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Lokalsport Eintracht greift nach letztem Strohhalm
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15:52 25.04.2019
Stadtallendorfs Yannick Wolf (links) wird in dieser Hinspielszene von Pascal Pellowski verfolgt. Walldorfs Verteidiger traf beim 4:1- Erfolg seines Teams zur 1:0-Führung. Quelle: Thorsten Richter
Stadtallendorf

Bei „ein paar Prozent“ sieht Eintracht-Trainer Dragan Sicaja die Chancen auf den Regionalliga-Verbleib seines Teams. Man werde zwar am Samstag, 27. April (14 Uhr) beim direkten Konkurrenten Astoria Walldorf versuchen, zu gewinnen. Aber wenn er sehe, dass seine „Jungs“ immer 120 Prozent geben und es trotzdem nicht reichen würde, „dann darf man vor der Realität nicht die Augen verschließen“.

Diese Realität bezeichnet Sicaja gerne und oft als „brutal“. Gegen zwei saarländische Vereine wurde deutlich, was der Coach meint. Sowohl bei der 1:3-Niederlage beim FC Homburg als auch beim 2:6 gegen die SV Elversberg führte der Tabellenvorletzte mit 1:0. Dann traf entweder Torjäger Patrick Dulleck (11 Saisontore) einmal oder Torjäger Koffi (18) gar viermal. „Wir haben nicht gut verteidigt“, veranschaulicht Sicaja anhand des Elversberg-Beispiels. „Das sind Fehler, die sind in unserer Situation tödlich. Der Gegner hat die brutale Qualität, um das auszunutzen.“ So ist das zarte Pflänzchen Hoffnung, das in Stadtallendorf nach sieben Punkten aus drei Spielen zu gedeihen schien, schnell wieder verwelkt.

Toptorjäger ist gesperrt

Immerhin: Die Gefahr, dass der nächste Toptorjäger zum Stadtallendorf-Schreck wird, ist gebannt. Erik Wekesser sah beim beachtlichen 0:0 Walldorfs in Saarbrücken seine ebenfalls beachtliche zehnte Gelbe Karte. Der 14-Tore-Mann, zweimal beim 4:1 in Stadtallendorf erfolgreich, fehlt also gesperrt.

Im Sturm fehlt bei den Gastgebern die Stammkraft, dafür könnte die etatmäßige Innenverteidigung des FC Astoria wieder dabei sein. Tabe Nyenty kehrt nach abgelaufener Sperre definitiv zurück. Hinter Max Müller steht nach seinem Muskelfaserriss im Oberschenkel noch ein Fragezeichen. „Es wird eng“, sagt Trainer Matthias Born. „Wir wollen kein Risiko eingehen.“ Tim Grupp und Pascal Pellowski hätten ihre Sache in Saarbrücken aber ohnehin gut gemacht. Schlechte Nachrichten also für die ohnehin nicht gerade furchteinflößende Eintracht-Offensive.

Vidakovics muss zuschauen

Zu allem Überfluss fehlt den Herrenwäldern hinten der Kapitän und Stabilisator. Kevin Vidakovics, der gegen Elversberg einen rabenschwarzen Tag erwischte, zwei Elfmeter verursachte und mit der Gelb-Roten Karte vom Platz flog, muss ein Spiel zuschauen. Gleiches gilt für Wessam Abdel-Ghani, der aufgrund seiner fünften Gelben Karte eine unfreiwillige Pause einlegen muss.

Sicaja ist also zu Umstellungen gezwungen. „Kevin ist auf Dauer nicht zu ersetzen für uns“, weiß der Trainer. Für ein Spiel werde es aber funktionieren, hofft der Kroate. „Das ist auch die Chance für andere Spieler. Spieler, die frisch sind.“ Erste Alternative ist Perry Ofori, der schon in Elversberg eingewechselt wurde und den Platz von Vidakovics einnahm.

Der 22-Jährige spielte in der Vorsaison noch für den VfB Marburg in der Verbandsliga. „Er hat einen Riesenschritt gemacht, dass er jetzt in der Regionalliga mithalten kann“, lobt Sicaja. Alieu Sawaneh, der in den vergangenen Wochen etwas außen vor war, ist ein weiterer Kandidat für den Posten in der Abwehr. Möglich wäre außerdem, Routinier Daniel Vier aus dem Sturmzentrum nach hinten zu ziehen. Dann würde Felix Nolte in vorderster Reihe beginnen.

„Für die Stadtallendorfer zählt nur ein Sieg, wenn sie noch eine Chance haben wollen“, weiß Born, der einen „sehr gefährlichen“ Gegner auf seine Walldorfer zukommen sieht. Der Astoria-Trainer erwartet „ein Spiel mit offenem Visier. Wir werden alle Hände voll zu tun haben, konzentriert und als Mannschaftsverbund zu verteidigen.“ Ziel sei es, wieder so wenig zuzulassen wie in den vergangenen Spielen.
Gelingt dies, wird es schwer für die Eintracht. Zumal Sicaja kein Geheimnis verrät, wenn er sagt: „Wir tun uns schwer, Tore zu schießen.“

Für den Stadtallendorfer Trainer ist Astoria Walldorf „eigentlich Hoffenheims dritte Mannschaft“. Der Kader besteht aus ambitionierten Spielern, für die der Sprung in den Profibereich aber (noch) nicht geklappt hat. Das Sportzentrum in der SAP-Stadt – mit dem Dietmar-Hopp-Stadion als Austragungsort der Heimspiele – ist für Sicaja „eine komplett andere Welt“. Wobei er das nicht abwertend meint, im Gegenteil. Als „sozial überragend“ bezeichnet Sicaja das Engagement Hopps in Walldorf „Wir machen es mit unseren Mitteln.“ Und es sieht sehr danach aus, als würden die nicht ausreichen, um im Jahr nach der Aufstiegssaison erneut die Klasse zu halten.

von Holger Schmidt