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Lokalsport Fußballer Kristian Gaudermann im Interview
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16:00 12.01.2021
Kristian Gaudermann (links) im Zweikampf gegen Offenbachs Ronny Marcos. Von den bisherigen 16 Regionalliga-Spielen des TSV Eintracht bestritt der Rechtsverteidiger 15, fehlte nur in der Partie bei Rot-Weiß Koblenz aufgrund einer Sperre.
Kristian Gaudermann (links) im Zweikampf gegen Offenbachs Ronny Marcos. Von den bisherigen 16 Regionalliga-Spielen des TSV Eintracht bestritt der Rechtsverteidiger 15, fehlte nur in der Partie bei Rot-Weiß Koblenz aufgrund einer Sperre. Quelle: Thorsten Richter
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Stadtallendorf

Er ist der Inbegriff für Konstanz bei der Stadtallendorfer Eintracht: Kristian Gaudermann liefert Woche für Woche, Spiel für Spiel mindestens ordentliche Leistungen ab, ist auf der Position rechts in der Viererkette absolute Stammkraft. Und er trägt Verantwortung: Als Vertreter des langzeitverletzten Kevin Vidakovics führt der 25-Jährige, seit 2016 im Verein, das Team als Kapitän an. Die OP hat mit dem Lehramtsstudenten über die aktuelle Situation des Fußball-Regionalligisten gesprochen  ...

Das 1:4 gegen die Offenbacher Kickers war die elfte Niederlage im 16. Spiel. Wieder einmal hat die Mannschaft gut mitgehalten, wieder einmal verloren. Tut das besonders weh?

Naja, jede Niederlage tut irgendwo weh. Aber wenn man sieht, man ist nicht wirklich schlechter als der Gegner, wie gegen Ulm (0:3-Niederlage nach drei eigenen Pfostentreffern; Anmerkung der Redaktion) und jetzt gegen Offenbach, dann ärgert das umso mehr. Wir kassieren Tore, die absolut vermeidbar wären, und nutzen selbst unsere Chancen nicht.

„Es geht weiterhin darum, Spiele zu spielen und zu gewinnen und vielleicht doch noch den Klassenerhalt zu schaffen.“

Bereits vor Saisonbeginn hat Trainer Dragan Sicaja deutlich gemacht, dass es optimal laufen muss, um in dieser 22er-Liga mit sechs Absteigern mindestens 16. zu werden. Es läuft aber bislang alles andere als optimal, die Eintracht ist Letzter mit zehn Punkten Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Worum geht es jetzt noch?

Es sind noch so viele Spiele zu absolvieren, die Saison ist mit 42 Spieltagen mehr als außerordentlich. Es geht weiterhin darum, Spiele zu spielen und zu gewinnen und vielleicht doch noch den Klassenerhalt zu schaffen. Das ist das oberste Ziel, daran hat sich nichts geändert. Wir geben nicht auf!

Ist es das Beste, gar nicht auf die Tabelle zu blicken, sondern nur auf das jeweils nächste Spiel?

So machen wir es sowieso. Trotzdem ist jedem in der Mannschaft bewusst, welchen Tabellenplatz wir haben, wie viele Punkte wir haben und wie viele Punkte die anderen haben. Davon dürfen wir uns nicht demotivieren lassen, lassen wir uns auch nicht.

„Wir sind glücklich, in der Regionalliga zu spielen. Wir haben es uns aber auch verdient, dabei zu sein.“

Auch als Tabellenletzter der Regionalliga ist Eintracht Stadtallendorf als reiner Amateurverein immer noch im Plus – sehen Sie das auch so?

Naja, wir sind glücklich, in der Regionalliga zu spielen. Wir haben es uns aber auch verdient, dabei zu sein. Und wenn man das geschafft hat, will man in der Regionalliga auch Spiele gewinnen und zeigen, dass man zurecht dazu gehört, so wie wir es in der ersten Saison in der Liga sogar recht souverän geschafft haben (2017/2018 wurde der Klassenerhalt bereits am vorletzten Spieltag sichergestellt). Man will nicht einfach nur irgendwie dabei sein.

In der Regionalliga trifft Eintracht Stadtallendorf auf frühere Bundesligisten wie Offenbach und den SSV Ulm, nach dem ersten Aufstieg 2017 auch auf den 1. FC Saarbrücken und Waldhof Mannheim. Sind Spiele gegen solche Clubs für Sie etwas besonderes?

Ja, auf jeden Fall, darauf freut man sich. Es geht in solchen Spielen um dasselbe wie in anderen, nämlich darum, Punkte zu holen. Aber, wenn man ehrlich ist, die Spiele in größeren Stadien wie in Offenbach oder auch Heimspiele gegen große Vereine, die viele Fans mitbringen, bei denen aber auch unsere Fans für eine tolle Atmosphäre sorgen, sind besonders. Umso bedauerlicher ist es, dass im Moment keine Zuschauer dabei sein dürfen.

Nach aktueller Planung hat die Eintracht innerhalb der nächsten fünf Monate noch 26 Spiele in der Regionalliga, die Hälfte davon auswärts, bei vielen wird eine Übernachtung nötig sein. Dazu könnten Partien im Hessenpokal kommen. Es ist ein hartes Programm, verbunden mit großem zeitlichen Aufwand. Ihr bisheriger Teamkamerad Felix Nolte möchte den nicht mehr betreiben, hat den Verein daher verlassen. Verstehen Sie ihn?

Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er das leisten kann und möchte. Bei Felix hat es nicht mehr gepasst, das ist völlig in Ordnung. Das Programm ist außergewöhnlich, keine Frage. Und die Rahmenbedingungen mit den Coronatests, den Hygienemaßnahmen und dem Fehlen von Zuschauern machen es nicht einfacher. Aber es spricht für sich, dass die Jungs, die hier sind, das mitmachen wollen. Dafür ist man auch bereit, gewisse Opfer zu bringen.

„Für uns alle ist es keine Frage, dass wir trotzdem absolut Gas geben und alles reinwerfen.“

Zu den Opfern gehört auch, dass Sie wie ihre Teamkameraden auf einen Teil des Geldes, das Ihnen vertraglich zustehen würde, verzichten, um den Verein in der wirtschaftlichen schwierigen Situation ohne Einnahmen durch Zuschauer zu helfen ...

Absolut. Das ist ein Teil. Es ist eine außerordentliche Situation. Darüber ist offen und ehrlich gesprochen worden. Für uns alle ist es keine Frage, dass wir trotzdem absolut Gas geben und alles reinwerfen. Ich denke, das spricht für unsere Mannschaft.

von Stefan Weisbrod

10.01.2021
09.01.2021