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Lokalsport "Gino hat eine Siegermentalität"
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12:00 10.09.2019
Stadtallendorfs neue Nummer 13: Gino Parson. Der Routinier hat sich kurz vor dem Ende der Transferperiode der Eintracht angeschlossen. Quelle: Marcello Di Cicco
Stadtallendorf

Mirko Votava hat es getan. Manfred Burgsmüller hat es getan. Und Claudio Pizarro tut es noch immer. Sie alle gehören zu jenen Feldspielern, die auch jenseits der 40-Jahre-Marke noch zu Einsätzen in der Bundesliga kamen. Rekordhalter im deutschen Fußball-Oberhaus ist Klaus Fichtel, der sogar 43 Lenze zählte, als er ein letztes Mal für den FC Schalke in der höchsten deutschen Spielklasse auflief.

Gino Parson gehört seit diesem Jahr ebenfalls zum Club der 40er, ein Problem hat der gebürtige Waldtaler damit allerdings nicht. „Ich kann mich anpassen und denke ohnehin eher wie ein 25-Jähriger“, sagt Parson, der kurz vor dem Ende der Transferperiode zum TSV Eintracht Stadtallendorf wechselte.

Nach seinem Engagement als Spielertrainer des FC Gießen II bis Ende vergangener Saison hielt sich Parson beim Verbandsligisten Sportfreunde Blau-Gelb Marburg fit, die gute Bekanntschaft zu deren Trainer Manuel Rasiejewski machte es möglich. Zu einem Wechsel kam es letztlich jedoch nicht.

„Irgendwann kam ein Anruf von Fejz (Hodaj, Stadtallendorfs Sportlicher Leiter, Anmerkung der Redaktion)“, erzählt Parson, der Hodaj ebenfalls gut kennt – genau wie Co-Trainer Daniel Vier, dessen Trauzeuge und bester Freund Parson ist. Es folgte eine Einladung zum Probetraining. Seit zwei Wochen trainiert der 40-Jährige nun bei den Herrenwäldern mit. „Ich wurde sehr herzlich aufgenommen. Die Mannschaft hat einen super Charakter“, zeigt sich Parson beeindruckt.

280 Ober- und Hessenliga-Partien

Trainerteam und Sportliche Leitung soll Parson „auch als weiterer Scout ergänzen“, wie der Verein jüngst mitteilte. „Eine klare Aufgabenverteilung gibt es aber noch nicht“, betont Parson, „das muss sich alles erst finden“. Der TSV Eintracht erhofft sich, dass gerade die vielen jungen Kicker von der Erfahrung des flexibel einsetzbaren Mittelfeldspielers profitieren.

Auf 280 Ober- und Hessenliga-Partien kommt Parson – unter anderem für den VfB Marburg, für den er von 2001 bis 2004 die Schuhe schnürte. „Das war eine schöne Zeit, in der ich mit vielen tollen Fußballern zusammenspielen durfte“, erinnert sich Parson.

Seine ersten fußballerischen Schritte machte er allerdings in Rödgen, nur unweit des Gießener Eulenkopfes, wo er aufwuchs. Ab der D-Jugend ging es zum VfB Gießen, bei dem er erstmals auf Stefan Hassler traf. Parson nennt den Ex-Trainer der Stadtallendorfer gerne seinen „Ziehvater“, die Wege beider kreuzten sich in den kommenden Jahren noch weitere Male.

Vor allem im Gießener Raum machte sich Parson, der verheiratet ist und zwei Söhne hat, die beim VfB Gießen Fußball spielen, einen Namen: ob beim VfB Gießen, SC Teutonia Watzenborn-Steinberg, FSV Fernwald oder SC Waldgirmes, mit dem er 2009 Hessenliga-Meister wurde.

"Ich bin Realist und weiß, was die Mannschaft kann"

„Der Fußball hat mir viele Türen geöffnet – beruflich, aber auch auf sozialer Ebene“, reflektiert Parson, der als Objektleiter in einem Lindener Planungsbüro arbeitet und mit seiner Familie in Lindenstruth bei Reiskirchen lebt. In den Fußball-Ruhestand will Parson noch nicht gehen. Für ein Jahr hat er beim TSV unterschrieben, kam bereits beim 7:1 im Kreispokal gegen die SG Ebsdorfergrund zum Einsatz.

„Ich will helfen, bin aber kein 20-Jähriger, der sagt: ‚Ich muss jedes Mal spielen.‘ Ich bin Realist und weiß, was die Mannschaft kann. Der Reiz besteht für mich darin, noch mal zu kicken – in einer guten Mannschaft mit Zielen.“ Als „sehr ehrgeizig“, mit „hohem Anspruch“ ausgestattet und schlechten Verlierer bezeichnet sich Parson, der penibel auf seine Ernährung und seinen Körper achtet. Einstellungen, die Stadtallendorfs Trainer Dragan Sicaja gefallen.

„Gino hat eine Siegermentalität. Er will immer mehr, mehr, mehr und kann die Jungs sicher in ihrer Leistung kitzeln“, meint der TSV-Trainer – und ist sich sicher: „Es wird noch Momente geben, in denen wir froh sein werden, Gino zu haben. Es ist gut, einen so erfahrenen Spieler ins Spiel bringen zu können.“ Angst, mit den Jungspunden im Team nicht mithalten zu können, hat Pason nicht. „Ich kam ohnehin nie über meine Schnelligkeit“, sagt er und lacht.

Insbesondere für die Pokalspiele hat Sicaja den 40-Jährigen schon fest auf seinem Zettel. Bei entsprechender Fitness sei Parson auch eine Option in der Hessenliga. Mit seinem ersten Einsatz dort im TSV-Trikot würde er gleichzeitig in die Spitzengruppe der ältesten in der Hessenliga eingesetzten Feldspieler rücken. Derzeit führt Murat Fil jene Liste laut dem renommierten Internetportal „transfermarkt.de“ an. Fil war 41 Jahre, neun Monate und zehn Tage alt, als er in der Saison 2015/16 für die SpVgg Oberrad auflief.

von Marcello Di Cicco