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Lokalsport GFL ohne Ingolstadt und Hildesheim
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14:56 18.11.2020
Wird es künftig nicht mehr geben: ein GFL-Spiel zwischen den Marburg Mercenaries und den Ingolstadt Dukes. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Was Kritiker bereits erwartet hatten, zeigt sich nun zum Auftakt des Lizenzierungsverfahrens für die Saison 2021 der German Football League (GFL): Die Gründung der European League of Football (ELF) hat Auswirkungen auf die höchste reguläre deutsche American-Football-Spielklasse um die Marburg Mercenaries.

In den Hildesheim Invaders und den Ingolstadt Dukes werden mindestens zwei Clubs nicht mehr in der GFL vertreten sein. Beide haben darauf verzichtet, einen entsprechenden Lizenzantrag einzureichen, wie GFL-Ligavorstand Carsten Dalkowski auf OP-Anfrage mitteilte.

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Dalkowski ist auch Präsident der Mercenaries, die ihre Lizenzunterlagen in der vergangenen Woche eingereicht hatten, verbunden mit einem klaren Bekenntnis zur GFL.

Auch andere Traditionsvereine wie Rekordmeister Phantoms Braunschweig, die in den vergangenen Jahren in der Südstaffel dominierenden Schwäbisch Hall Unicorns, die Munich Cowboys und die Kiel Baltic Hurricanes wollen weiterhin in der GFL antreten. Das Lizenzierungsverfahren sollte bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

GFL-Saison 2021 soll vier Spieltage weniger umfassen

Nachdem die Saison 2020 aufgrund der Corona-Pandemie komplett abgesagt wurde, soll im nächsten Jahr wieder gespielt werden, allerdings in modifizierter Form: Statt 14 sollen die Mannschaften in der regulären Saison ab Juni nur zehn Spiele bestreiten – auf diesen Modus haben sich die Ligaverantwortlichen verständigt, erklärte Dalkowski.

Bislang traten in der Nord- als auch in der Südstaffel je acht Mannschaften im Modus „Jeder gegen jeden“ an. Die Erst- bis Viertplatzierten zogen in die Playoffs ein.

Vorgesehen ist, beide Staffeln nochmals nach geografischen Gesichtspunkten in je zwei Gruppen zu teilen. Innerhalb dieser Gruppen würde weiterhin Hin- und Rückspiel ausgetragen (sechs Spiele je Team), gegen die vier Mannschaften aus der jeweils anderen Gruppe gäbe es nur eine Partie. Ob im nächsten Jahr aber tatsächlich 16 Mannschaften in der GFL spielen, ist derzeit offen: „Eine Möglichkeit wäre, freie Plätze an Zweitligisten zu vergeben“, erläuterte Dalkowski, Interessenten gebe es. „Eine andere, dass wir mit weniger Mannschaften spielen. Über den Modus müsste man sich dann Gedanken machen.“

Team-Sponsor mit im Boot

Dalkowski spricht im Zusammenhang mit den Clubs aus Hildesheim (bisher in der Nordstaffel aktiv) und Ingolstadt (Südstaffel) von „ersten Opfern der Parallelstrukturen“. Der Marburger hat sich überaus kritisch zur Gründung der ELF geäußert ( die OP berichtete ausführlich ).

Die Hildesheim Invaders haben eine Lizenz für die GFL 2 beantragt, wollen also in der zweithöchsten Liga weitermachen. Der Vorstand sehe „keine Möglichkeit, das Startrecht für die GFL wahrzunehmen“, erklärte er in einer Vereinsmitteilung und führte aus: „Ein großer Teil“ des bisherigen Erstliga-Teams werde voraussichtlich zum neuen niedersächsischen ELF-Team, das in Hildesheim oder in Hannover beheimatet werden soll, wechseln.

Initiator der Franchise ist Frank Meyer, ehemaliger Geschäftsführer und Sponsor der Invaders. In Ingolstadt bilden Verantwortliche der Dukes nun auch die Führung der neu gegründeten Praetorians, die in der ELF antreten sollen. Die Dukes haben weder für die erste noch für die zweite Liga eine Lizenz beantragt.

Die anderen Clubs haben ihre Unterlagen eingereicht – auch die aus Städten, in denen künftig (auch) ELF gespielt werden soll –, was aber nicht heißt, dass zwingend alle 2021 in der GFL dabei sind: Mit dem Einreichen des Lizenzantrags, erklärte Dalkowski, sei keine Verpflichtung verbunden, tatsächlich auch anzutreten.

European League of Football

Im Sommer 2021 will mit der European League of Football (ELF) eine neue internationale Football-Liga ihren Spielbetrieb aufnehmen. Zum Start sollen acht Teams, die nicht Vereinen, sondern Franchises, als Firmen, angehören, antreten: sieben aus Deutschland, eines aus Polen (die OP berichtete).

Wie Patrick Esume, Commissioner der formal bereits gegründeten Liga, gegenüber dem Onlineportal „american-football.com“ klarstellte, soll es sich bei der ELF zum Start nicht um eine Profiliga mit ausschließlich bezahlten Spielern handeln, es sollen aber „professionelle Strukturen“ geschlossen werden. Meldungen, wonach die Franchises mit je 1,5 Millionen Euro Budget planen würden, seien falsch, der bekannte TV-Experte bezeichnete die Summe als „überzogen“.

Kommuniziert wurde, dass Mannschaften aus Hamburg, Frankfurt, Berlin, Stuttgart, Ingolstadt, Niedersachsen (Hildesheim und/oder Hannover) sowie dem polnischen Breslau in der Premieren-Saison 2021 an den Start gehen sollen. Woher das achte Team kommen soll, blieb zum Auftakt offen.

Von Stefan Weisbrod