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Lokalsport „Gestreckte Beine“ landen vor Gericht
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08:56 10.10.2019
Ein Spieler springt mit gestreckten Beinen in Richtung Ball und Gegner. Quelle: imago
Biedenkopf

Ein Spieler des FC Türk Gücü Breidenbach II soll einen Spieler der gegnerischen Mannschaft SV Wolfgruben/Wilhelmshütte mit beiden Beinen zielgerichtet angesprungen und diesen am rechten Bein getroffen haben. So lautet der Anklagevorwurf. Dort heißt es weiter: „Der Geschädigte erlitt erhebliche Verletzungen.“ 

Dieser Vorfall während der Partie der Fußball-Kreisliga B Biedenkopf am 15. Oktober 2017 in Dautphetal ist am Donnerstag Gegenstand der Verhandlung vor dem Amtsgericht Biedenkopf. 

Sechs Zeugen sind geladen

Ob mit einem Urteil zu rechnen ist, konnte der Direktor und Pressesprecher des Amtsgerichts, Dr. Miko Schulte, nicht einschätzen: „Zunächst einmal gilt es zu klären, welcher Sachverhalt vorliegt und was tatsächlich passiert ist.“ Geladen sind sechs Zeugen – vier Spieler, der Schiedsrichter und der Geschädigte, der nach dem Vorfall Anzeige erstattet hatte.

Auch die Oberhessische Presse hatte in ihrer Ausgabe am 16. Oktober 2017 über die B-Liga-Partie berichtet. Der damalige Pressewart des Gastgebers SV Wolfgruben/Wilhemshütte teilte seinerzeit mit, dass die Partie in der 42. Minute für 30 Minuten unterbrochen werden musste, nachdem ein Spieler der Gästeelf mit gestrecktem Bein in einen Gegenspieler reinrutschte und dieser daraufhin mit schwerer Knieverletzung ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Das Gericht wird am Donnerstag nun versuchen zu klären, ob diese Aktion mit Vorsatz oder unabsichtlich geschehen ist. Stellt sich die Frage, ob das Urteil, wenn es zu Ungunsten des Angeklagten gefällt wird, richtungweisende Folgen hätte. Schulte klärt auf: „Richtungweisend wäre es nur, wenn neue rechtliche Maßstäbe vorlägen. Dies ist in dem zu verhandelnden Fall allerdings nicht zu erwarten.“

Verhandlung ist öffentlich

Anzeigen wegen einer erlittenen Verletzung während eines Fußballspiels aufgrund absichtlichen oder unabsichtlichen Einsteigens kommen äußerst selten vor, sagt Schulte. In den vergangenen acht Jahren gab es keinen solchen Fall, der vor dem Amtsgericht Biedenkopf verhandelt werden musste. „Der letzte ähnlich gelagerte Fall stammt aus dem Jahr 2011“, erinnert sich Schulte. Dieses damalige Verfahren wurde gegen Zahlung einer Geldbuße für eine soziale Einrichtung eingestellt.

Bei der Staatsanwaltschaft Marburg werden diese Fälle nicht gesondert erfasst, „deshalb gibt es auch keine validen Zahlen. Solche Anzeigen kommen aber nicht häufig vor“, sagt die stellvertretende Pressesprecherin Sarah Otto.

  • Die Verhandlung vor dem Amtsgericht Biedenkopf beginnt am Donnerstag um 9 Uhr und ist öffentlich.

von Michael E. Schmidt