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Lokalsport GFL plant Saison mit insgesamt 14 Teams
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16:58 08.01.2021
Im Vorjahr fiel die Football-Saison komplett aus, 2019 erreichten die Mercenaries um Jakeb Sullivan (hier im Spiel gegen Kirchdorf) die Playoffs. Ab Juni soll in der GFL wieder gespielt werden.
Im Vorjahr fiel die Football-Saison komplett aus, 2019 erreichten die Mercenaries um Jakeb Sullivan (hier im Spiel gegen Kirchdorf) die Playoffs. Ab Juni soll in der GFL wieder gespielt werden. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Die ersten Planungen sind Corona-bedingt bereits geändert worden. Eigentlich hätten die Marburg Mercenaries gern kommende Woche auf dem Rasen die Vorbereitung auf die neue Saison in der German Football League (GFL) gestartet. „Wenn es in der Schule weitergeht“, schildert Präsident Carsten Dalkowski die Überlegungen, „wollten wir auch loslegen“. Einen mehr oder weniger normalen Schulbetrieb wird es nun vorerst nicht geben – und auch kein klassisches Training der Footballer. Dabei dürften sie wohl sogar, da die GFL als Profiliga gilt. „Aber erst mal soll es nur Zoom-Meetings geben“, erklärt der Clubboss. Bedeutet: Trainer und Spieler kommen nur virtuell zusammen.

„Alle sind heiß darauf, dass sie ihren Sport wieder ausüben können“, berichtet Dalkowski, der mit dem Stand der Planungen in seinem Verein zufrieden ist: „Der Kader ist noch nicht komplett, aber wir sind zum jetzigen Zeitpunkt gut aufgestellt.“ Das Trainerteam um Chefcoach Joe Tricario steht, auch die wichtigste Position auf dem Platz ist besetzt: Sonny Weishaupt soll die Mercenaries als Quarterback anführen. Der 28-Jährige stand bereits 2012 und 2013 in Marburg unter Vertrag, damals als Backup – jetzt ist der Nationalspieler, der bei den Grenoble Centaures in Frankreich und bei Frankfurt Universe Erfahrung sammelte und 2019 als zweiter Mann auf seiner Position mit den Braunschweig Lions Meister wurde, als Starter vorgesehen. Er hätte diese Rolle nach seiner Rückkehr an die Lahn bereits in der letztlich abgesagten Saison 2020 einnehmen sollen.

Deutsche Topspieler sind jetzt noch begehrter

Weishaupt bleibt den „Söldnern“ treu, obwohl er sicherlich auch andere Optionen in der GFL und eventuell auch in der neu gegründeten European League of Football (ELF) gehabt hätte. Die besten deutschen Spieler sind derzeit begehrter als ohnehin bereits, denn: „Die Corona-Lage macht es extrem schwer, Spieler aus dem Ausland, insbesondere aus den Vereinigten Staaten, zu rekrutieren“, erklärt Dalkowski. Und gerade auf der Quarterback-Position setzen die allermeisten deutschen Clubs und europäischen Topvereine auf US-Profis, wie die Mercenaries im Jahr 2019 auf Jakeb Sullivan.

Sonny Weishaupt, hier im Trikot der Frankfurt Universe, soll die Marburg Mercenaries in der Saison 2021 als Quarterback anführen. Quelle: Eibner/imago

Etwas Zeit bleibt den Clubs noch, Lücken im Roster zu stopfen: Nach wie vor plant die GFL-Führung mit einem Saisonstart im Juni statt wie in den vorherigen Spielzeiten im Frühjahr, statt 14 sollen nur zehn Spieltage in der Hauptrunde ausgetragen werden. Wichtigste Vorteile: weniger Kosten für Auswärtsfahrten und größere Chancen, wieder vor Zuschauern spielen zu können. „Keiner weiß, wie sich die Corona-Pandemie entwickelt“, sagt Dalkowski. „Wir können nur hoffen, dass bis zum Frühsommer so etwas wie Normalität einkehrt.“ Denn klar ist: Ohne Zuschauer und entsprechende Einnahmen geht es nicht – weder in Marburg noch bei den anderen GFL-Clubs.

Von denen gibt es auf höchster Ebene in diesem Jahr voraussichtlich nur noch 14. Zuletzt waren es 16 gewesen, je acht in der Nord- und in der Südstaffel. Doch die Gründung der außerhalb des organisierten Sportsystems stehenden ELF lässt die GFL schrumpfen: Investor und einiges an Personal der Hildesheim Invaders sind jetzt beim niedersächsischen ELF-Franchise, Verantwortliche der Ingolstadt Dukes haben in ihrer Stadt ebenfalls eine Firma – Vereine gibt es in der neuen Liga formal nicht – gegründet. Die Clubs aus Hildesheim und Ingolstadt haben nicht mehr für die höchste deutsche Liga gemeldet, auch die Elmshorn Fighting Pirates werden dort nicht antreten – wohl nicht zuletzt, weil auch im nahegelegenen Hamburg künftig ein ELF-Team spielen soll.

Modus in der Südstaffel ein anderer als in der Nordstaffel

Dalkowski, der auch GFL-Ligavorstand ist, macht keinen Hehl daraus, dass er die ELF-Gründung kritisch sieht: Es werde eine Konkurrenzsituation geschaffen, ohnehin nicht üppige Ressourcen – Spieler, Trainer, Sponsoren und Fans – auf zwei Ligen auf voraussichtlich ähnlichem sportlichen Niveau verteilt. Skeptisch ist Dalkowski, dass sich die neue Liga finanziell tragen kann. „Es besteht die Gefahr, dass es am Ende nur Verlierer gibt.“

Der Wegfall einzelner Teams schwächt die GFL, der Spielbetrieb sei dadurch aber nicht bedroht, bekräftigt Dalkowski. Im Norden, wo Hildesheim und Elmshorn wegfallen und es keine Bewerber für freie Startplätze gibt, wird voraussichtlich ein Spielplan der sechs übrigen Teams im klassischen Modus mit Hin- und Rückrunde erstellt. Im Süden gibt es – sofern auch in Frankfurt und in Stuttgart, wo ELF-Teams etabliert werden sollen, GFL-Mannschaften bestehen bleiben – inklusive der Mercenaries sieben Teams, ein achtes soll über ein Nachrückerverfahren hinzukommen. Die Zweitligisten Saarland Hurricanes sowie Straubing Spiders haben sich beworben. Die Idee: zwei Vierergruppen, innerhalb derer Hin- und Rückspiel ausgetragen werden, dazu je eine Partie gegen die vier Mannschaften der anderen Gruppe, macht insgesamt auch zehn Hauptrundenspiele.

Anschließend sollen die Playoffs ausgetragen werden, mit dem German Bowl im Oktober in Frankfurt als Höhepunkt – vor großer Zuschauerkulisse, wie Dalkowski hofft: „Es wäre ein starkes Zeichen für unseren Sport in Deutschland und unsere Liga.“

Von Stefan Weisbrod