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Lokalsport Gedämpfte Erwartungen bei heimischen Fans
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17:00 11.06.2021
Bundestrainer Joachim Löw (vorne rechts) spricht im Trainingslager im österreichischen Seefeld zu Toni Kroos (hinten von links), Jonas Hofmann und Thomas Müller.
Bundestrainer Joachim Löw (vorne rechts) spricht im Trainingslager im österreichischen Seefeld zu Toni Kroos (hinten von links), Jonas Hofmann und Thomas Müller. Quelle: Federico Gambarini
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Marburg

Das lange Warten hat endlich ein Ende: Mit dem Eröffnungsspiel Türkei – Italien startet heute (21 Uhr/ARD) die wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschobene Fußball-Europameisterschaft. Die OP hat sich vor dem Turnierstart bei heimischen Fans umgehört, wer die besten Chancen auf den Titel hat und was für die deutsche Nationalmannschaft bei der Endrunde drin ist.

Harald Heuser ist sich sicher: „Deutschland wird’s nicht.“ Warum? Die Offensive sei gut besetzt, in Manuel Neuer stehe einer der besten Torhüter der Welt zwischen den Pfosten, meint der 60-Jährige aus Niederwalgern, aber: „Wir haben keine Abwehr, die gegen absolute Spitzenmannschaften bestehen kann.“ Bei manchen Verteidigern fehle es an Geschwindigkeit, bei anderen mangele es an Dynamik. „Wenn ich dann an Stürmer wie Mbappé denke, sehe ich schwarz.“

Sein Favorit sind die Franzosen – nicht nur wegen besagtem Kylian Mbappé: „In der Offensive gibt es einige Weltklassespieler, insgesamt ist das Team fast durchgehend top besetzt.“ Gedacht hat Heuser kurzzeitig auch an die Engländer, relativiert jedoch: „Sie haben viele technisch sehr starke Spieler im Team, denen es aber noch an Erfahrung fehlt. Wenn Verteidiger etwas robuster zu Werke gehen, bekommen die jungen Leute Probleme“, glaubt der Gladbach-Fan, kann sich aber vorstellen, dass die Three Lions bei den nächsten großen Turnieren – der WM in Katar in rund anderthalb Jahren und der EM in Deutschland in drei Jahren – mit etwas mehr Erfahrung gute Chancen auf den Titel haben könnten.

Carolin Starker ist optimistischer, wenn es ums Abschneiden der deutschen Auswahl geht – macht ihre Hoffnung nicht zuletzt an den Rückkehrern Thomas Müller und Mats Hummels fest: „Ich denke, es war eine kluge Entscheidung von Jogi Löw, beide mitzunehmen.“ Sowohl der Münchner Offensivmann als auch der Dortmunder Verteidiger seien Spieler, „die die anderen führen werden, die damit vor allem in kritischen Situationen helfen können“, ist die 33-Jährige, die sich zumindest die Partien der deutschen Nationalmannschaft ansehen möchte, überzeugt.

Zunächst gehe es darum, die stark besetzte Vorrundengruppe zu überstehen. „Danach spielt die Tagesform eine große Rolle. Alles ist möglich“ – eben auch der Titel fürs DFB-Team. Lange hatte die Sterzhäuserin, die in der Bundesliga dem BVB die Daumen drückt, Entscheidungen Löws sehr kritisch gesehen. Jetzt würde sie ihm einen „gebührenden Abschied“ als Bundestrainer wünschen.

Markus Bengelsdorff glaubt, dass schon die Eigenmotivation des Bundestrainers dafür sorgen werde, dass fürs deutsche Team nicht nach der Vorrunde Schluss ist. „Joachim Löw wird in seinem letzten Turnier noch mal etwas reißen wollen“, sagt der Marburger Kreisschiedsrichter-Obmann. „Das Halbfinale sollte drin sein“, meint der 26-Jährige, und dass die DFB-Elf in der sogenannten Todesgruppe mit dem amtierenden Weltmeister Frankreich und dem amtierenden Europameister Portugal bestehen kann.

Dass es letztlich für den Titel reicht, glaubt Bengelsdorff jedoch eher nicht. Sein Tipp: Kroatien macht’s. „Es wäre eine kleine Revanche für den knapp verpassten WM-Titel“, sagt der Schiedsrichter-Obmann, der auch mit Topstar Luka Modric und Co. mitfiebert – schließlich ist seine Mutter Kroatin.

Für Hans-Dieter Pitz sind die Franzosen drei Jahre nach ihrem Erfolg bei der Weltmeisterschaft in Russland Topfavorit auf den Titel. Insofern wartet für den Vorsitzenden des mehr als 700 Mitglieder zählenden und in Niederwald ansässigen „FC Bayern-Fanclub Ohmtal“ die größte Hürde fürs deutsche Team bereits in der Gruppenphase.

„Wenn die deutsche Mannschaft die Vorrunde übersteht, ist das Viertel- oder Halbfinale durchaus drin, das Potenzial dafür ist auf jeden Fall vorhanden“, meint Pitz, der sich insbesondere über die Rückkehr von Thomas Müller freut – nicht nur, weil er Bayern-Spieler ist. „Thomas Müller ist eine Leitfigur, überzeugt mit seiner Spielintelligenz und schafft Räume“, begründet Pitz, warum der Offensivspieler der DFB-Elf guttut.

Geht es nach Pitz, solle man den Erfolg für Löws Team „nicht am Endergebnis festmachen, sondern auch an Zwischenergebnissen und der Leistung“, plädiert der Fanclub-Chef.

Fußballfan Jens Otto aus Marburg tut sich schwer, das Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft zu prognostizieren. Vor allem deshalb, weil wegen der Corona-Pandemie „die Vorbereitung ja nicht so richtig stattgefunden hat“, argumentiert der 47-Jährige. In der Gruppenphase sei Frankreich ohne Zweifel „ein harter Brocken, aber zu schaffen“, meint Otto. „Deutschland ist zwar nicht der Titelaspirant, das Halbfinale ist aber nicht ganz unmöglich“, meint Otto, der bei der Frage, wer neuer Europameister werden könnte, sagt: „Die Niederländer könnten eine große Rolle spielen. Das sagt mir zumindest mein Bauchgefühl – und das täuscht mich selten.“

Von Stefan Weisbrodund Marcello Di Cicco