Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport Heimische Fanclubs kritisieren Anfeindungen
Sport Lokalsport Lokalsport Heimische Fanclubs kritisieren Anfeindungen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:00 07.03.2020
Ultras des FC Bayern zeigten beim Bundesligaspiel in Hoffenheim ein Banner mit der Aufschrift „Du Hurensohn!“ gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp. Quelle: Foto: Tom Wetter
Anzeige
Marburg

Es waren Szenen, die es so vorher noch nicht gegeben hatte in der Fußball-Bundesliga: Elf Münchner und ebenso viele Hoffenheimer Spieler kicken sich in der Sinsheimer Arena den Ball zu, obwohl noch mehr als zehn Minuten zu spielen. Es ist ein Protest gegen die Ultras des Deutschen Rekordmeisters, die kurz zuvor mit beleidigenden Bannern gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp für einen Eklat gesorgt hatten.

„Von solchen Aktionen der Ultras halte ich überhaupt gar nichts“, sagt Hans-Dieter Pitz zu den umstrittenen Protesten. Pitz steht als Vorsitzender an der Spitze des FC-Bayern-Fanclubs Ohmtal – mit mehr als 700 Mitgliedern der größte Fanclub der Münchner in Hessen. „Man hat den Ultras zu viel Macht gegeben, weil die Stimmung im Stadion machen. Viele unter ihnen sind aber auch Leute, die keine echten Bayern-Fans sind“, sagt Pitz. „Solche Botschaften gehören nicht ins Stadion“, sagt Pitz über die Spruchbänder, auf denen Ultras Beleidigungen wie „Du Hurensohn!“ in Richtung Hopp formulierten. „Wenn einem etwas nicht passt, gibt es immer noch die Möglichkeit, Briefe oder E-Mails zu schreiben“, sagt Pitz.

Anzeige

Kritik an der Kommerzialisierung

Doch genau das wollten die Fangruppierungen „Schickeria“ und „Red Fanatic“ nicht. Beide gelten als Urheber der Transparente. Der gegen Hopp gerichtete Wortlaut ihrer Spruchbänder sei nur gewählt worden, weil Dortmunder Ultras für eben diesen bestraft worden seien, sagte ein Schickeria-Mitglied der „Süddeutschen Zeitung“. Außerdem übte es Kritik am Deutschen Fußball-Bund. Führe man mit dem DFB sachliche Diskussionen, dann „verhungert man am ausgestreckten Arm“.

Wie Pitz lehnt Ralf Löwer die Artikulation der Proteste ab. Löwer ist Vorsitzender des 25 Mitglieder starken und im Raum Wetter und Lahntal beheimateten Borussia-Mönchengladbach-Fanclubs „Alte Fohlen“. Vorvergangene Woche hatte es im Borussia Park Anfeindungen gegen Hopp gegeben. „Wir distanzieren uns davon ausdrücklich“, sagt Löwer.

Die Kritik an der Kommerzialisierung des Fußballs mit der Person Hopp zu personalisieren, hält Löwer ohnehin für fadenscheinig, denn: „Ohne das große Geld geht es nicht“, meint er, „und in Deutschland sind wir da im Vergleich zum Ausland sogar noch weit hinten dran.“ Zudem erinnert Löwer daran, dass Hopp ein Vorbild in Sachen soziales Engagement sei.

Fehlende Gleichmäßigkeit im Handeln

Auch Volker Paffrath, Geschäftsführer des Fanclubs „BVB-Express Oberhessen 1995 Stadtallendorf“, findet es „nicht lustig, Menschen hinter Fadenkreuzen abzubilden“ – so wie auf einigen Plakaten der Ultras geschehen. Unter anderem von Fans von Borussia Dortmund, die seit Jahren im Clinch mit dem Hoffenheim-Mäzen sind. Doch bei aller Kritik an den Protesten der Ultras bemängelt Paffrath fehlende Gleichmäßigkeit im Handeln bei der Entscheidung, ob Spiele unterbrochen werden müssen. „Auch bei Sexismus, Rassismus und Affenlauten muss man reagieren“, fordert Paffrath.

Bei der Frage, ob Spielabbrüche ein probates Mittel sind, mit Störern umzugehen, herrscht Skepsis: „Ich bin mir nicht sicher, ob das die Fan-szene nur mehr verärgern würde“, sagt Paffrath. Strafen individualisieren – dies könnte sich Pitz vorstellen: „Fans, die hetzen, sollte man mit einem lebenslangen Stadionverbot belegen. Das wäre ein klares Signal an andere.“ „Die Blocks räumen lassen“ bringt Löwer als eine weitere Möglichkeit ins Spiel, wenn den Unruhestiftern nicht anders beizukommen sei.

Ein weiteres Mittel: Zeichen setzen. Am 1. August (16 Uhr) spielt Gladbachs Traditionsteam, die Weisweiler-Elf, zum 100-jährigen Bestehen des FV Sarnau, der zur SG Lahnfels gehört, deren Vorsitzender wiederum Löwer ist, in Sarnau. Bereits am 11 Uhr soll an diesem Tag ein Fanclub-Turnier stattfinden. „Je nachdem, wie sich das Thema bis dahin entwickelt, kann es durchaus sein, dass wir es an diesem Tag miteinbauen“, lässt Löwer durchblicken.

Von Marcello Di Cicco

07.03.2020
06.03.2020
Anzeige