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Lokalsport Henrik Sohn trainiert Fußballerinnen in den USA
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10:58 19.02.2021
Dirigent an der Seitenlinie: Der aus Wetter stammende Henrik Sohn lebt in den USA und trainiert dort die Fußballerinnen der Kansas Wesleyan University.
Dirigent an der Seitenlinie: Der aus Wetter stammende Henrik Sohn lebt in den USA und trainiert dort die Fußballerinnen der Kansas Wesleyan University. Quelle: KWU Athletics
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Salina / Marburg

Irgendwann dauerhaft zurück nach Deutschland? Man soll ja „niemals nie sagen“, antwortet Henrik Sohn, will nichts ausschließen, macht aber auch klar: Pläne in diese Richtung gibt es derzeit keine. „Ich bin mit einer Amerikanerin verheiratet und lebe gern im mittleren Westen. Ich habe einen Job, der mir sehr viel Spaß macht. Ich bin glücklich hier“, sagt der 28-Jährige, der aus Wetter stammt und – mit kurzer Unterbrechung – bereits seit mehr als sieben Jahren in den Vereinigten Staaten lebt.

2013 zog es ihn erstmals in die USA. Nach seinem Abitur an der Marburger Martin-Luther-Schule habe er sich „überlegt, was ich mache, mich mit verschiedenen Möglichkeiten beschäftigt“. Die Perspektive, in Amerika nicht nur studieren, sondern auch Fußball spielen zu können, reizte ihn. Er wagte den Sprung über den Atlantik, ging an die University of Great Falls, spielte fürs Team aus der drittgrößten Stadt Montanas als Torwart, hatte dort schöne und sportlich erfolgreiche Jahre. 2017, zurück in Deutschland, war für ihn klar: Er will zurück in die Staaten.

Sohn zog es nach Kansas

Bereits in Montana hatte er Jugendteams trainiert. Als er ein Jobangebot als Assistenztrainer an der Kansas Wesleyan University (KWU) bekam, nahm er es an. In Salina, einer Stadt mit etwa 50 000 Einwohnern, unterstützte er zunächst die Chefcoaches des Männer- und des Frauenteams, konzentrierte sich im zweiten Jahr komplett auf die Arbeit im Frauenteam, legte damit den Grundstein für seinen heutigen Job. 2019 zog es ihn an die University of South Carolina Beaufort. Wenige Monate später wurde der Cheftrainer-Posten beim Frauenteam in Salina frei, Sohn ging zurück nach Kansas.

Sohn ist an der Universität angestellt. Ein „Nine to Five“-Job ist es nicht, den er ausübt. Oft stehen zwei Trainingseinheiten pro Tag auf dem Programm – die erste morgens um sechs Uhr. Doch der frühere Torhüter des VfB Wetter, des SV Bauerbach und des FV Cölbe ist nicht nur Coach der Fußballerinnen, er ist als Director of Soccer Programs im administrativen Bereich sowohl für die Frauen- wie auch für die Männermannschaft zuständig, kümmert sich etwa um Budgets und Reiseplanungen. „In Deutschland würde man darunter wohl einen Sportdirektor verstehen“, erklärt er.

Zwei Spiele in der Woche

Die Trainerarbeit unterscheide sich von der in europäischen Ländern nicht sehr – jedenfalls, solange es um das Geschehen auf dem Platz geht. „In den USA wird viel trainiert. Auf Schnelligkeit und Physis wird viel Wert gelegt, mehr als in Deutschland“, erläutert der 28-Jährige. Er setzt auf ballbesitzorientierten Fußball: „Wir haben viele technisch gute Spielerinnen, die das Spiel machen können. Das wissen aber auch unsere Gegner, die sich oft hinten reinstellen.“

Nach dem ersten Teil der Saison belegen die „Coyotes“ – so heißen die KWU-Sportteams – den zweiten Tabellenplatz in ihrer Conference mit Mannschaften aus Kansas, Oklahoma und Nebraska, haben gute Chancen auf die Qualifikation fürs National Tournament der National Association of Intercollegiate Athletics (NAIA). „Das ist das Ziel“, macht der Trainer klar. Eigentlich ist die Saison sehr kurz, geht nur von August bis November, finden pro Woche zwei Spiele statt. Corona-bedingt ist das diesmal anders, wurde die Hälfte der Partien in den Frühling verlegt, Anfang März wird wieder gespielt.

Viel Zeit im Büro

Noch mehr Zeit als auf dem Sportplatz verbringt er aber im Büro, ist dort „erster Ansprechpartner“ der mehr als 30 Spielerinnen zwischen 18 und 22 Jahren im Kader, auch wenn es um nicht-sportliche Themen geht. Sohn findet es wichtig, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen – „sonst ist es schwierig, als Team erfolgreich zu sein“. Das „Recruiting“ ist ein weiterer Teil seiner Arbeit, erklärt er: „Man muss jeden Stein umdrehen, um gute Spielerinnen zu finden. Dann geht es darum, sie von unserer Universität zu überzeugen.“ Nicht selten endet sein Arbeitstag erst um zehn Uhr abends. „Wichtig ist“, sagt er, „dass man Freude an dem hat, was man macht.“ Die hat er.

Von Stefan Weisbrod