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Lokalsport Trainer empfindet manches als bekloppt
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12:55 07.06.2020
Torwart Kevin Trapp aus Frankfurt steht vor der leeren Tribüne mit dem Eintracht Adler. Quelle: Arne Dedert
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Trainer Trares empfindet manches als bekloppt

3 Bundesliga-Spiele bestritt Bernhard Trares zwischen 1994 und 2001 für den SV Werder Bremen und den TSV 1860 München, noch im vorigen Jahr traf der gebürtig aus Bensheim in Südhessen stammende Ex-Profi als Trainer mit dem SV Waldhof Mannheim in der Regionalliga Südwest auf den TSV Eintracht Stadtallendorf.

Am vergangenen Samstag erlebte Trares sein erstes Geisterspiel als Übungsleiter, als „der Waldhof“ in der 3. Liga mit 1:2 gegen den KFC Uerdingen verlor. Ein Rückschlag für die Mannheimer im Kampf um den Zweitliga-Aufstieg, aber: „Wir sind alle froh, dass wir wieder Fußball spielen können. Allerdings ist es schon ungewohnt ohne Zuschauer. Wir haben fantastische Fans, die fehlen einfach“, macht Trares im Gespräch mit der OP keinen Hehl daraus, dass die Situation eine gänzlich andere ist.

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Foto: Uwe Anspach

Wie andere Drittligisten, wie etwa der FC Bayern München II, ging auch der SV Waldhof vor dem Liga-Neustart in eine einwöchige Quarantäne. „Das machen wir auch alles mit“, sagt Trares, „manche Dinge empfinde ich aber als bekloppt: etwa, dass man mit zwei Bussen zum Spiel fahren muss. Viele Dinge sind unsinnig“, findet der 54-Jährige, der einräumt, genauer darauf zu achten, „was und wie man es sagt“ (Trares), weil dies für Fernsehzuschauer nun ohne Atmosphäre im Stadion besser hörbar ist. Verstellen sei aber nicht sein Ding, denn: „Die Spieler wissen ja, wie man tickt“, sagt Trares.

von Marcello Di Cicco

Schiedsrichter Christof Günsch ist mit gutem Gefühl zurück auf dem Platz

Er tritt mit seinen Assistenten aufs Spielfeld, links und rechts von ihnen folgen die beiden Mannschaften: elf Spieler von Gastgeber Erzgebirge Aue, elf Spieler aus Darmstadt. Dass Christof Günsch in einem Zweitliga-Spiel überhaupt den SV 98 und damit ein hessisches Team pfeifen darf, ist bereits der außergewöhnlichen Situation geschuldet.

Foto: Sven Sonntag

Wirklich offenbart wird die aktuelle Lage aber auf den Tribünen: Wo sonst Tausende sitzen und stehen, ist alles verwaist. Für Schiedsrichter Günsch „schon ein bisschen komisch“, wie er im Gespräch mit der OP schildert. Trotzdem: „Es ist ein richtig gutes Gefühl, wieder zurück im Stadion zu sein.“

Mehr als zwei Monate lang hatte in Deutschland aufgrund der Corona-Pandemie kein einziges Fußballspiel stattgefunden – weder im Profi- noch im Amateurbereich. Inzwischen rollt der Ball seit ein paar Wochen wieder in erster und zweiter Liga, seit vergangenem Wochenende auch in der dritten Liga. Dort pfiff Günsch, der aus Battenberg stammt, in Marburg gelebt und studiert hat und inzwischen mit seiner Freundin Janine in Berlin wohnt, am vergangenen Samstag die Partie von Eintracht Braunschweig gegen Viktoria Köln (4:2). Das Zweitliga-Spiel in Aue vier Tage zuvor, das die Gäste aus Darmstadt nach Rückstand mit 3:1 für sich entschieden, war Günschs erster Einsatz als Spielleiter nach fast genau drei Monaten. Zuvor war er bereits beim Dortmunder 2:0-Sieg in Wolfsburg als Schiedsrichterassistent und am Neustart-Spieltag Mitte Mai als Vierter Offizieller beim Freiburger 1:1 in Leipzig dabei.

Die vielen Ansetzungen binnen kurzer Zeit stören ihn nicht – im Gegenteil: „Ich hatte ja meine Sommerpause quasi schon. Und die war sehr lang.“ Die Unterbrechung habe auch ihr Gutes gehabt, erzählt er. So habe er viel Zeit mit seiner Freundin verbringen können. Aber der Fußball hat ihm gefehlt. Günsch hielt sich individuell fit – auch wenn das manchmal gar nicht so einfach war: Weil in den Parks in Berlin tagsüber trotz der Pandemie oft viel los war, ging er meist erst spät abends laufen, um den nötigen Sicherheitsabstand einhalten zu können. „In Marburg und vor allem in Battenberg wäre das sicherlich einfacher zu machen gewesen“, der 34-Jährige, der recht zentral in Friedrichshain wohnt, mit einem Schmunzeln.

Wie die Spieler und Verantwortlichen der Clubs werden auch die Referees regelmäßig auf das Coronavirus getestet. Einige Tage vor dem ersten Spieltag nach der Pause fand ein erster Test statt, seitdem wird jeweils am Tag vor einem Einsatz ein Abstrich genommen. „Das dauert ein paar Sekunden“, erklärt Günsch. „Wenn man am Spieltag dann in der offiziellen Ansetzung steht, weiß man, dass alles in Ordnung ist.“ Bislang veröffentlichte der DFB bereits einige Tage vor einem Spiel, welche Referees wo zum Einsatz kommen. Nun werden die Ansetzungen erst am jeweiligen Spieltag, wenn der negative Test-Befund vorliegt, bestätigt und kommuniziert.

Auch ansonsten bringen die von der Politik bewilligten Konzepte der DFL und des DFB ein paar Änderungen für die Schiedsrichter mit sich: Günsch, der nach wie vor für den SV Reddighausen aktiv ist, der der Schiedsrichtervereinigung Frankenberg und damit dem Hessischen Fußball-Verband angehört, darf nun eben ausnahmsweise auch hessische Clubs in überregionalen Ligaspielen pfeifen – so wie Darmstadt in Aue, was für ihn „auf dem Platz gar keinen Unterschied macht“. Ein weiterer Punkt: Es ist nicht mehr zwingend nötig, dass die Unparteiischen bereits am Vortag eines Spiels anreisen. Dafür werden sie nun möglichst wohnortnah angesetzt – im Fall von Günsch bisher für die Spiele in Leipzig, Wolfsburg, Aue und Braunschweig. Für Partien etwa in Freiburg oder in München dürfte der Wahl-Berliner zurzeit nicht infrage kommen. Aber als Video-Assistent könnte er angesetzt werden, müsste dafür nach Köln reisen. „Dann wäre auch eine Anreise am Vortag denkbar“, sagt der studierte Politikwissenschaftler.

Vorerst sind auch die festen Gespanne – der Cölber Julius Martenstein ist normalerweise meist einer von Günschs Assistenten bei Zweitliga-Spielen – aufgehoben. „Natürlich“, meint Günsch, „ist es ein Vorteil, wenn man sich gut kennt.“ Probleme gebe es dadurch aktuell aber nicht: „Wir wissen alle, was wir zutun haben.“ Und sobald die Partie angepfiffen ist, mache es für ihn auch keinen Unterschied, ob Zuschauer im Stadion sind oder nicht: „Dann ist man komplett auf das Geschehen auf dem Platz fokussiert.“ Am sportlichen Niveau, so sein bisheriger Eindruck, hat sich auch nichts Gravierendes geändert: „Vielleicht gab es an den ersten Spieltagen den ein oder anderen Abstimmungsfehler zwischen Spielern, der sonst nicht passiert wäre“, mutmaßt er. „Aber das Tempo und das spielerische Niveau sind genauso hoch wie vor der Pause.“

von Stefan Weisbrod

Paul Will hatte ein etwas bedrückendes Gefühl

Für Paul Will war seine Geisterspiel-Premiere eine erfolgreiche – wenngleich der gebürtige Breidenbacher beim 2:1-Auswärtssieg seines FC Bayern München II in der 3. Liga gegen den FC Ingolstadt nicht zum Einsatz kam. „Ich hatte es mir anders vorgestellt. Letztlich fand ich es nicht so schlimm“, resümiert der 21-Jährige die Atmosphäre im Stadion im Gespräch mit der OP.

Foto: Imago

Was Will allerdings sowohl bei Bundesliga-Spielen als auch bei anderen Partien auffiel: dass der Fokus der Kameras, aber auch der des Personals im Stadion, wesentlich stärker auf die Spieler gerichtet ist – auch auf die Auswechselspieler. „Uns war schon klar, dass wir Ersatzspieler nicht so viel dummes Zeug schwätzen können wie sonst“, flachst der Mittelfeldspieler. „Von unserem Hygienebeauftragten waren wir vor dem ersten Spiel darauf hingewiesen worden, dass der Fokus stärker auf uns liegen wird – auch wenn in der 3. Liga weniger Kameras im Einsatz sind als etwa in der Bundesliga. Aber dass der Fokus 90 Minuten lang nur auf den Spielern liegt, ist schon ein etwas bedrückendes Gefühl“, mag sich Will mit dem Zuschauerausschluss auf Dauer nicht anfreunden.

Die Partie verbrachten Will und Co. übrigens in der VIP-Loge auf der Tribüne. Zwischen den Spielern mussten sieben Sitzplätze frei bleiben. Das auch in der 3. Liga angewandte Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) verlangte auch eine einwöchige Quarantäne, die der FCB II in einem Hotel verbrachte. „Wir hatten keinen Kontakt nach außen, nur Einzelzimmer, haben nur in kleinen Gruppen gegessen und hatten bei der Fahrt zum Spiel einen Doppeldecker-Bus. Die Auflagen sind streng, aber gut. Wenn sich andere Leute an die Auflagen halten müssen, können wir Profis es auch“, zeigt Will Verständnis.

Vor dem Re-Start hatten sich zahlreiche Drittligisten für einen Saisonabbruch ausgesprochen. Will aber sieht gute Chancen, dass die Saison sportlich entschieden wird und nicht am grünen Tisch. „Aber nur, wenn es alle wollen. Die Frage ist, ob alle an einem Strang ziehen“, sagt er. Spannend ist es allemal, denn die Hälfte (!) aller Teams haben noch realistische Chancen auf den Aufstieg.

von Marcello Di Cicco

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