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Lokalsport Der jüngste Trainer der Verbandsliga
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16:00 30.09.2020
Jung, aber trotzdem eher nicht wie Julian Nagelsmann: Bauerbach-Coach Hendrik Lapp. Quelle: Nadine Weigel
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Bauerbach

Es läuft derzeit für Hendrik Lapp und seinen SV Bauerbach. Sechs Spiele hat das Team aus dem Marburger Stadtteil in der aktuellen Verbandsliga-Saison bislang bestritten, 16 Punkte daraus geholt. „Nein“, sagt der Trainer, „das hätte ich so auch nicht erwartet.“ Er freut sich aber – natürlich – darüber, wenngleich die aktuelle Tabellenführung „nicht mehr als eine Momentaufnahme“ sei. Zumindest aber gibt’s nun schon mal ein fettes Polster nach unten. Denn in den Abstiegskampf wollte der jüngste Chefcoach der Liga mit seiner Mannschaft möglichst erst gar nicht geraten.

Der Vorstand kann sich bestätigt fühlen, mit der Beförderung des inzwischen 29-Jährigen vom Co- zum Cheftrainer alles richtig gemacht zu haben. „Wobei“, betont Vereinschef Edmund Euker, „das nicht anders wäre, wenn wir jetzt etwas weniger Punkte hätten. Es ist die Art und Weise, wie Hendrik mit den Spielern umgeht und wie er ihnen vermittelt, worum es geht.“

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Eher wie Klopp als wie Nagelsmann

Ob er wie Julian Nagelsmann sei, wird Lapp hin und wieder gefragt. „Der Vergleich liegt nahe, wenn man das Alter betrachtet“, antwortet er. Nagelsmann wurde im Februar 2016 bei der TSG Hoffenheim mit 28 Jahren zum jüngsten hauptamtlichen Cheftrainer der Bundesliga-Historie. Vom Typ her, meint Lapp, sei er aber eher wie Jürgen Klopp: „Ich denke, ich habe eine ähnlich gute Bindung zu den Spielern wie er. Es geht um die Mischung, auf dem Platz die nötige Autorität auszustrahlen und abseits des Feldes trotzdem ein Kumpel sein zu können.“ Nagelsmann, so sein empfinden, sei deutlich distanzierter.

Den Spitznamen „Lappo“ – in Anlehnung an „Kloppo“ – bekam er bei der FSG Südkreis verpasst. Bei seinem Heimatverein ist er noch immer spielberechtigt, würde, wenn er gebraucht wird und es terminlich passt, für die zweite Mannschaft auch auflaufen. Für eine eigene Spielerlaufbahn in höheren Klassen – einzelne Einsätze in der Kreisoberliga waren das höchste der Gefühle – reichte sein Talent nicht. Warum? Weiß er selbst nicht genau.

Anfang bei den G-Junioren

So fiel spätestens 2013 mit dem Wechsel in den Jugendbereich des VfB Marburg die Entscheidung, sich aufs Trainerdasein zu fokussieren. Bereits als 15-Jähriger hatte er als Coach im Südkreis-Nachwuchs angefangen; seine damaligen G-Junioren sind inzwischen zu den Senioren aufgerückt. Mit 18 Jahren machte er die Trainer-B-Lizenz. Er betreute Jugendteams der „Schimmelreiter“, parallel zeitweise als Spielertrainer die FSG-Reserve. Sein Ziel war, sich weiterzuentwickeln, im leistungsorientierten Seniorenbereich zu arbeiten. Er kam mit Stefan Frels, seinem Vorgänger beim SVB, ins Gespräch, wurde im Sommer 2018 dessen Co-Trainer.

Hendrik Lapp als Jugendtrainer beim VfB Marburg. Quelle: Nadine Weigel

Er fragte sich selbst, ob sein Alter – damals war er 26, damit jünger als mancher Spieler – eine Rolle spielen würde. Rückblickend sagt er: „Es war kein Problem. Ich habe mir den Respekt erarbeitet.“ Den genießt er auch in neuer Rolle als Chefcoach. Er trifft, das ist aus Mannschaftskreisen zu hören, in Ansprachen den richtigen Ton, schafft es, seine Vorstellungen zu vermitteln. Die Spieler setzen sie um – und, das sieht Lapp derzeit als eine der großen Stärken, sie geben alles füreinander: „Ich denke, es ist eine große Stärke, dass die Mannschaft eine echte Mannschaft ist.“

Profitrainer? „Wäre ein Traum“

Eine, mit der Lapp erfolgreich sein will. Aber er will sich auch persönlich weiterentwickeln – irgendwann zu einem Trainer, der vom Fußball lebt? Er schnauft durch, sagt dann: „Profitrainer zu sein, das wäre schon ein Traum. Aber ich bin sicher auch glücklich, Lehrer zu sein und nebenbei Trainer.“

Von Stefan Weisbrod