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Lokalsport Playoffs als Möglichkeit bei verkürzter Saison?
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12:56 19.06.2020
In der nächsten Saison Anwärter auf den Titel in der Marburger Kreisliga A? Die Spielvereinigung Rauischholzhausens mit Dominik Siebert (links) und der SV Mardorf um Frederik Rosenberg. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Wann rollt der Ball in den regionalen und lokalen Fußballklassen wieder? Es ist weiterhin ungewiss. Peter Schmidt äußert aber zumindest die Hoffnung, dass ab Anfang September wieder normal trainiert und auch gespielt werden kann.

Dann, so meint der Marburger Kreisfußballwart, könnte die Saison nach knapp drei Wochen Vorbereitung realistisch am 20. September beginnen. „Wenn das klappt, könnte eine Saison halbwegs normal ausgetragen werden“, erklärt er im Gespräch mit der OP, denkt dabei aber an Spieltage bis kurz vor Weihnachten und wieder ab Ende Januar. Und wenn nicht?

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Es dürfe „keine Denkverbote“ geben, sagt Schmidt in Anbetracht einer „Situation, für die es keine Blaupause gibt“. Sollte erst im Herbst oder gar noch später wieder gespielt werden können, sei seiner Meinung nach denkbar, statt Hin- und Rückrunde nur eine einfache Serie auszutragen, „vielleicht mit Playoffs und Playdowns, in denen Entscheidungen fallen“.

Nach Abbruch Gespräche über Szenarien

Für Fußballer in Deutschland wäre das eine Neuheit. In anderen Sportarten – etwa beim Basketball oder beim Eishockey – werden auf diese Art stets die Titelträger und teilweise auch Aufsteiger und Absteiger ermittelt. In der nordamerikanischen Fußball-Profiliga, der Major League Soccer, wird die Meisterschaft nach einer Hauptrunde ebenfalls in Playoffs ausgespielt.

Maurice Jauernick, selbst lange Jahre auf höherem Amateurniveau als Spieler aktiv und jetzt Trainer von Gruppenligist FSV Schröck, sieht darin „eine Möglichkeit, mit der man sich beschäftigen sollte, wenn eine normale Saison nicht möglich ist“.

Schmidt: Modus muss vor Saison feststehen

Er würde es „auf jeden Fall bevorzugen“, wenn Auf- und Absteiger im klassischen Modus aus Hin- und Rückrunde ausgespielt werden könnten. „Ob das klappt, liegt leider nicht in unserer Hand.“ Wichtig ist für ihn: „Vor dem ersten Spieltag muss der Modus klar sein. Es darf nicht passieren, dass mittendrin entschieden wird, beispielsweise auf eine Rückrunde zu verzichten und stattdessen Playoffs auszutragen.“

Zunächst müsse am Wochenende beim außerordentlichen HFV-Verbandstag der formale Abbruch-Beschluss gefasst werden, sagt Schmidt, „danach muss gesprochen werden“. Ob Playoffs und Playdowns dann tatsächlich zur Option werden könnten, ist völlig offen. Es habe aber „auf jeden Fall Sinn, sich frühzeitig mit verschiedenen Szenarien zu befassen“.

Einwurf von Stefan Weisbrod

Überlegungen schaden nicht

Die Corona-Lage scheint sich zumindest in Deutschland und Europa nach und nach zu entspannen. Von Normalität kann aber längst keine Rede sein. Das gilt auch für den Sport. Und damit für den Amateurfußball. Es ist völlig offen, ob ab Spätsommer oder Herbst wieder um Punkte gespielt werden kann. Im Kopf beginnt es zu rattern: „Was wäre wenn?“

Wenn erst ganz spät in diesem oder gar erst Anfang nächsten Jahres wieder gespielt werden könnte, wäre eine normale Saison mit Hin- und Rückrunde zeitlich nicht umsetzbar. Lediglich eine Hinserie auszuspielen, könnte eine Überlegung sein, vielleicht mit anschließenden Playoffs um Meisterschaft und Aufstieg und Playdowns zur Ermittlung von Absteigern.

Oder man geht an die Zuschneidung der Staffeln ran. Wenn statt 18 oder 19 Mannschaften in jeder der drei mittelhessischen Kreisoberliga-Gruppen einmalig jeweils 10 bis 12 Teams in fünf Staffeln antreten würde, wäre das vielleicht anders.

Wie es letztlich passt, was überhaupt möglich ist, was die Verantwortlichen letztlich entscheiden, wird wohl noch eine ganze Zeit offen bleiben. Sich frühzeitig über Möglichkeiten Gedanken zu machen, schadet aber sicher nicht.

Schröck und Cappel wollen’s sportlich wissen

Beim außerordentlichen Verbandstag dürfte morgen entschieden werden, dass die Saison 2019/2020 abgebrochen wird. Auch dürfte dann feststehen, dass nach der Quotientenregel (Durchschnittspunkte pro Spiel) Mannschaften, die hinter den direkten Aufstiegsplätzen stehen, ebenfalls aufsteigen.

FSV Schröck, Dritter der Gruppenliga Gießen/Marburg, und FSV Cappel, Zweiter der Kreisoberliga Nord, würden nach dieser Regelung den Sprung jeweils verpassen – finden sich aber damit ab.

Der Schröcker Trainer Maurice Jauernick findet den knapp verpassten Aufstieg „bitter, weil wir gute Chancen gehabt hätten“. Der Abbruch sei aber nachvollziehbar; er spricht von „höherer Gewalt“. „Wir akzeptieren das und wollen in der nächsten Saison wieder oben angreifen.“ Auch die Cappeler setzen auf den sportlichen Weg.

„Eine Klage oder ähnliches kommt für uns nicht infrage“, sagt der Sportliche Leiter Mario Lefebre. „Emsdorf ist ein paar Tore besser als wir und hat sich den Aufstieg damit verdient“, betont er mit Blick auf den punktgleichen designierten Meister.

Von Stefan Weisbrod

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