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Lokalsport Michael Dennis’ Medaillentraum lebt
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11:40 02.03.2021
Michael Dennis (vorn; dahinter Felix Rogge) bei einer Abwehraktion. Mit dem deutschen Nationalteam will der 28-Jährige in Tokio Paralympics-Gold holen.
Michael Dennis (vorn; dahinter Felix Rogge) bei einer Abwehraktion. Mit dem deutschen Nationalteam will der 28-Jährige in Tokio Paralympics-Gold holen. Quelle: Johannes Weber
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Marburg

Finden die Olympischen Spiele und damit auch die Paralympics im Sommer statt? Michael Dennis ist davon überzeugt, dass er Ende August und Anfang September in Tokio um paralympisches Edelmetall spielen wird – und geht dafür bewusst ein gesundheitliches Risiko ein.

Der Goalballer, die viele Jahre in Marburg gelebt hat, an der Carl-Strehl-Schule sein Abitur machte, Vorsitzender und vor allem aktiver Spieler der SSG Blista war, hat ein klares Ziel: Er will mit der deutschen Nationalmannschaft eine paralympische Medaille gewinnen – nicht nur irgendeine: „Gold ist das Ziel“, sagt er, sagte er bereits vor knapp einem Jahr.

Schon damals, im Frühjahr 2020, stellte sich die gleiche Frage: Können die Spiele ausgetragen werden? Letztlich wurden sie um ein Jahr verlegt. Doch die Corona-Pandemie ist längst nicht überwunden, wird auch in einem halben Jahr noch nicht vollends überwunden sein. Doch keiner kann in Anbetracht von Mutationen, Impfstoffmangel und anderen beeinflussbaren und unbeeinflussbaren Faktoren genau sagen, wie die Situation dann in Deutschland, in Japan, in anderen Ländern sein wird.

Sorge, dass Spiele abgesagt werden könnten, hat er nicht

Hat er Sorge, dass es letztlich zu einer Absage kommen könnte? „Nein, habe ich im Moment nicht“, antwortet er. Er sei aktuell „recht entspannt“, gehe „fest davon aus“, dass im Sommer – zunächst bei den Olympischen (23. Juli bis 8. August) und dann bei den Paralympischen Spielen (24. August bis 5. September) – um Medaillen gekämpft wird, macht das nicht zuletzt an den bei einer Absage entstehenden finanziellen Verlusten fürs Internationale Olympische Komitee (IOC), Internationales Paralympisches Komitee (IPC) und für Japan als Ausrichterland fest: „Sonst sagt man ja oft, dass es nicht gut ist, wenn es im Sport um viel Geld geht. In dem Fall ist es aber gut, denn die Verbände und die japanische Regierung können es sich eigentlich gar nicht leisten, abzusagen.“

Also arbeitet der 28-Jährige so gut es geht auf das paralympische Turnier hin, lässt sich von einer alten Knieverletzung nicht bremsen. Eine Operation hat in den Herbst verschoben – auch auf die Gefahr hin, dass deshalb im Alter ein künstliches Kniegelenk nötig werden könnte. Als Bundeskader-Athlet darf er in Berlin, wo er mit seiner Frau Amanda seit vergangenem Jahr lebt, den Olympiastützpunkt nutzen, trainiert dort individuell. Wenn möglich, treffen sich die deutschen Nationalspieler zu Trainingslagern, etwa in Kienbaum in Brandenburg oder – das nächste Mal kommende Woche – in der Sportschule in Frankfurt. Es geht darum, sich so gut einzuspielen, wie es möglich ist. „Wettkampfmäßig haben wir zuletzt Ende 2019 gespielt. Das ist natürlich alles andere als ideal“, sagt er, hofft, dass im Juli sowohl in der Bundesliga als auch auf internationaler Ebene Turniere ausgetragen werden können.

Auch seine Frau Amanda will in Tokio um Gold mitspielen

2016 in Rio de Janeiro waren Dennis, der damals noch Feistle hieß, und das deutsche Team dabei – damals war die Teilnahme an großer Erfolg, der Einzug ins Viertelfinale ein noch größerer. Seitdem holte die Mannschaft 2018 WM-Silber und 2019 den EM-Titel, ist in der absoluten Weltspitze angekommen. In Tokio ohne Medaille zu bleiben, wäre eine herbe Enttäuschung, macht Dennis deutlich. Er weiß, dass die Spiele – wenn sie stattfinden – anders sein werden als in Brasilien: „Ich werde sicherlich was vermissen, vor allem die Atmosphäre. Aber, ganz ehrlich, ich will mit unserem Team lieber in einer leeren Halle Gold holen als vor 10 000 Zuschauern im Viertelfinale rauszufliegen.“

Michael Dennis’ Frau Amanda ist ihm, was paralympische Medaillen angeht, bereits ein Stück voraus: Mit dem US-Team gewann sie in Rio Bronze. In Tokio wollen die Amerikanerinnen ebenfalls ganz oben aufs Podest steigen. Es könnte ein goldener Sommer für die Familie Dennis werden.

Von Stefan Weisbrod