Hinterland. Quelle: Tobias Hirsch
Anzeige
Marburg

Die Coronavirus-Pandemie hat nahezu den gesamten Sportbetrieb stillgelegt. Wettkämpfe finden bis auf Weiteres nicht statt. Immerhin können Sportler zumindest individuell trainieren. Die Läufer unter den Leichtathleten haben es dabei besonders leicht, sich fit zu halten. Doch auch die Amateur- und Hobby-Fußballer, -Handballer oder -Basketballer können mit ihrem Wettkampfgerät – dem Fußball, dem Handball oder dem Basketball – trainieren. Im Freien, vor der Haustür oder beispielsweise im Garten.

Was aber machen die Sportkegler? Wie halten sie sich fit – ohne ihr Wettkampfgerät, die Kugel, ohne ihre Kunststoff- oder Holzbahnen? Schließlich sind auch die Kegelanlagen, die sich in der Regel in Bürger-, Dorfgemeinschaftshäusern oder Gaststätten befinden, geschlossen; so auch die im Sportkegelzentrum der SKG 08 Marburg am Pilgrimstein und die der KSG Hinterland im Bürgerhaus Buchenau. Der Trainingsbetrieb ist damit komplett eingestellt. Die Kugeln, egal, ob im hiesigen Landkreis oder beispielsweise in Hadamar, Haiger, Dillenburg, Wetzlar, Reiskirchen, Großen-Buseck, Wißmar, Heuchelheim, Wieseck, Sontra, Fulda, Herfa oder Kassel liegen hessenweit brach.

Anzeige

Ulrich Piechaczek, Sportkegler des Verbandsligisten KSG Hinterland, bringt die Folgen auf den Punkt: „Mit fortschreitender Dauer dieser Einschränkungen wird es uns sehr schwerfallen, wieder zur Normalität zurückzufinden. Verletzungen von Muskeln, Sehnen und Gelenken sind für uns alternde Sportler quasi vorprogrammiert.

Piechaczek, inzwischen B-Senior (Ü 59), hat in seiner langen Sportkegelkarriere viel erlebt. Er spielte einst mit RW Biedenkopf in der 2. Bundesliga und nahm an zahlreichen Deutschen Meisterschaften teil. Er weiß also, wovon er spricht. „Die Einhaltung von Hygienevorgaben – Abstandsregel, Maskenpflicht, etc – wäre für uns Sportkegler ja machbar, so dass ein Training – einzeln beziehungsweise im eingeschränkten Teilnehmerkreis – auch möglich wäre. An eine Sondergenehmigung für uns wage ich aber nicht zu glauben, das würde nur Begehrlichkeiten anderer (Sport-)Vereine wecken. Vielleicht aber könnte ein Anstoß seitens des Sportverbandes dahingehend etwas bewirken“, sagt er.

So aber halten sich die Sportkeglerinnen und Sportkegler individuell fit – jeder auf seine eigene Art. Weltmeisterin Luisa Wagner vom Frauenbundesligisten KSV Wieseck zum Beispiel mit regelmäßigen Kraftübungen, Bauchübungen, Kniebeugen und Ausfallschritten. Ihre Vereinskollegin Conny Gebauer mit Joggen und Fahrradfahren. Sebastian Klöpfel vom KKV Kassel zusätzlich mit Badminton.

Lars Weber vom PTSV Dillenburg achtet darauf, „dass mein Körper wie auch immer regelmäßig in Bewegung bleibt und immer wieder ein wenig belastet wird“. Darüber hinaus greift er zurück auf ein Angebot des KSV Wetzlar: Was Radio-Sender und Fitnessstudios anbieten, dachte sich Jugendtrainerin Bettina Janson, kann der KSV Wetzlar auch. Sie bietet während der Corona-Kontaktsperre jeden Mittwoch ab 17 Uhr via Skype ein Fitness-Programm für die Sportkegler an (siehe auch www.ksv-wetzlar.de).

Marcus Müller wechselt den Verein

Alle hoffen unterdessen auf ein baldiges Ende der Corona-Krise, um wieder zur Kugel greifen zu können, so auch Marcus Müller, einer der besten Sportkegler über die Grenzen des Landkreises hinaus. Der A-Senior spielte seit seiner Jugend für die SKG Marburg, wurde 1999 Hessenmeister im Paarkampf sowie 2014 Hessenmeister im Männer-Einzel und machte zuletzt aus persönlichen Gründen ein Jahr Pause.

„Ein Jahr schöpferische Pause sind genug. Jetzt habe ich wieder richtig Lust auf Kegeln und will ab der kommenden Saison wieder ins Geschehen eingreifen“, sagt Müller. Dann aber nicht mehr für Marburg. Er wechselt zur KSG Hinterland.

Bis es wieder losgeht, wird sich auch Müller anderweitig fithalten. Er, wie alle anderen Sportkeglerinnen und Sportkegler auch, kann bis dahin noch nicht einmal eine ruhige Kugel schieben.

von Michael E. Schmidt

Anzeige