Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport Marburger Hessenliga-Frauen feiern gegen Kassel ersten Saisonsieg
Sport Lokalsport Lokalsport Marburger Hessenliga-Frauen feiern gegen Kassel ersten Saisonsieg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:59 28.09.2021
Marburgs Sophia Goy (Mitte) wird von den Kasseler Spielerinnen Emma Becker (links) und Silke Lührs bedrängt. Die SF BG gewannen die Partie mit 2:0.
Marburgs Sophia Goy (Mitte) wird von den Kasseler Spielerinnen Emma Becker (links) und Silke Lührs bedrängt. Die SF BG gewannen die Partie mit 2:0. Quelle: Tobias Hirsch, privat
Anzeige
Marburg

Bereits vor einer Woche wusste Jule Wegener, was auf sie zukommen würde. Ihr Trainer Christoph Bender hatte der 16-jährigen Torfrau am vergangenen Montag eröffnet, dass sie im Hessenliga-Spiel gegen Tabellenschlusslicht KSV Hessen Kassel eine gesamte Halbzeit zwischen den Pfosten stehen werde. Nervosität kurz vor Anpfiff? „Na ja, ich war eigentlich die gesamte Woche über sehr nervös“, gibt eine glückliche Jule Wegener nach der erfolgreichen Begegnung zu.

Die etatmäßige Keeperin der B-Juniorinnen wurde nach dem Seitenwechsel für die Aushilfstorfrau Theresa Goy eingewechselt und meisterte ihre Sache routiniert. Die Nerven waren dennoch lange angespannt. „Erst als wir das 2:0 geschossen haben, war ich nicht mehr so unruhig“, wusste Wegener zu berichten. Und abgesehen von einem verunglückten Klärungsversuch war ihre Leistung tadellos. Bender denkt langfristig und scheint mit der jungen Frau noch viel vorzuhaben. „Das wird nicht ihr letztes Spiel in dieser Saison sein. Wir wollen sie immer wieder spielen lassen, damit sie uns in den kommenden Jahren noch besser helfen kann“, erklärt der Coach.

Offensive schwächelte

Wegener kam es allerdings auch zugute, dass ihre Vorderleute wenig anbrennen ließen. Bereits früh in Durchgang eins waren die Gastgeberinnen nach einem Foulelfmetertor von Sophia Goy in Front gegangen. Fortan entwickelte sich jedoch wahrlich kein Augenschmaus. Für die Offensive der Gäste hätte eine Vermisstenmeldung herausgegeben werden können. Abgesehen von einer Doppelchance von Aysun Aygün, die erst an Keeperin Theresa Goy und im Nachschuss an Tatjana Itzenhäuser scheiterte, passierte nicht viel in der blau-gelben Hälfte. Das Geschehen spielte sich fast ausschließlich um den Mittelkreis oder in der Hälfte des KSV ab.

In den ersten drei Saisonspielen hatten die Marburgerinnen lediglich einen Treffer bewerkstelligt. Am Samstag verdreifachten sie den Stand ihres Torkontos. In der Offensive, die immer ein wenig mehr Abstimmung von Feinheiten erfordert als die Defensive, liegt die Schwäche. Laufwege passten mehrmals nicht, Zuspiele in die Schnittstellen waren entweder zu schwach oder zu stark, und vor allem fand quasi keine Spielverlagerung statt. Seitenwechsel hätten dem blau-gelben Offensivspiel gutgetan, denn zu oft ging es durch die Mitte. Coach Christoph Bender sieht in seiner ersten Saison bei den Blau-Gelben viel Luft nach oben: „Es muss sich alles noch finden. Wir haben viele Leute, die fehlen. Mitunter sind nur sieben Frauen im Training. Da kann man natürlich nicht viel einstudieren.“ Im Laufe des Oktobers werde die Personaldecke aber deutlich besser aussehen.

„Einfach gemacht“

Die Abwesenheit der einen ist jedoch Chance für die andere. Keeperin Wegener profitiert von dem Engpass. Nachdem Kyra Czerwinski in der 72. Minute den Sack zumachte, ahnte die Torfrau, dass sie wohl auch in ihrem zweiten Seniorinneneinsatz die Null halten würde. Denn bereits vor einem Monat spielte sie die zweite Halbzeit beim 3:0 im Pokal gegen die TSG Wilhelmshöhe. Und dabei kam sie schlicht durch Zufall zum Torfrau-Dasein. „Damals, als ich acht Jahre alt war und mit Fußball angefangen habe, hatten wir keine Keeperin. Also habe ich es einfach gemacht“, sagt sie mit einem Grinsen, bevor sie sich auf ihr Rad schwingt und mit einem blau-gelb gefärbten Helm davondüst.

Von Benjamin Kaiser