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Lokalsport Die Sporthalle wird zum Hexenkessel
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17:47 25.06.2019
Jeweils zwei Mannschaften der Brüder-Grimm-Schule und der Erich-Kästner-Schule traten in ­einem Turnier gegeneinander an. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

In der Conrad-Hahn-Halle „Am Köppel“ ging beim 1. Handball-Turnier der Marburger Grundschulen sicht- und hörbar was ab.

Die Zuschauer­ auf den vollbesetzten Rängen der Halle erzeugten einen ohrenbetäubenden Lärm wie bei einem wichtigen Bundesligaspiel – und tatsächlich hatten viele von ihnen „Klatschpappen“ mit der Aufschrift des Bundesligisten „HSG Wetzlar“ zur Hand, um noch weitere akustische Reize zu setzen.

Auf dem Feld standen indes keine Profi-Handballer, sondern Dritt- und Viertklässler der Brüder-Grimm-Schule und der Erich-Kästner-Schule, die in den jeweiligen Handball-AGs der beiden Grundschulen dem schnellen Hallensport frönen.

Begeisterung auf Top-Niveau

Beim ersten Grundschulturnier im Handball zeigten die jungen Eleven, was sie bisher gelernt haben. Und dies war schon überaus sehenswert: Dribbeln, passen, werfen, schöne Spielzüge und umjubelte erfolgreiche Torwürfe wurden auf dem Parkett vorgeführt. Lag der Ball im Netz, schwoll der Beifall noch einmal deutlich an – ebenso wie bei gelungenen Paraden der Torhüter. Die Begeisterung und das Engagement, das die Spieler der insgesamt vier Mannschaften – jeweils zwei von jeder Schule – an den Tag legten, hatte auf jeden Fall schon Top-Niveau.

Und es war erstaunlich, dass der Schiedsrichter Justus Thelen in diesem „Hexenkessel“ Gelassenheit und Übersicht behielt. Gleiches galt auch für die „AG-Leiter“ Henning Dippel und Martin Carle von der HSG Marburg/Cappel, die die AGs jeweils an der Brüder-Grimm-Schule und der Erich-Kästner-Schule leiten.

Hallenzeiten ermöglichen Schul-AG

„Die Arbeit in der AG macht Spaß, und es ist schön, eine Entwicklung zu sehen. Beim Turnier wurden wenige technische Fehler begangen. Die Erfahrung in der AG und bei diesem Turnier sind eine große Motivation weiterzumachen“, sagte Dippel. Er ist Spieler und Trainer bei der HSG Marburg/Cappel und hat die Kooperation des Vereins mit den Grundschulen vor drei Jahren angestoßen, als sein Sohn dort eingeschult wurde.

Bei der Brüder-Grimm-Schule,­ die sich wie die Erich-Kästner-Schule­ in den vergangenen Jahren quasi zu einer Ganztagsschule mit nachmittäglichen Betreuungsangebot entwickelt hat, stieß Dippel mit seinem Angebot ebenso auf offene Ohren wie beim Fachdienst Sport der Stadt Marburg, der die Einrichtung von AGs nach besten Kräften unterstützt. Martin Carle – ebenfalls „Urgestein“ bei der HSG – hatte schon seit längerem für die Erich-Kästner-Schule Gleiches vor. Die schmalen Hallenkapazitäten verhinderten dies zunächst, doch seit diesem Schuljahr war es endlich soweit und die Handball-AG konnte endlich beginnen.

„Kinder sollen Lust am Sport gewinnen“

Und der Zuspruch bei den Grundschülern für das Bewegungsangebot ist in beiden Schulen groß. „Die neue AG wird sehr gut angenommen“, sagte Carle, der wie Dippel zunächst die Grundlagen der Sportart wie Passen, Fangen, Werfen, Prellen und die Regeln vermitteln möchte – und dies auf „spielerische“ Art und Weise. „Die Kinder sollen Lust am Sport gewinnen, daher sind die Übungen immer in Spiele ‚eingepackt‘. Und die Kinder sollen nicht so viel stehen, daher sind Übungen in Stationen sinnvoll“, sagte Carle.

Handball trainiert die Koordination und das Raumgefühl, zudem fördert es vielfältige Arten der Bewegung. Dabei kann es durchaus zu positiven Nebeneffekten kommen: „Bei den Bundesjugendspielen kann man eventuell dann bessere Ergebnisse beim Laufen und Schlagballwurf erwarten“, sagte Dippel.

Schulleiterin sieht Win-win-Situation

Als Handballenthusiasten möchten Dippel und Carle bei den Kindern das Interesse für ihre Sportart wecken, wünschenswert ist es für sie als Vertreter der HSG Marburg/Cappel, dass die Kinder im Verein in ihrer Entwicklung dann weitergeführt werden.

Als „Win-win-Situation“ für Schule und Verein bezeichnet Astrid Schiller, die Schulleiterin der beim Turnier gastgebenden Erich-Kästner-Schule, die Handball-AG in Kooperation mit der HSG. „In einer Ganztagsschule sind die Kinder ja in der Schule und nicht in den Vereinen.“ Einen positiven Effekt für die Vereinsarbeit gibt es indes dennoch, da ein „ordentlicher Anteil“ der Kinder der AG, wie Dippel sagt, mittlerweile auch im Verein spielt.

Neuauflage im nächsten Jahr im Blick

Schulleiterin Schiller, die inmitten ihrer Schüler das Turniergeschehen verfolgte, war auf jeden Fall begeistert: „Auch dass Mädchen und Jungen zusammen in einer Mannschaft spielen, finde ich toll.“ Und selbst ihre eigenen „Zuschauergewohnheiten“ änderten sich in letzter Zeit: „Inzwischen schaue ich mir Handball oder Basketball lieber an, als Fußball. Die Spiele sind schneller und spannender, auch die vielen Tore machen die Sportarten attraktiv.“

Dippel und Carle freuten sich über die gelungene Premiere des Handballturniers der Marburger Grundschulen und planen nach dem erfolgreichen Verlauf eine Fortsetzung im nächsten Jahr. „Es wäre schön, wenn dann noch weitere Schulen mit dabei sind“, sagten sie.

von Michael Seehusen