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Lokalsport Des einen Freud, des anderen Leid
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18:55 27.04.2020
Matheo Türke von der MSG Kirchhain/Neustadt (links) kommt gegen HSG Mörlens Max Breitenfelder zum Wurf. Quelle: Jens Schmidt
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Marburg

Bereits am 12. März hat der Hessische Handball-Verband den Spielbetrieb aufgrund der Coronavirus-Pandemie offiziell beendet. Der HHV war damit einer der ersten Sportfachverbände, der diesen Schritt ging. Nun hat der Verband festgelegt, wie die Abschlusstabellen erstellt werden – und sich dabei an einem Entscheid der Bundesliga der Männer orientiert. Dabei handelt es sich um die sogenannte Quotientenregelung – ein einheitliches Verfahren, „das für alle Erwachsenen- und Jugendklassen im Bereich des DHB (Deutschen Handball-Bundes, Anmerkung der Redaktion) anzuwenden ist“, heißt es in der Pressemitteilung des HHV.

Auf Grundlage der Tabellenstände vom 12. März werden die Pluspunkte einer Mannschaft durch die Anzahl der absolvierten Spiele geteilt und dann mit 100 multipliziert. Sofern zwei oder mehr Teams auf denselben Quotienten kommen, wird der Tabellenstand nach einem abgestuften Verfahren ermittelt:

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  • Direkter Vergleich (sofern alle Teams mit demselben Quotienten gegeneinander gespielt haben).
  • Geht dies nicht, wird die Tordifferenz durch die Anzahl der Spiele geteilt.
  • Ist auch dies nicht möglich, wird die Anzahl der erzielten Tore durch die Spiele geteilt.
  • Herrscht auch hier Gleichheit, werden unter den beteiligten Mannschaften nur alle untereinander ausgetragenen Spiele gemäß Paragraf 43 der Spielordnung herangezogen.
  • In allen anderen Fällen entscheidet das Präsidium beziehungsweise der Bezirksspielausschuss nach Anhörung des jeweiligen Arbeitskreises Spieltechnik.

Im offiziellen Ergebnisdienst des HHV („Nu-System“) sind bislang „die ursächlichen Tabellen einschließlich der Punktabzüge wegen fehlender Schiedsrichter eingestellt“, teilt der HHV auf OP-Anfrage mit. „Die abschließenden Tabellen nach Quotientenberechnung werden nicht vor Ende des Monats erstellt sein“, heißt es weiter. Die Abschlusstabellen werden zunächst „den betroffenen Vereinen“ übermittelt, heißt es in der HHV-Pressemitteilung. Danach haben die Klubs 14 Tage Zeit, Einsprüche an das zuständige Sportgericht zu richten.

Einwurf: Von Verlierern, die keine sind

Es ist ein Satz, den man oft hört, wenn man dieser Tage mit Sportlern, Trainern oder Verantwortlichen spricht. Er lautet sinngemäß: „Eine gerechte Lösung für alle gibt es nicht.“ Auf den Punkt wird damit gebracht, dass es bei einem Saisonabbruch aufgrund der Coronavirus-Pandemie nicht nur Profiteure gibt, weil sie trotz nicht beendigter Saison aufsteigen, sondern auch Mannschaften, die die Krise sportlich hart trifft, weil sie sich im Saison-Endspurt noch Chancen auf den Aufstieg ausgerechnet hatten. Manche von ihnen fühlen sich um den Lohn ihrer Arbeit gebracht, einige gar betrogen – andere nehmen es ganz im Sinne des sportlichen Fairplay. So auch die Handballerinnen der HSG Marburg/Cappel. Sie wollten eigentlich nur die Klasse halten, waren zwischenzeitlich – jedoch zum „falschen Zeitpunkt“ – sogar Erster und haben nun alle Chancen auf die Aufstiegsrelegation verloren. Bitter! Ob man nun Anhänger von Teams wie der HSG ist oder nicht – ein gewisser Sympathiebonus für die kommende Runde gehört ihnen schon jetzt, stehen sie doch für die wahren Werte des Sports.

von Marcello di Cicco

Bereits zuvor war entschieden worden, dass es in dieser Saison keine sportlichen Absteiger geben wird, der Direktaufstieg der Tabellenersten beziehungsweise Aufstiegsberechtigten aber gewährleistet ist. Ein Aufstieg über die Relegation ist indes nicht möglich. „Gewinner“ und „Verlierer“ dieser Entscheidungen gibt es auch im Kreis Marburg-Biedenkopf.

Die Männer der MSG Kirchhain/Neustadt III etwa steigen als Tabellenführer der Bezirksliga D-Nord in die Bezirksliga C auf. Die „Erste“ der Ostkreisler befand sich zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs als Tabellenvorletzter zwar auf keinem Abstiegsplatz in der Männer-Bezirksoberliga, die Gefahr „runter“ zu gehen, bestand allerdings. „Uns wäre es selbstverständlich lieber gewesen, die Runde auf sportlichem Weg zu Ende zu bringen“, sagt MSG-Trainer Benedikt Blattner, „wenn es aber keine sportliche Entscheidung geben kann, finde ich diese Entscheidung des Verbandes richtig.“

HSG Marburg/Cappel hatte Aufstiegsrelegation im Visier

Auf Verständnis stößt die Verbandsentscheidung auch bei der HSG Marburg/Cappel – auch wenn die Frauen des Vereins in der Bezirksoberliga trotz massiver personeller Umbrüche vor der Saison in der Spitzengruppe mitspielten und sich als Tabellendritter noch berechtigte Hoffnungen auf das Erreichen von Aufstiegsrelegationsplatz zwei gemacht haben. Als Zweiter hätte das Team gegen den Zweiten der Bezirksoberliga Wiesbaden/Frankfurt um den Klassensprung gespielt. „Insofern ist es schade, zumal Platz zwei absolut drin gewesen wäre“, meint HSG-Coach Henning Dippel, „denn von den ersten drei Mannschaften hatten wir eines der leichtesten Restprogramme.“ Dennoch ist Dippel mit der Runde „total zufrieden“.

Die zwei Männer-, zwei Frauen- und acht Jugendmannschaften der HSG Hinterland trifft der Verbandsentscheid „weder positiv noch negativ“, sagt HSG-Sprecher Wolfgang Hof, „weil wir in keiner Liga auf einem Auf- oder Abstiegsplatz standen“.
Bei der Spielgemeinschaft des TV Buchenau, TV Gladenbach und TV Biedenkopf heißt es bereits: hoffen – und zwar darauf, dass die nächste Saison regulär im Spätsommer beginnen kann. „Bei uns ist es nicht so, dass Tausende Leute in der Halle sind. Selbst wenn das Tragen von Masken nötig wäre, wäre es okay – Hauptsache der Spielbetrieb geht weiter“, sagt Hof. Ein Wunsch, den Blattner und Dippel teilen, wobei Marburg/Cappels Übungsleiter befürchtet: „Als Kontaktsportart stehen wir bei schrittweisen Lockerungen wohl eher hinten an."

von Marcello di Cicco

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