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Lokalsport „Tschatschick“ war sein Freund
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17:00 23.07.2022
Klaus Zaczyk (links) 2017 mit seinem ehemaligen Mitspieler Uwe Seeler.
Klaus Zaczyk (links) 2017 mit seinem ehemaligen Mitspieler Uwe Seeler. Quelle: privat
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Marburg

Der 77-jährige Klaus Zaczyk war am Freitag (22. Juli) noch immer den Tränen nahe wegen der Todesnachricht von Uwe Seeler. Der Ehrenspielführer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und Stürmerlegende des Hamburger SV starb am Donnerstag im Alter von 85 Jahren im Kreis seiner Familie. Zaczyk, der aus Sterzhausen stammt und seine ersten fußballerischen Meriten beim VfL Marburg erwarb, war von klein auf HSV-Fan. „Mein größter Wunsch war immer, einmal mit Uwe in einer Mannschaft zu spielen“, erinnert er sich im OP-Gespräch.

Nach Stationen beim Karlsruher SC und dem 1. FC Nürnberg wechselte der technisch starke Mittelfeldspieler zum Hamburger SV, seinem Herzensverein. Vor dem ersten Spiel der Saison 1969/70, gegen seine alte Mannschaft vom KSC, führte Zaczyk gemeinsam mit Seeler den Anstoß aus – ein besonderes Erlebnis für den Sterzhäuser. Es war das erste von 262 Bundesligaspielen für den HSV.

Kämpfernatur, humorvoll, bescheiden

„Tschatschick“ wurde er von Seeler genannt. „Er konnte meinen Namen nicht so richtig aussprechen.“ Aber der engen Beziehung zwischen beiden hat das nicht geschadet. „Ich konnte immer zu ihm kommen, wenn ich irgendetwas von ihm wollte", sagte er am Freitag. Auch an der Rückkehr von Kassel nach Hamburg war Seeler beteiligt, er vermittelte seinem früheren Mannschaftskameraden einen Job bei einem Hamburger Bankhaus direkt am Jungfernstieg. Man besuchte sich gegenseitig zu Hause, und Zaczyk war bei allen großen Geburtstagen von Seeler eingeladen. Und umgekehrt: Als der Hesse am Uwe-Seeler-Schuh in die Hamburger „Hall of fame“ aufgenommen wurde, durfte einer nicht fehlen: Uwe Seeler.

Joachim Lembke, ehemaliger Schulleiter der Carl-Strehl-Schule in der Deutschen Blindenstudienanstalt, weist auf die Bedeutung des DFB-Ehrenspielführers hin: „Uwe Seeler hat uns Jungs vom Lande die Liebe zum Fußball und zum HSV gegeben.“ Als Kämpfernatur sei er für seine Generation „vorbildlich und prägend“ gewesen. Durch den Journalisten Dieter Matz hatte Lembke Seeler auch persönlich kennenlernen dürfen. „Er war unglaublich bescheiden und humorvoll. Seine Haltung hat mich in meiner beruflichen Laufbahn und als Sportler motiviert und zur Bodenständigkeit ermahnt. Er hat auf ewig einen Platz in meinem Herzen. Legenden sterben nie!“

Ende: „Er war voll auf Zack und total nett“

Eine Ansicht, die Albrecht Ende teilt. Kurz nach der Todesnachricht am späten Donnerstagnachmittag reagierte der Inhaber von Aldis Stadl in Marburg, in dem er die HSV-Legende in seinem Whatsapp-Status zeigte. Die Nachricht seines Todes hinterlässt mich sehr traurig“, sagt Ende, selbst großer Fan der Hamburger. Beim Abschiedsspiel des früheren HSV-Masseurs Hermann Rieger Ende 2004 hatte er Seeler in der Hamburger Arena getroffen. „Er war voll auf Zack und total nett“, erinnert sich der Gastronom. Welch gesellschaftlichen Stellenwert Seeler hatte und hinterlassen habe, sehe man daran, „wie viele Kinder heute Uwe heißen – sehr oft wegen Uwe Seeler“, meint Ende.

Jascha Döringer bedauert, Seeler nie persönlich getroffen zu haben. „Ich habe ihn aber immer als super-sympathisch wahrgenommen“, sagt der gebürtige Cappeler, der für Regionalligist Hessen Kassel spielt und durch seinen Bruder Leon zum HSV-Anhänger wurde. Warum Seeler für die Döringer-Brüder in Erinnerung bleiben wird. „Wir haben mal einen Videoausschnitt gesehen, in dem Seeler dreimal hintereinander laut ,Ich! Ich! !Ich!’ ruft. Seitdem ist das bei uns ein geflügeltes Wort“, erzählt der 25-Jährige.

Für Rolph Limbacher, Vizepräsidenten der Handwerkskammer Kassel und Chef der Domino-Friseursalons, steht der Tod von Uwe Seeler „emotional auf einer Stufe mit dem von Lady Diana“ – beide hätten den 57-Jährigen „zutiefst bewegt“. Limbacher schätzte Uwe Seeler „wegen seiner bedingungslosen Liebe zum HSV – und seiner Integrität. Er hätte bereits zur damaligen Zeit eine Million D-Mark Handgeld bekommen können und ist doch geblieben. Das würden heute wenige Charaktere schaffen“. Limbacher ist seit Jahrzehnten HSV-Fan, „und Uwe Seeler gehörte immer dazu. Einmal konnte ich ihn treffen – diesen absoluten Weltstar. Das war schon ein echtes Erlebnis.“

Von Unseren Redakteuren