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Lokalsport Als Ehepaar zu den Paralympics in Tokio
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11:54 05.08.2020
Sportliches Ehepaar Amanda und Michael Dennis. 2021 wollen beide bei den Paralympics in Tokio Medaillen gewinnen. Quelle: Privatfoto
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Marburg

Sie haben einen gemeinsamen Traum: paralympisches Gold. Amanda Dennis gehört mit dem Goalball-Nationalteam der Vereinigten Staaten zur Weltspitze, ihr Mann Michael strebt mit der deutschen Nationalmannschaft ganz nach oben. Der 27-Jährige, der lange in Marburg gelebt und mit der SSG Blista nationale Titel errungen hat, und seine ein Jahr jüngere Partnerin haben sich vor rund zwei Wochen das Ja-Wort gegeben – etwas früher als ursprünglich vorgesehen.

Eigentlich sah der Plan etwas anders aus: erst die Paralympics ab Ende August in Tokio, dann die Hochzeit. Die Corona-Pandemie kam, die Spiele in Japan wurden aufs nächste Jahr verlegt. Die Trauung in Michaels Geburtsstadt Düren wurde um ein paar Monate vorgezogen. „Gibt schlimmeres“, sagt er mit einem Schmunzeln.

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Schlimmer wäre für ihn, ganz klar, wenn die Paralympics aufgrund der Corona-Krise auch im nächsten Jahr nicht ausgetragen werden könnten. „Wir müssen uns nichts vormachen, das kann passieren.“ Er versucht es auszublenden, geht davon aus, dass im Spätsommer 2021 um Medaillen gespielt wird. „Ich kann das ganz gut. Meiner Frau fällt es schwerer“, berichtet er. „Wir trainieren hart. Wenn man dauernd im Kopf hat, dass die Arbeit umsonst sein könnte, dann kann das lähmen.“ Einige Stunden pro Tag investieren beide in ihren Sport. „Wir müssen uns schinden, wenn wir auf höchstem Niveau spielen wollen“, macht Michael Dennis deutlich.

Ansprüche des deutschen Teams sind gestiegen

Bekannt ist der Goalballer, der viele Jahre in Marburg gelebt hat, unter seinem Geburtsnamen Feistle. Nicht nur mit dem Team der Blindenstudienanstalt, auch mit der Nationalmannschaft hat er in den vergangenen Jahren einiges erreicht.

Als er 2012 Nationalspieler wurde, war die Weltspitze weit entfernt. 2016 qualifizierte sich das deutsche Team dann gerade so für die Paralympischen Spiele in Rio de Janeiro. „Da war es toll, überhaupt dabei zu sein“, blickt er zurück. Inzwischen sind die Ansprüche höher, nachdem 2018 bei der Weltmeisterschaft in Schweden Silber heraussprang und 2019 die Heim-Europameisterschaft in Rostock gewonnen wurde.

Das Ziel einer Medaille hatte er bereits vor einigen Monaten formuliert. „Wir haben im Team darüber noch mal gesprochen. Wir wollen mehr, wir wollen die Dominanz der Brasilianer brechen und Gold holen.“ Ein forsches Ziel, sind die Südamerikaner in den vergangenen Jahren kaum zu besiegen gewesen, auch im WM-Finale vor zwei Jahren setzten sie sich mit 8:3 durch. Sollte es dann „nur“ Silber oder Bronze werden, wäre „vermutlich im ersten Moment etwas Enttäuschung da“, meint Michael Dennis. Wahrscheinlich würde sie schnell verfliegen.

US-Frauen holten 2016 in Rio die Bronzemedaille

Bereits 2011 lernten sich Amanda und Michael kennen. Bei der WM 2018 in Malmö trafen sie sich wieder, der Kontakt wurde intensiver, sie wurden schließlich ein Paar, besuchten sich gegenseitig in den USA und in Marburg. Vor rund zwei Monaten bezogen sie eine gemeinsame Wohnung in Berlin, haben sich dort gut eingelebt. Und sie nutzen die Trainingsmöglichkeiten, die ihnen die Hauptstadt bietet.

Wie ihr Mann will auch Amanda Dennis mit ihrem Team in Tokio aufs Paralympics-Podium – wie bereits vor vier Jahren: In Rio gewann sie mit der US-Mannschaft Bronze. 2014 holten die Amerikanerinnen WM-Gold. Sie ist ihrem Gatten damit bei den sportlichen Erfolgen etwas voraus, was den „noch ein bisschen zusätzlich motiviert“, wie er sagt. Vielleicht herrscht in gut einem Jahr Gleichstand – wenn es um paralympische Goldmedaillen geht ...

Goalball

Es ist die weltweit beliebteste Sportartfür Menschen mit Sehbehinderungen. Beim Goalball stehen sich zwei Teams mit je drei Spielern, die lichtundurchlässige Masken tragen, auf einem 18 Meter langen und 9 Meter breiten Feld gegenüber. Die 1,3 Meter hohen Tore reichen über die gesamte Breite. Ziel der angreifenden Mannschaft ist es, einen Klingelball flach so zu werfen, dass er im gegnerischen Tor landet – das verteidigende Team will dies verhindern, indem sich die Spieler in den Weg des Balls legen. Die Regelspielzeit beträgt 24 Minuten, aufgeteilt auf zwei Halbzeiten, wobei Begegnungen auch früher enden können: Führt ein Team mit 10 Toren Abstand, ist sofort Schluss.

Von Stefan Weisbrod